Alarm auf der Bürgerweide - Dritte Kongressmesse „akut“ zu Notfallmedizin und Rettung startet

In rund zwei Wochen ist die Bürgerweide fest in der Hand von Feuerwehrleuten, Notfallmedizinern, Katastrophenspezialisten, Mitarbeitern von Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen oder auch Bundeswehrangehörigen. Dann findet zum dritten Mal die Kongressmesse „akut – Deutsches Forum Notfallmedizin & Rettung“ in der Messe Bremen statt. 

Einsätze in Offshore-Windkraftparks oder in Biogasanlagen, die Rettung stark übergewichtiger Menschen, Versorgung von Kleinkindern und Hochbetagten: Am 5. und 6. Oktober besprechen mehr als 110 Referenten in den Hallen 4 und 4.1 in über 60 Sitzungen aktuelle und drängende Themen ihres Metiers und üben für den Ernstfall. In der Messehalle 5 und auf dem Freigelände zeigen knapp 80 Firmen und Organisationen ihre Produkte und Dienstleistungen.

Elektrotaxi war nach einer Kollision ausgebrannt

„Elektrotaxi in den Tod“ titelte eine großes Auto-Magazin Ende Mai 2012, denn ein tragisches Unglück im chinesischen Shenzen hatte drei Todesopfer gefordert. Das Elektrotaxi war nach einer Kollision ausgebrannt – vermutlich, weil die Batterie explodiert war. Welche Sorgen müssen sich Retter machen, wenn sie Menschen aus Fahrzeugen befreien, die mit Strom, Gas oder Wasserstoff betrieben werden? Immer mehr solcher Autos, Busse oder Laster fahren auch auf deutschen Straßen – Unfälle werden zunehmen. Das gilt zum Beispiel auch für Unfälle auf Offshore-Windkraftanlagen. In den vergangenen drei Jahren zählten Experten 70 – die Zahl wird mit dem Ausbau der Windparks weiter steigen. Doch wie versorgt man Verunglückte 150 Kilometer vor der deutschen Küste bestmöglich und schafft sie schnellstens in Krankenhäuser? Um solche Fragen drehen sich die entsprechenden Sitzungen des Kongresses.

Notfälle rasch und effizient meistern

Notfälle rasch und effizient meistern – das Ziel gilt auch für Standardsituationen im Rettungswesen, so bei der Versorgung von Vergiftungsopfern. Bislang reisen auf Notarztwagen oft eine Vielzahl sehr teurer Gegengifte mit, die oft ungenutzt entsorgt werden. Dem will die „Bremer Liste“ abhelfen, die Experten des Klinikums Links der Weser entwickelt und kürzlich vorgestellt haben und die nach Angaben eines Vertreters der Gruppe den neuen Arbeitsstandard in Deutschland darstellt. Sie enthält nur noch die fünf wichtigsten Antidote – während der akut informieren Vertreter der Gruppe darüber, wie sie zustande kam und wie sie konzipiert ist.

Zahlreiche Workshops und Fortbildungen

Auch für die praktische Fortbildung ist auf der akut stets viel Raum. Zum Beispiel simulieren die Teilnehmer Rettungsszenarien unter den beengten Bedingungen in Rettungshubschrauber und -wagen. Hintergrund: Kritische Einsätze wie etwa eine Reanimation im Hubschrauber kommen nicht häufig vor, darum empfiehlt sich das Üben mit Puppen. Eine große Herausforderung sind stets auch Großschadenslagen mit sehr vielen Verletzten, zum Beispiel hinsichtlich der Triage. Bei dieser Verletztensichtung müssen Ärzte oder Rettungsdienstmitarbeiter binnen Sekunden entscheiden, wer sofort behandelt werden muss und wer warten kann. Beim Triagetraining üben die Teilnehmer, wie vorzugehen ist. Ein vielversprechendes, aber noch wenig verbreitetes Konzept ist die „Telefonreanimation“. Dabei leiten Mitarbeiter von Notrufzentralen Angehörige per Telefon an, wie sie zum Beispiel einen Betroffenen nach einem Herzstillstand reanimieren. Ziel ist, die Zeit zwischen einem Notruf und dem Eintreffen des Notarztes sinnvoll zu überbrücken. Doch wie erklärt man einem Laien das Vorgehen so, dass er es sofort versteht? Das ist Thema eines entsprechenden Workshops mit Beteiligung der Bremer Feuerwehr. Sie gehört zu den wenigen in Deutschland, die das Konzept schon systematisch praktizieren.

„Wir wollen den Dialog zwischen allen Disziplinen ermöglichen, die an Rettungseinsätzen beteiligt sind“

Den Organisatoren der akut ist ein Grundanliegen, die Diskussion über fachliche Grenzen hinweg anzuregen. „Wir wollen den Dialog zwischen allen Disziplinen ermöglichen, die an Rettungseinsätzen beteiligt sind“, sagt Tagungspräsident Professor Dr. Peter H. Tonner. „Jeder einzelne ist in seinem Thema zwar ein Spezialist, doch an den Schnittstellen kann es manchmal haken“, so der Notfallmediziner und Chefarzt am Klinikum Links der Weser in Bremen. „Wir veranstalten die akut jetzt zum dritten Mal. Nach aktuellem Stand der Buchungen ist das Interesse sogar noch größer als in den Vorjahren“, berichtet der Geschäftsführer der Messe Bremen, Hans-Peter Schneider. Zur zweiten akut kamen im Jahr 2010 knapp 2.100 Teilnehmer in die Messehallen.

WEBER RESCUE DAYS

Parallel zu der Kongressmesse findet in diesem Jahr in den Hallen 5 bis 7 eine Fortbildung im internationalen Maßstab statt: die WEBER RESCUE DAYS des Unternehmens Weber Hydraulik, ein Praxistraining, das seit zehn Jahren Interessierte aus aller Welt anzieht. Zu dieser weltweit größten Ausbildungsveranstaltung für technische Hilfe durch Feuerwehren werden vom 5. bis 7. Oktober rund 800 Teilnehmer aus 20 Ländern erwartet. Dabei geht es zum Beispiel um die Rettung aus Autos, Lastern und Bussen, auch mit neuartigen Antrieben, oder auch Landmaschinen und gepanzerten Fahrzeugen.

Weitere Informationen unter www.akut-bremen.de.

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