6. Virtual Fires Kongress 14. – 15. April 2011 in St. Georgen

St. Georgen (Schwarzwald) | am 14.04.2011 - 11:30 Uhr | Aufrufe: 1077

Zum sechsten Mal kamen vom 14. - 15. April 2011 in der schönen Stadt St. Georgen (Schwarzwald) ca. 100 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und den Niederlanden zum „Virtual Fire Kongress“ zusammen.

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Im Mittelpunkt des diesjährigen Kongresses stand die Tunnelsicherheit. Unter den Teilnehmern waren Vertreter von Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren, des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, der Deutschen Bahn AG, von Brandschutzingenieurbüros, Psychologen sowie Anwender und Entwickler von Virtualisierungs- und Simulationssoftware. Unter den Teilnehmern und als Aussteller waren auch Studenten/innen des Bachelorstudienganges „Security & Safety Engineering“ der Hochschule Furtwangen.


Im Ausstellungsbereich der Stadthalle St. Georgen präsentierten Sponsoren und Partner des Virtual Dimension Centers TZ St. Georgen aktuelle Technologien und Ausrüstungen für den Feuerwehr- und Rettungsdienst. Veranstalter dieses Kongresses war wie in den vorangegangenen Jahren die Firma VISENSO GmbH, Stuttgart.

Der Bürgermeister von St. Georgen, Michael Rieger, stellte in seiner Begrüßungsansprache den Zusammenhang zwischen Stadt, Region und dem Thema des Kongresses her. Liegt doch seine Stadt an der Schwarzwaldbahn mit ihren 39 Tunneln. Damit stellt die Schwarzwaldbahn die anliegenden Feuerwehr-, Rettungs- und Sicherheitskräfte vor große Herausforderungen. Es war deshalb auch kein Zufall, dass zu den Teilnehmern auch der Kreisbrandmeister des Schwarzwald-Baar-Kreis, Kam. Manfred Bau, und der Kommandant der Feuerwehr der Bergstadt, Kam. Stadtbrandmeister Werner Fuchs. Vor der Stadthalle war die Freiwillige Feuerwehr St. Georgen mit ihrem neuen ELW und dem schienenfähigen HLF für Bahn- und Tunneleinsätze vertreten, die sie interessierten Kongressteilnehmern vorstellten.
Die Vorträge am ersten Kongresstag beinhalteten beispielsweise die Möglichkeiten von Simulation im Bereich Tunnelsicherheit, das Licht im Tunnelraum und anwenderorientierte 3D-Strömungssimulation. Bewertungen von Gestaltungsvarianten von Notausgängen unter Einsatz von Simulationen aus psychologischer Sicher, Chancen und Grenzen von Computersimulation in der Brandursachenermittlung, Anforderungen an Tunnelsicherheitskonzepte und Simulation von Schienenfahrzeugbränden gehörten ebenfalls zu den Themen. Außerdem gaben Brandschützer von Feuerwehren aus Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie einige der Aussteller einen Einblick in die Herausforderungen und Möglichkeiten einer zukunftsorientierten Gefahrenabwehr. Einige der vorgestellten Simulationen und 3D-Visualisierung, wurden konzipiert, die Sicherheit von Tunnelanlagen bereits in der Planungs- uns Ausbauphase sowie im laufenden Betrieb zu erhöhen, bzw. im „Ernstfall“ den Einsatz der Rettungskräfte zu optimieren.

In seinem Eröffnungsvortrag analysierte Prof. Dr. h.c. Ing. Christian Bartenbach von der „Lichtakademie Bartenbach“ in Aldrans (Österreich) das Verhalten von Verkehrsteilnehmern in Tunneln, wobei nach seinen Forschungen der visuelle Wahrnehmungsvorgang einen wesentlichen Stellenwert hat. Eine sinnvolle Ergänzung dieses Vortrages stellte die Vorstellung der bisherigen Forschungsergebnisse zu verschiedenen Gestaltungsvarianten von Notausgängen in Straßentunneln unter Einbeziehung von VR-Technologien durch Prof. Dr. Andreas Mühlberger vom Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Würzburg dar.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Möglichkeiten von Simulation und Virtueller Realität im Bereich Tunnelsicherheit, wobei der Kommunikation komplexer Sachverhalte sehr wichtig ist und möglichst verlässlich sein sollte.
Dr. Andreas Wierse, Geschäftsführer VISENSO GmbH in Stuttgart, betonte in seinem Vortrag auf der einen Seite die deutlich komplexeren Anforderung an die Sicherheit bei Tunnelbauwerken und auf der anderen Seite die sich ergebenen Möglichkeiten von Simulation in Verbindung mit geeigneten Visualisierungen, Verantwortlichen in diesem Bereich bei Entscheidungsfindungen zu helfen.

Auf neuere technische Entwicklungen bei Anwendungen von 3D-Strömungssimulation in der Tunnelsicherheit ging ergänzend Dipl.-Ing. Erwin Schnell von der „Gruner AG“ in Basel (Schweiz) ein. Deutlich größere und kostengünstigere Rechencluster mit schnellen Prozessoren, massive Parallelisierung und schnelle, automatische Vernetzung
ermöglichen die Analyse immer größerer Rechenmodelle, wie die
Modellierung großer Tunnelsysteme unter verschiedensten Aspekten erfordert. Für die Betrachtung von Belüftung, Entrauchung, Zugbetrieb sowie die damit verbundenen Sicherheitsanforderung und deren verständlicher Darstellung bietet die dreidimensionale Visualisierung die besten Möglichkeiten.
Über Chancen und Grenzen von Computersimulationen und deren Ergebnisse sowie die Darstellung von virtuellen Bränden in Zügen und Tunneln für die Brandursachenermittlung und letztlich die gerichtliche Nutzung sprach der Brandsachverständige und Kriminologe Frank D. Stolt aus Mannheim. Die Grundlage bildeten eigene experimentelle Untersuchung mit Realbrandsversuchen und deren parallele CFD-Simulation und 3D-Visualisierung. Die anschließende Diskussion zeigte ebenfalls, dass derzeit diese Anwendungen nicht gerichtsverwertbar sind, sondern sich lediglich zur Überprüfung kriminalistischer Hypothesen eignen.

Einen Sachstandsbericht das Verbundprojekt SKRIBT „Schutz kritischer Brücken und Tunnel im Zuge von Straßen“ gab Frau Ingrid Mausa vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. In den verschiedenen Forschungsarbeiten zu diesem Projekt wurden unterschiedliche Bedrohungen identifizierten und Szenarien für Schutzmaßnahmen entwickelt.
Bezug nehmend auf Teile dieses Vortrages ging der nächste Referent Prof. Ernst-Peter Döbbeling vom bachelorstudiengang „Security & Safety Engineering“ an der Hochschule Furtwangen am Praxisbeispiels des schweizerischen Lötschberg-Basistunnels auf grundsätzliche Anforderungen an derartige Konzepte und Planungen ein.


Neue Ansätze im Tunnelsicherheitstraining durch Serious Gaming-Technologie stellte Mathieu Cazzato, Koordinator Sicherheitstraining Mont Blanc Tunnel (TMB), vor. Der Vortrag zeigte anhand konkreter VR-Szenarien die Möglichkeiten einer innovativen Optimierung bei der Sicherheitsausbildung und des Training von Sicherheitskräften für den Bereich komplexer Tunnelbauwerke auf.

Der Vortrag des DB AG-Konzernbeauftragten für den Brandschutz Klaus-Jürgen Bieger zum Brandschutz in Zügen und unterirdischen Personenverkehrsanlagen sowie Normen, Bemessungsbränden und Simulationen als Grundlage von Brandschutzkonzepten für die Bahn hatte in Teilen den Charakter einer Promotionveranstaltung.

Dies führte im Ausschluss zu einigen durchaus sehr kritischen Diskussionsbeiträgen zu Anspruch und Wirklichkeit des Brandschutzes bei der DB AG. Unwidersprochen blieben die Feststellungen des Vortragenden, dass eine zunehmende Brandgefahr für Züge und Tunnels von den auf der Schiene transportierten Lkws ausgeht.

Die abschließende Podiumsdiskussion wirkte dagegen etwas hölzern und glich eher einer freundlichen Abgaberunde für Statements.

Einen letzten Akzent am ersten Kongresstag setzte ein badisches Schlemmerbuffet. Dabei bot sich den Teilnehmern, Referenten und Ausstellern die Möglichkeit des weiteren Erfahrungsaustausches und Kontaktaufnahme. Umrahmt wurde dieser Abend in entspannter Atmosphäre u.a. mit Ausschnitten aus einem Musicals rund um den Schwarzwaldbahnerbauer Gerwig.

Der zweite Kongresstag stand ganz im Zeichen des Besuches der „International Fire Academy“ (ifa) in Balsthal im Kanton Solothurn (Schweiz). Die „ifa“ ist in Europa die führende Einrichtung für Ausbildung und Training von Feuerwehren im Einsatz in unterirdischen Verkehrsanlagen. Mittels zweier
einzigartiger, gasbefeuerter Tunnel-Übungsanlagen im schweizerischen Balsthal und Lungern wird Feuerwehr- und Rettungskräften durch ein Experten-Team die schweizerische Tunnel-Einsatzlehre in Theorie und Praxis für den Ernstfall vermittelt. Neben der seltenen Gelegenheit zur Besichtigung der Tunnelanlage im Balsthal wurde in einem Vortrag den Kongressteilnehmern durch den Leiter des Bereiches Ausbildung und Entwicklung, Christian Brauner, das eigens für den Tunneleinsatz entwickelte Ausbildungskonzept vorgestellt.
So fielen mit dem Besuch des „ifa“ Höhepunkt und Ende des Kongresses zusammen.

Im Nachgang waren mit diesen zwei Kongresstagen nicht nur die Teilnehmer und Aussteller zufrieden. Zufrieden sein konnten auch die Visenso-Geschäftsführer Martin Zimmermann und Dr. Andreas Wierse sowie deren viele fleißige Helfer.

Frank D. Stolt
Mannheim


Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter:

Virtual fires kongress kleines logo

Die Gewinner der Karten für den VIRTUAL FIRES Kongress stehen fest

 

Virtual Fires Kongress 2011 St. Georgen Tunnelsicherheit

Exklusiv für retter.tv-User: Karten für VIRTUAL FIRES KONGRESS 2011

 

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Interview zum VIRTUAL FIRES Kongress mit Martin Zimmermann

 

VIRTUAL FIRES KONGRESS 2011

VIRTUAL FIRES KONGRESS 2011 - Tunnelsicherheit

 

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am 14.04.2011 08:15
von Christian HoferMann     
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