Großartiges Bild: Langenselbolder Feuerwehrfrauen stehen „ihren Mann“

Langenselbold | am 02.10.2013 - 12:46 Uhr | Aufrufe: 4110

Unser Interview zum fantastischen Bild der Feuerwehrfrauen Langenselbold verrät, warum Feuerwehr schon lange keine reine Männersache mehr ist.   

Nachdem retter.tv das Bild der Feuerwehrfrauen auf der Facebookseite der Freiwilligen Feuerwehr Langenselbold entdeckte, sind wir der Sache näher auf den Grund gegangen und haben bei der zuständigen Wehr nachgefragt. In unserem exklusiven Interview mit Herrn Andreas Mohr könnt Ihr nun erfahren, wie das Bild der Langenselbolder Feuerwehrfrauen entstanden ist.

1. Ist das Plakat im Rahmen einer Kampagne zur gezielten Gewinnung von Frauen bei der Feuerwehr entstanden?

Nein. Eine gezielte Werbung für Frauen war damit nicht geplant. Das Ganze hatte einen ganz anderen Hintergrund. Eine Nachbarwehr führt seit zwei Jahren ein Feuerwehrautoziehen durch (LF Pulling der Feuerwehr Bruchköbel). Hierfür hatten sich aus Langenselbold zwei Mannschaften angemeldet. Eine davon bestand nur aus Frauen. Inspiriert durch das Gruppenfoto beim Wettkampf, kam bei den "Mädels" der Gedanke zur Erstellung eines Kalenders für 2014 auf. Daraufhin folgten die Fotoaufnahmen. Die dabei entstandenen Bilder haben uns sehr gut gefallen und deshalb haben wir uns kurzfristig entschieden, eines der Bilder auf die Facebookseite der FF Langenselbold zu stellen. Mit unerwartet gutem Erfolg.

2. Was unternehmen Sie in Ihrer Wehr, um Frauen für die Feuerwehrausbildung zu begeistern?

In der Vergangenheit gab es keine großen unterschiedlichen Werbemaßnahmen. Eine vom Landesfeuerwehrverband angeregte Kampagne, um Frauen für den Feuerwehrdienst zu begeistern, haben wir in unsere Internetseite integriert. Für Langenselbolder Kinder führen wir Kindergeburtstage im Feuerwehrhaus durch. Bei dieser Gelegenheit kommt man auch mit den Eltern ins Gespräch und kann auf die Arbeit der Feuerwehr hinweisen. Ein großer Erfolg hat sich nicht abgezeichnet. Familie und Beruf stehen im Vordergrund. Ehrenämter zu übernehmen und sich mit langwieriger Ausbildung zu beschäftigen war in den Gesprächen meistens der Knackpunkt.

3. Wie hoch ist der Frauenanteil bei der Feuerwehr Langenselbold und gibt es eine steigende Tendenz?

Der Frauenanteil in Langenselbold liegt derzeit bei knapp 10% und hat sich in den letzten 10 Jahren erst zu dieser Zahl entwickelt. Durch unser Foto auf Facebook hatten wir schon wenige Tage später eine Interessentin. Hoffen wir, dass wir das Interesse weiter ausbauen und wir sie als neues Mitglied und als Einsatzkraft willkommen heißen können.

4. Durchlaufen Frauen die gleichen Stationen in Ihrer Wehr wie Männer?

Ja. Es gibt da keine Abstriche bei uns und ich glaube, das ist auch wichtig. In vielen Gesprächen und aus der Erfahrung heraus kann ich sagen, dass Frauen in der Feuerwehr nicht anders behandelt werden wollen, als Männer auch. Hört sich vielleicht blöd an, aber sie wollen ihren Mann stehen. Durch meine Tätigkeit als Kreisausbilder hatte ich bei Grund- und Truppführerlehrgängen öfter den Eindruck, dass Frauen mehr Ehrgeiz aufbringen, um den Jungs noch einen vorzumachen und um nicht als Püppchen in die Ecke gestellt zu werden. Auch im Einsatz sind unsere Frauen wie die Männer auch unter Atemschutz im Einsatz. Jeder Feuerwehrangehörige muss seine Leistungsgrenzen kennen und von vornherein entscheiden, kann ich die Aufgabe bewältigen oder nicht und damit auch ehrlich zu sich selbst sein. Und ebenso wichtig ist, dass diese Ehrlichkeit von allen anderen Einsatzkräften, egal ob männlich oder weiblich, akzeptiert wird.

5. Sind Sie der Meinung, dass Frauen im Jahr 2013 gleichberechtigt in die einstige "Männerdomäne" Feuerwehr aufgenommen und dort akzeptiert werden?

Leider ist das nicht überall der Fall. Ich weiß aus mündlichen Berichten, dass nicht in jeder Feuerwehr eine Frau als vollwertige Einsatzkraft akzeptiert wird, obwohl sie entsprechende Lehrgänge absolviert und diese auch mit Bravour bestanden hat. Für Langenselbold kann ich sagen: auf jeden Fall und wir freuen uns, die noch zehn freien Umkleideschränke in der Damenumkleide (ja, hier gibt es eine Trennung) zu besetzen.

Wir bedanken uns bei Herrn Andreas Mohn sehr herzlich für das spannende Interview!

Hier geht's zum Bild der Feuerwehrfrauen

Bild: Feuerwehr Langenselbold

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