Löschkübel-Aktion in Vallstedt / Alvesse: Ein Interview mit Ortsbrandmeister Markus Wendehake

Vallstedt / Alvesse | am 22.02.2013 - 12:42 Uhr | Aufrufe: 1722

Viele Feuerwehren haben mit einem drohenden Mitgliedermangel zu kämpfen. Wie retter.tv bereits berichtet hat, hat die Feuerwehr Vallstedt / Alvesse sich dazu etwas Besonderes einfallen lassen: In einer Nacht – und – Nebel- Aktion haben die Ehrenamtlichen rote Plastik-Löschkübel an Haushalte in ihrer Region verteilt. Im Interview mit retter.tv erzählt Ortsbrandmeister Markus Wendehake, was hinter der Aktion steckt.

Haushalts-Löschkübel für die Bevölkerung, eine Werbeaktion der Feuerwehr Vallstedt/Alvesse Welche Geschichte steckt hinter der Idee zum Haushalts-Löschkübel? Wie ist die Idee entstanden?

Wir haben in den letzten Jahren eigentlich immer regelmäßig Aktionen zur Mitgliederwerbung durchgeführt (1x pro Jahr). Es wurden bislang allerdings immer "nur" Flyer verteilt und Info-Abende bzw. Tage der offenen Tür organisiert. Anfangs war dieses Vorgehen auch erfolgreich und es konnten teilweise bis zu fünf neue aktive Mitglieder und mehrere Förderer mit einem Schwung gewonnen werden. Doch es wurde von Jahr zu Jahr immer schwieriger für uns überhaupt das Interesse an der Feuerwehr bei den Bewohnern zu wecken. Unsere Feuerwehr nimmt u.a. aktiv am Dorfleben teil und veranstaltet z.B. das Osterfeuer, Maibaumfest, Lampion-Umzug usw. Wir verstecken uns also nicht, sondern sind schon recht nah am Bürger.... Aber es viel uns immer schwieriger neue Mitglieder zu generieren.

Wir stellten fest, dass Flyer alleine keine richtige Wirkung erzielen – da sicherlich viele Flyer noch nicht einmal durchgelesen wurden, oder vermutlich gleich direkt in der Tonne landeten.... Es fehlte die persönliche Ansprache, der persönliche Kontakt. Wir wollten und mussten fortan die Bewohner der Ortschaften auf das Thema Feuerwehr aufmerksam machen und vor allem auch Aufklärungsarbeit leisten, denn immer wieder bekommen wir von Bewohnern zu hören: "Naja, wenn es dann mal richtig brennt, dann kommt ja eh die Berufsfeuerwehr...". Das dem halt nicht so ist, wissen einige Bürger heutzutage leider immer noch nicht!

Deshalb sollte die aktuelle Werbeaktion etwas ganz besonders werden, worüber man spricht und was man nicht so schnell vergisst. Mein Bruder (Niels Wendehake) ist Gruppenführer in unserer Wehr und arbeitet als Mediengestalter bei der Werbeagentur typografix-design in Braunschweig. Dort stieß unser Vorhaben auf großes Interesse und es wurde mit den Kollegen/innen gegrübelt und diskutiert, wie man die Sache angehen könnte – die Idee des Löschkübels war geboren. Unsere Wehrführung fand diese Idee auch sofort ganz toll und nahm die weiteren Planungen umgehend auf. Sogar der historische Hintergrund des Löschkübels konnte mit dieser Aktion somit wunderbar integriert werden.

Wen wollten Sie mit der Aktion ansprechen? An wen haben Sie die Kübel denn genau verteilt?

Unsere Zielgruppe sind natürlich alle weiblichen und männlichen Bewohner (zwischen 16 und ca. 45 Jahren) in unseren beiden Ortschaften Alvesse und Vallstedt. Beide Dörfer haben zusammen ca. 1600 Einwohner. In einer „Nacht und Nebel-Aktion“ wurden vom 15. auf den 16. Februar 2013 dann an fast alle "Nicht-Feuerwehr-Haushalte" 500 Löschkübel verteilt. Die Erfahrung aus der Vergangenheit hatte gezeigt, dass sich "gefestigte" männliche Bürger – also solche, die bereits ein Haus besitzen, einem geregelten Job nachgehen, verheiratet sind und Kinder besitzen, die schon etwas älter sind – meistens langfristig auch engagiert bei der Feuerwehr bleiben...

Welchem Zweck genau dient Ihr „Geschenk“? Was wollen Sie damit bewirken?

Der Löschkübel soll symbolisch und mit einem gewissen Witz auf das Problem des Mitgliederrückganges in den Wehren aufmerksam machen: Ohne die Feuerwehr müsste der Bewohner die Eigeninitiative ergreifen und ein Feuer in seinem Haus selbst bekämpfen. Das könnte der Bürger dann mit dem Löschkübel machen, unterstützt durch seine Nachbarn mit der Löschkübelkette. Es soll ihm klar werden, dass ein persönliches Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr wichtig ist. Denn es könnte auch direkt seine Familie und sein Umfeld von einem Brand- oder Unglücksfall betroffen sein. Kurz gesagt: Wir möchten die Bewohner etwas wachrütteln und zum Nachdenken anregen.

Wie ist Ihre Aktion bei den Menschen angekommen? Gab es auch negatives Feedback oder waren die Reaktionen durchweg positiv?

Wir haben bereits am nächsten Tag (Samstag) schon die ersten positiven Rückmeldungen von Bewohnern aus unseren beiden Ortschaften sowie von Mitgliedern der Gemeinde Feuerwehr erhalten. Die Aktion hatte sich wie ein Lauffeuer rumgesprochen. Durch die regionale Presse und letztendlich dank des Internets ( z.B. Website, Facebook, retter.tv ) war unserer Aktion schnell bundesweit bekannt und wir bekommen durchweg positive Rückmeldungen von Personen, Feuerwehren und Rettungsorganisatoren sowie Anfragen zur Aktion aus ganz Deutschland. Negatives Feedback erreichte uns bislang nicht.


Hat sich mittlerweile schon ein Effekt gezeigt?

Sicherlich hat sich der Bekanntheitsgrad unserer Feuerwehr schlagartig erhöht. Wir sind nun auf jeden Fall bundesweit im Gespräch. Ein Einwohner hat sich am Samstagnachmittag selbstständig bei mir gemeldet und sich bereit erklärt als aktives Mitglied einzutreten. Zwei Förderer konnten ebenfalls schon gewonnen werden – und das, obwohl unsere Nachfass-Aktion (die persönliche Ansprache und Einladung zum Info-Abend) noch nicht angelaufen ist. Diese startet in der kommenden Woche.


Was erhoffen Sie sich vom Informationsabend am 8. März?

Wir hoffen, dass wir das Interesse an unserer Freiwilligen Feuerwehr geweckt haben und sich einige Einwohner aus unseren beiden Ortschaften letztendlich auch entscheiden, bei uns mitzumachen. Wir wären mehr als zufrieden, wenn wir 3-5 neue Aktive Kameraden durch unsere Kampagne gewinnen würden. Viel mehr erwarten wir gar nicht. Sollten es dennoch mehr werden, so wäre das natürlich ein unglaublicher Erfolg.


Auf Ihrer Internetseite steht geschrieben, dass im Vorfeld des Informationsabends zusätzlich noch ausgewählte Personen von den Kameraden der Feuerwehr gezielt angesprochen und persönlich eingeladen werden. Wen wollen Sie konkret ansprechen?

Wie bereits zuvor angemerkt, stellt die persönliche Ansprache ein sehr wichtiges Standbein unserer Aktion dar. Wir laden nun noch zusätzlich gezielt Personen persönlich ein, bei denen wir uns eine aktive Mitgliedschaft vorstellen könnten. Man kennt sich auf dem Dorf.... somit wurde im kleinen Kreis der Wehrführung eine entsprechende Liste erstellt. Diese Liste reicht von Schülern bis hin zu gestandenen Familien-Vätern – aber auch zahlreiche weibliche Bewohner wollen wir persönlich ansprechen um somit unsere Frauen-Quote anzuheben. All diesen Personen wird nächste Woche in einem kleinen Gespräch eine persönliche Einladung zum Info-Abend überreicht.

Zusätzlich haben wir uns für dieses Jahr vorgenommen eine gute Öffentlichkeitsarbeit durchzuführen. Unsere Website wurde bereits komplett überarbeitet, es gibt mittlerweile auch eine eigene Facebookseite. Weiterhin werden wir stets kleine Presseberichte in lokalen Zeitungen veröffentlichen und über das aktuelle Geschehen in unserer Wehr informieren. Die Bürger sollen erfahren, was unsere Feuerwehr so alles macht...

Hoffentlich schlägt sich die entstandene Begeisterung letztendlich auch in den Mitgliederzahlen nieder. Wir sind vermutlich genauso gespannt auf den Info-Abend, wie sie.

Einen abschließenden Hinweis möchten wir an dieser Stelle noch geben: Gern können und dürfen andere Wehren unsere Idee aufgreifen und für sich nutzen. Wenn dadurch neue Mitglieder für die Feuerwehren gewonnen werden können, ist uns allen geholfen. Lediglich ein Hinweis in der jeweiligen Pressemeldung der Wehr zum Ursprung der Kampagne mit dem Verweis auf die Feuerwehr Vallstedt/Alvesse würde uns sehr freuen.

Den Beitrag von retter.tv zur Löschkübel-Aktion der Feuerwehr Vallstedt / Alvesse finden Sie hier.

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