Offener Brief an all die elenden Gaffer, die sich am Menschenleid ergötzen

Deutschland | am 08.06.2017 - 11:43 Uhr | Aufrufe: 1434

Während Autofahrer und Anwohner sich um die besten Plätze zum Filmen und Fotografieren streiten, kämpfe ich um Menschenleben! Das geht an all die Personen, denen auch das letzte Fünkchen Schamgefühl abhandengekommen ist, für die Leid nicht mehr ist als ein kurzer Handyclip, ein schnelles Foto.

Ich kann es nicht mehr hören! Jede Woche dieselben Nachrichten: „Gaffer verhindern Hubschrauberlandung“, „300 Gaffer mit Polizeihund in Schach gehalten“ oder „Gaffer sorgen für Megastau“. Klar, als Retter kann ich verstehen, dass das, was wir da tagtäglich leisten, für viele Menschen genau das Gegenteil ist: Ein besonderer Moment, zwischen abstoßend und unheimlich spannend. Aber habt ihr euch eigentlich auch mal bewusst gemacht, was euer Verhalten für all die Menschen bedeutet, die an diesen Schicksalsmomenten beteiligt sind? Was es für uns Retter heißt, nicht helfen zu können oder dabei beobachtet, schikaniert zu werden, weil Gaffer, Pöbler, uneinsichtige Egoisten meinen, sich in solchen Momenten verhalten zu müssen wie Tiere, sabbernd vor dem Futtertrog?

Jede Menschlichkeit verloren

In solchen Momenten verliere ich immer wieder den Glauben an die Menschheit. Wie kann es sein, dass ein schwer blutender Mann nach einem Autounfall am Boden liegt und ein Familienvater neben vielen anderen Schaulustigen seine dreijährige Tochter direkt über den Verwundeten hält - die Aufforderung dies zu unterlassen quittiert er mit Beleidigungen? Wie kann es sein, dass zwei Männer seelenruhig einen brennenden LKW filmen, während engagierte Ersthelfer vergeblich versuchen den Fahrer aus den Flammen zu retten? Wie kann es sein, dass 300 Schaulustige nach einem Unfall durch einen Polizeihund auf Abstand gehalten werden müssen?

Schneller bei Youtube als auf dem OP-Tisch

Wenn der Einsatz um Leben und Tod mal wieder zum kinogleichen Dokumentarfilm-Szenario wird – das ist die Realität als Retter vor Ort. Wir wollen helfen, wir wollen kämpfen, wir wollen Menschenleben retten. Wieso tut ihr uns das an? Für euch geht es nur um Likes und Shares bei Facebook oder Youtube, um die größtmögliche Aufmerksamkeit, sich wichtig fühlen. Dabei seid ihr nichts anderes als traurige Gestalten, denen nur noch mit der vollen Härte der Justiz begegnet werden kann. Bei eurem unmenschlichen und egoistischen Verhalten bleibt mir nichts mehr anderes zu sagen: Kommt ihr mal in eine solche Situation, liegt schwerverletzt auf der Autobahn – dann will ich wissen, wie es sich anfühlt anstelle eines Ersthelfers, eines Sanitäters, Smartphones über euren Köpfen zu sehen. Ihr überschreitet Grenzen, tretet sie mit Füßen, regelmäßig - denkt da mal drüber nach.

Hinterlegte Stichworte (Tags)
Bilder und Videos zu diesem Beitrag
Empfehlungen von anderen Nutzern
Jetzt mit Facebook Connect auf retter.tv anmelden

Das könnte Sie auch interessieren
Anfang Februar konnte die Freiwillige Feuerwehr Kelkheim einem Mann nach einem Verkehrsunfall nicht mehr helfen. Nun erreichte die Kameraden ein Brief der Ehefrau, in dem sie sich trotz des traurigen ... mehr
am 19.04.2017 08:32
von retter.tvretter.tv Profilbild     
Die Leitenden Ärzte und medizinisch Verantwortlichen von ADAC Luftrettung, DRF Luftrettung und der Luftrettungsstandorte des Bundesinnenministeriums haben sich als Arbeitsgemeinschaft ... mehr
am 09.04.2010 08:38
von retter.tvretter.tv user logo     
Um diese Funktion zu nutzen,
müssen Sie ein registriertes Mitglied von retter.tv sein.

Sie wollen aktiv an retter.tv teilnehmen, dann melden
Sie sich jetzt kostenlos an.

weiter zur Anmeldung