„Keine Tricks“ beim Pflegetüv

Augsburg | am 19.01.2011 - 10:39 Uhr | Aufrufe: 117

Die Arbeiterwohlfahrt Schwaben äußert sich zu Berichten der Augsburger Allgemeine über die Kritik am Pflege-TÜV für Altenheime. Wie berichtet, hatte Armin Rieger, Geschäftsführer des Hauses Marie in der Jakobervorstadt, selber das Verfahren durchlaufen. Sein Fazit: Mit Seminaren und externen Beratern lassen sich Noten verbessern, ohne die Pflege zu ändern. Winfried Fischer, beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) für Qualitätssicherung zuständig, hatte gegenüber unserer Zeitung geäußert, es sei bekannt, dass Pflegeleistungen in Dokumentationen stehen, die gar nicht erbracht werden.

„Keine Tricks“ beim PflegetüvNicht bei der AWO, so deren stellvertretender Vorsitzender Dieter Egger. In ihren schwabenweit 24 Pflegheimen leben 2300 Senioren. Egger: „Das über dem bayerischen Durchschnitt (1,9) liegende Abschneiden der AWO-Häuser (1,52) liegt nicht am Tricksen und Fälschen des Trägers und seiner Mitarbeiter oder an kurzfristiger Vorbereitung. Es ist das Ergebnis eines hauseigenen langjährigen, dauerhaft angelegten Qualitätsmanagements mit speziell hierfür eingesetzten Fachkräften.“

Egger sieht den Pflege-TÜV, den es seit einem Jahr gibt, als wichtiges Instrument des Vergleichs und der Beratung. Die AWO halte die Prüfungen für richtig und gehöre nicht zu denjenigen, die laut MDK-Referent Fischer Verhandlungen über eine Überarbeitung des Pflege-TÜVs auf Bundesebene blockieren.

Der MDK ist unzufrieden mit seinem eigenen Instrument und fordert unter anderem, dass eine schlechte Pflegenote sich mehr im Gesamtergebnis widerspiegeln muss. Er will Themen wie Ernährung, Flüssigkeitsversorgung und Wundliegen stärker gewichten. Diese können bislang leicht ausgeglichen werden, etwa mit einem gut lesbaren Speiseplan oder Erste-Hilfe-Kursen für Mitarbeiter.

Den Ausstieg aus den Verhandlungen hatten der Verband Alten- und Behindertenhilfe und der Arbeitgeber- und Berufsverband Privater Pflege erklärt. Sie finden, das angepeilte System sei unfair, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Nach dem bestehenden System wurden bisher 16 der 24 schwabenweit AWO-Häuser geprüft (siehe Infokasten). Egger: „Selbstverständlich gibt es keine Arbeit ohne Fehler. Wenn auch einzelne Fehler passieren, so kann die Gesamtleitung eines Hauses trotzdem sehr gut sein.“ Wichtig, das sagen alle Beteiligten, sei für Kunden der Blick auf die einzelnen Bereiche, nicht der auf die Gesamtnote.

Gudrun Gille, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, hat ihre eigene Meinung. Sie spricht von „hemmungsloser Ausbeutung“ der Pflegekräfte am Arbeitsplatz, ständiger Überforderung der Mitarbeiter und sagt: „Schüler in der Altenpflegeausbildung lernen schon, mehr zu dokumentieren, als tatsächlich getan wird - der MDK will es ja so haben, will es bei den Prüfungen nachlesen. Ein Skandal besonderer Art, der jede positive Identifikation mit dem Pflegeberuf unmöglich macht.“

Eine Studie hatte ergeben, dass zum Beispiel bei Pflegestufe drei ein Pflegebedarf von 240 Minuten am Tag nötig sei. In Heimen hätten die Mitarbeiterinnen jedoch dafür nur knapp 110 Minuten Zeit.

 

Quelle: Ute Krogull

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