„Lehrer spielen“ in der Ausbildung

Kempten | am 27.01.2009 - 00:00 Uhr | Aufrufe: 234

Der Johanniter Dieter Fischer hat 17 000 Teilnehmer in Erster Hilfe ausgebildet:



Landsberg am Lech - Sein Leben hat er der Lebensrettung gewidmet: Der 60-jährige Rheinländer Dieter Fischer hat über 17 000 Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene, werdende Eltern, Berufstätige und Senioren in Erster Hilfe ausgebildet. Im nächsten Jahr ist er in seinem fünfzigsten aktiven Jahr bei der Johanniter-Unfall-Hilfe – dabei ist er schon viel in Deutschland und in den Johanniter-Verbänden „herumgekommen“.

Im Dezember 1960 ist Dieter Fischer bei den Johannitern eingetreten, damals war er noch ein Junge, der von der Rettungsorganisation „schlichtweg begeistert“ war. Doch schnell hat er gemerkt, dass er nicht nur selbst Erste Hilfe lernen möchte, sondern diese vor allem auch vermitteln kann. 1966 ließ er sich zum „Hilfsausbilder weiterbilden, wie es damals noch hieß“, erzählt er im rheinischen Akzent, obwohl er schon seit 1969 in Bayern lebt. Vor seinem Umzug startete er seine „Karriere eines Ehrenamtlichen“ bei den Johannitern: Vom Hilfsausbilder wurde er zum Ausbilder im Jahr 1968, außerdem engagierte er sich als Gruppenführer im Katastrophenschutz. „Das Umfeld hat gestimmt, es hat Spaß gemacht und es macht heute noch Spaß“, beantwortet Dieter Fischer die Frage, weshalb er sich seit Jahrzehnten engagiert, und er ergänzt schmunzelnd. „In der Ausbildung kann ich Lehrer spielen.“

Wäre der Lehrberuf sein Traumberuf gewesen, den er nie hatte? „Nein“, sagt er bestimmt, „meinen Traumberuf hatte ich – als biomedizinischer Techniker auf einer Münchner Intensivstation.“ Dass ihn zur Berufswahl – „etwas Medizinisches“ – die Johanniter bewogen haben, verneint er aber nicht. So pendelte der ehrenamtliche Johanniter 24 Jahre lang jeden Tag nach München in die Klinik, und in der Zeit, als es die A 96 noch nicht gab, war er oft lange unterwegs.

Aber damals wie heute begegnete er immer wieder Situationen, in den er Erste Hilfe bei Autounfällen leisten musste. „Einmal habe ich von einem Unfallopfer danach eine Kiste Wein geschenkt bekommt“, erinnert er sich. „Bei Glatteis überschlug er sich, aber wir brauchten Gott sei Dank keinen Notarzt, der konnte weiter zu einem anderen Einsatz, nur der Sanka hat den Patienten mitgenommen.“ Diese Erinnerungen an Erlebnisse bringt er in seine Erste-Hilfe-Lehrgänge ein.

Hauptsächlich bildet Fischer in Landsberg, wo er wohnt, und im Ostallgäu aus. „Die Region gefällt mir, hier lebe und bin ich gerne“, meint der „berufstätige Pensionär“, wie sich Dieter Fischer selbst bezeichnet. Seine vier erwachsenen Kinder sind außer Haus, und jetzt hat er die Zeit, sich ganz seinem Hund und seinem „Hobby Johanniter“ zu widmen. Bei den Johannitern ist er gefragt, genauso aber an den zahlreichen Kindergärten, in den Schulen und vielen anderen Einrichtungen, die „ihren Herrn Fischer“ als Ausbilder haben wollen.

Fischer selbst sagt auch, dass er am liebsten „zwei, drei Mal in der Woche“ eine Ausbildung machen würde. Doch schafft er das gar nicht, da er immer auf Achse ist. Seine Termine versucht er nun noch besser zu koordinieren, seine Tochter hat ihm einen Terminkalender geschenkt, in denen die Ausbildungen und anderen ehrenamtlichen Aktivitäten eingetragen sind.

Aber auch ein Fallbeispiel, dass Dieter Fischer gerne in seine Kurse für Eltern – die Kurse in „Erster Hilfe am Kind plus“ – einbringt, hat ihm seine Tochter, jedoch in dramatischer Weise, gebracht: „Beim Tollen ist sie als Mädchen mit dem Kopf auf die Tischplatte geschlagen, wir hatten den Verdacht auf einen Schädelbruch“, erzählt Fischer, und noch heute sieht man ihm die Betroffenheit an. Es verlief glimpflich, aber dieses Ereignis war für den Vater der Grund, sich noch mehr in der Ersten Hilfe am Kind zu engagieren. „Die Geschichte erzähle ich häufig in meinen Kursen“, sagt er und dann entwickelt er mit den Kursteilnehmern nicht nur, was in der Notfallsituation zu tun ist, sondern auch, wie man gezielt solchen Unfällen vorbeugen kann. Fischer dazu: „Wir setzen auf Prävention, also: Wie mache ich meine eigenen vier Wände sicherer für meine Kinder?“ Die (werdenden) Eltern, aber auch Großeltern, Geschwister, Babysitter, Erzieher und Lehrer schenken ihm ihre volle Aufmerksamkeit. Seit 35 Jahren, seit er zum ersten Mal diesen Kurs gegeben hat.

Um die Aufmerksamkeit zu bekommen, hat Fischer verschiedene „Kniffe“: Viel Praxis, viel Üben, einfache Erklärungen, anschauliche Folien. „Und die eigene Erfahrung“, betont er. „Wenn ich erwachsene Bauarbeiter im Kurs habe, spreche ich natürlich anders als mit kleinen Kindern von unseren Ersthelfern von morgen oder aber anders als mit Lehrkräften in der Schule.“ Das nötige Wissen vermitteln, die richtigen und aktuellen Handgriffe zeigen, sich selbst immer wieder auf den Prüfstand begeben: Dieter Fischer ist auf dem Laufenden, im Internet und in den Ausbilderfortbildungen erneuert er selbst seine Kenntnisse tagesaktuell.

Warum er das macht? Es ist wohl mehr als ein Hobby. Über 5 000 Kinder hat er ausgebildet, das macht ihm besonders Spaß, „weil sie unbefangen an die Sache herangehen und es können. Man kann sie zum Helfen erziehen.“ Und das macht Dieter Fischer. Gestern. Heute. Und morgen. Als ehrenamtlicher Johanniter-Ausbilder.
Ausbilder bei den Johannitern werden

„Mitbringen musst du gar nichts, Spaß am Ausbilden sollst du haben“, gibt der langjährige Ausbilder Dieter Fischer Interessenten mit auf den Weg. Er würde sich freuen, wenn er neue Unterstützer für die Idee gewinnen könnte – „egal ob jung oder alt, ob Student oder Hausfrau“. Die Johanniter übernehmen nicht nur die Ausbildungskosten sowie die laufenden Aus- und Fortbildungen, sondern zahlen ihren Ausbildern auch eine Aufwandsentschädigung bei der Durchführung der Kurse. Wer sich engagieren möchte, erhält die notwendigen Informationen und Unterlagen unter der Ausbildungshotline 0700 Johanniter (6 Ct./30 Sek.) oder über www.johanniter-allgaeu.de

Diese User waren vor Ort
Hinterlegte Stichworte (Tags)
Bilder und Videos zu diesem Beitrag
Das könnte Sie auch interessieren
Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Kreisstraße zwischen Rehling (Kreis Aichach-Friedberg) und Mühlhausen sind zwei junge Frauen schwer verletzt worden. mehr
am 05.06.2009 20:57
von retter.tvretter.tv user logo     
Johanniter-Rettungshundestaffel
Die Rettungshundestaffel der Allgäuer Johanniter ist vom 19. bis 21. Juni im Trainingscamp. Gemeinsam mit anderen Johanniter-Hundestaffeln, den tierischen Rettern anderer Hilfsorganisationen und der ... mehr
am 19.06.2009 12:12
von Raphael Doderer     
Um diese Funktion zu nutzen,
müssen Sie ein registriertes Mitglied von retter.tv sein.

Sie wollen aktiv an retter.tv teilnehmen, dann melden
Sie sich jetzt kostenlos an.

weiter zur Anmeldung