10 Fragen Interview mit Richard Pyrek CO-Vergiftung.at

Ein Thema, welches trotz vieler verletzter und tödlich verunglückter Personen unterschätzt bzw. nicht erkannt wird. Richard Pyrek von der Berufsfeuerwehr Wien und Experte auf diesem Gebiet gibt im retter.tv-Interview Auskunft.

1. Wie sind Sie auf dieses Thema gestoßen und wie sind Sie auf die Idee gekommen sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen?
Ich habe leider immer wieder beobachtet wie sich Einsatzkräfte bei Einsätzen durch Unwissenheit und fehlenden Eigenschutz immer wieder vergiftet haben. Das Thema Kohlenstoffmonoxid wurde in den letzten Jahren immer mehr unterschätzt und verdrängt. Durch einen tragischen Einsatz wobei eine junge Frau ums Leben kam und sich ein Notarzt und 3 Sanitäter vergiftet wurden, habe ich begonnen Schulungen und Vorträge über CO abzuhalten. 2009 habe ich auch die Druckkammerbedienerausbildung gemacht.

 

2. Wie erkennt man, dass Kohlenstoffmonoxid im Wohnraum ist und eine CO Vergiftung droht?
Dies ist das heimtückische an diesem Gas: es ist farb-, geruch- sowie geschmacklos, sodass es von den menschlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden kann. Weiters löst es keine Atemnot aus. Sobald man Indizien wie beschlagene Fenster (Kondenswasser) entdeckt bzw. Symptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübungen etc. entdeckt, ist es meist bereits zu spät. Ohne ein CO-Warngeräte das die Umgebungslauft überprüft hat man keinen Schutz.

 

 

3. Wie reagiert man am besten bei der Gefahr von Kohlenstoffmonoxid im Raum? Wie kann in diesem Fall erste Hilfe geleistet werden?
Verletzte Personen an die frische Luft bringen und mit Sauerstoff versorgen, die Räume lüften (unter Beachtung des Eigenschutzes!) sowie Alarmierung der Feuerwehr sowie Rettung. In einer Wohnhausanlage sollte man wenn möglich soviele Personen wie möglich warnen und evakuieren. Ein großes Problem bei Kohlenstoffmonoxid ist, dass es durch Wände und Decken diffundiert und die angrenzende Wohnungen auch rasch gefährdet sind.

 

4. Wie macht sich eine solche Vergiftung beim Menschen bemerkbar, welche Symptome treten auf?
Verschieden, denn es unterscheidet sich an der Konzentration in der Umgebungsluft, aber auch anhand der körperlichen Konstitution der Person bzw. auch daran, ob die Person gerade schläft oder sich bewegt. Die wenig richtungsweisende Symptomvielfalt macht die Diagnose einer CO-Vergiftung sehr schwer. Die ersten Anzeichen bei mittlerer Konzentration sind meist Kopfschmerzen Übelkeit und Erbrechen. Bei Konzentrationen von mehreren tausend ppm vergiftet man sich so rasch, dass meist keine Symptome auftreten und die Personen gleich bewusstlos werden.

 

5. Wie kommt es zu Unfällen mit CO Vergiftungen? Was sind die Ursachen für diese Unfälle?
Die Ursachen der CO-Vergiftungen sind unterschiedlich und vor allem vielseitig, dies kann von einem verstopften Rauchfang (zugewachsen, toter Vogel, Ziegel, Bauschutt), einer verschmutzten oder schlecht gewarteten Feuerstätte, fehlende oder verklebte Zuluftöffnungen (Verbrennungsluftraum) Gebrauch von Klimaanlagen, welche dem Raum Luft entziehen, Tischgriller, Grillen in der Wohnung bzw. Heizen des Wohnraumes mit der Restwärme des Grillers bis hin zur Manipulation der Feuerstätte alles inkludieren. Suizid mittels Autoabgasen usw.

 

6. Wie kann man einer CO Vergiftung vorbeugen? Welche Geräte sind empfehlenswert? Tipps?
In Wien sind sämtliche Feuerwehr- und Rettungsfahrzeug mit CO-Warngeräten die die Atemluft kontrollieren ausgestattet. Für den Haushalt sind CO-Wächter zu empfehlen, welche in den meisten Baumärkten bereits erhältlich sind. Die Vorbeugung erfolgt durch die regelmäßige Wartung der Feuerstätte durch Servicepersonal sowie dem Rauchfangkehrermeister (Schornsteinfeger).

 

7. Warum ist das Thema CO-Vergiftungen oftmals noch ein sehr „Stiefmütterlich" behandeltes Thema in den Hilfs- und Rettungsorganisationen und warum spielt dieses Thema nicht nur im Feuerwehrbereich eine wichtige Rolle?
Das ist eine gute Frage. Sehr viele Personen denken, mir kann so etwas nicht passieren. Bei manchen Unfällen kommt man drauf, dass die gefährlichen Mängel schon Jahre bestehen. Erst wenn der Worst Case Zustand erreicht wird, passiert der Unfall, dadurch kommt es manchmal erst nach Jahren zu einem Unfall. Für Einsatzkräfte ist es ohne Warngerät nicht möglich CO in den Wohnungen wahrzunehmen. Somit kann es passieren, das sich die Einsatzkräfte bei der Erstuntersuchung des Patienten oder des Verunfallten bereit in großer Gefahr befinden.

 

8. Wie reagieren Rettungskräfte bei einem Einsatz einer CO Vergiftung? Wie ist das Vorgehen bei diesen Unfällen? Wie schützen sie sich selbst vor einer Vergiftung?
Zum Schutz der Einsatzkräfte in Wien wird bei jedem Einsatz immer ein CO-Warngerät mitgenommen. Durch intensive Schulungen und einer gut ausgearbeiteten Einsatztaktik sind die Einsatzkräfte schon im Vorfeld auf die Gefahren vorbereitet. Sobald an der Einsatzselle das CO-Warngerät alarmiert, wird Atemschutz angelegt und die weiteren Maßnahmen laut Einsatztaktik weiterdurchgeführt.

 

9. Wo kann man sich vor einer Sanierung oder einem Neubau eines Wohngebäudes über Vorkehrungen informieren, um Vergiftungen vorzubeugen? Worauf sollte geachtet werden?
Ich empfehle immer vor Sanierung einer Wohnung bzw. eines Hauses mit dem zuständigen Rauchfangkehrermeister (Schornsteinfeger) Rücksprache zu halten – vor allem bei dem Einbau von neuen, dichten Fenstern sowie Türen. Auch der Einbau einer Hausstaubsauganlage bzw. eines Klimagerätes sollte immer in Bedacht auf die Feuerstätte erfolgen. Auch wenn man es sich nur schwer vorstellen kann, aber ein Abluftwäschetrockner birgt auch schon Gefahren.

 

10. Auf Ihrer Internetseite und in Ihren Workshops weisen Sie nicht nur auf die Gefahren der CO-Vergiftung hin, sondern liefern auch Lösungsvorschläge aus Ihrem Alltag. Wie werden diese von Ihren Zuhörern angenommen und wie wird daraufhin mit dem Thema weiter umgegangen
Das Feedback meiner Vorträge ist mehr als positiv – jedoch meist auch sehr überrascht, da die Gefahr doch sehr alltäglich, aber vielmals verkannt wird. Es wurden nach meine Workshops auch viele Rettungskräfte mit CO-Warngeräten ausgestattest.

 

Erfahrungsbericht eines Sanitäters:
Einige Tage nach einem Kohlenmonoxid-Vortrag bei Rettungskräften erkrankte eine fünfköpfige Familie. Die Rettung wurde alarmiert, da die Mutter und zwei Töchter über Erbrechen und starkem Schwindel geklagt hatten. Der Vater sowie der Sohn verblieben in der Wohnung, während Mutter und Tochter in ein Krankenhaus transportiert wurden.

 

Der Sanitäter, welcher am Einsatzort war, vermutete eine Kohlenmonoxid-Vergiftung und meldete dies auch bei der Aufnahme in der Ambulanz. Kurz darauf wurde das gleiche Rettungsfahrzeug nochmals zu der Adresse alarmiert – der Vater sowie der Sohn zeigten dieselben Symptome wie die Angehörigen zuvor. Diese wurden umgehend ebenfalls in das Krankenhaus gebracht.

Die Ärzte in der Notfallambulanz jedoch vermuteten, dass es sich um einen Magen-Darm-Infekt bzw. Einnahme einer verdorbenen Speise handelt, da die gesamte Familie betroffen war.Der Sanitäter ließ sich nicht beirren und kämpfte darum, dass bei der Familie eine Blutuntersuchung auf CO vorgenommen wird. Diese Untersuchung verlief positiv und die fünfköpfige Familie wurde sofort in eine Druckkammer gebracht.

Dieser Sanitäter war bei diesem CO-Vortrag, erkannte die Gefahr, reagierte vollkommen richtig und rettete damit der Familie vermutlich das Leben.

retter.tv bedankt sich bei Herrn Pyrek für das Interview und die vielen interessanten Informationen. Mehr Tipps und Infos rund um das Thema gibt´s auf www.co-vergiftung.at und natürlich auch bei retter.tv unter nachfolgenden Artikeln:

 

 

- Johanniter Fortbildung: CO-Unfälle durch Gasfeuerstätten

- Familie mit Verdacht auf CO-Vergiftung in Spital

- Kohlenmonoxid-Alarm

Bilder und Videos zu diesem Beitrag
Das könnte Sie auch interessieren
DRF Luftrettung: Hubschrauberstationen mit CO-Warngerät ausgestattet
Die DRF Luftrettung setzt Warngeräte ein, um Szenarien wie nachfolgend beschrieben zu vermeiden. mehr
am 22.10.2013 13:18
von retter.tvretter.tv user logo     
Im vergangen Jahr brannte ein Haus in Gablingen ab. Schuld war ein falsch eingebauter Kachelofen. Der Ofenbauer musste sich nun vor Gericht verantworten. mehr
am 24.04.2013 10:19
von retter.tvretter.tv Profilbild     
Um diese Funktion zu nutzen,
müssen Sie ein registriertes Mitglied von retter.tv sein.

Sie wollen aktiv an retter.tv teilnehmen, dann melden
Sie sich jetzt kostenlos an.

weiter zur Anmeldung