Ab 2012 kommen Rettung und Feuerwehr schneller zu Unfallopfern

Österreich | am 23.11.2010 - 10:46 Uhr | Aufrufe: 969

"Rettungsgasse" auf Autobahnen und Schnellstraßen nach deutschem Vorbild kommt

Die in Österreichs Nachbarländern sehr erfolgreiche "Rettungsgasse" soll auch in Österreich zum Einsatz kommen. Darüber haben sich Rettungsorganisationen, Feuerwehr, ASFINAG und Verkehrsministerium nach eingehender Prüfung geeinigt. "Alle kennen Fälle - und die Rettungsorganisationen berichten uns immer wieder davon - wo die Helfer selbst im Stau stecken und nicht schnell genug zur Unfallstelle kommen. Sie verlieren dabei wertvolle Minuten, die oft entscheidend sein können", so Verkehrsministerin Doris Bures.

Rettungsgasse

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"Meine Überzeugung ist: wenn wir den Rettungsorganisationen und Feuerwehren helfen können, schneller am Unfallort und bei den Verletzten zu sein, dann müssen wir ihnen diese Möglichkeit geben. Erfahrungsberichte deutscher Rettungsorganisationen zeigen, dass sie wegen der Rettungsgassen im Durchschnitt um vier Minuten schneller am Unfallort sind. Deshalb werden wir in Österreich die Rettungsgassen einführen."

Die Rettungsgassen-Regel bedeutet, dass die Autofahrer bei beginnenden Stauungen oder im Stau an den jeweiligen Straßenrand fahren beziehungsweise dort stehen. Die Fahrzeuge auf der Überholspur fahren an den linken Fahrbahnrand, die in der ersten Spur an den rechten Fahrbahnrand beziehungsweise auf den Pannenstreifen. Auf diese Weise bleibt in der Mitte der Fahrbahn eine Rettungsgasse frei, auf der Blaulichtfahrzeuge rasch an Unfallstellen kommen können. Bei drei- oder mehrspurigen Autobahnen soll die Rettungsgasse übrigens zwischen der letzten und vorletzten Fahrspur gebildet werden. Bei einer dreispurigen Autobahn also zwischen der zweiten und dritten Spur. Das ist deshalb sinnvoll, weil auf der ersten Spur oft LKWs fahren und dadurch die Rettungsgasse enger würde. Die Rettungsgassen-Regel ist heute schon in den Nachbarländern Deutschland, Schweiz, Slowenien und Tschechien in Kraft.

In Österreich ist derzeit der Weg für die Helfer oft durch defekte Fahrzeuge am Pannenstreifen blockiert. Die Erfahrungen in Deutschland und Einsatzprotokolle der Einsatzorganisationen zeigen, dass die Helfer durch die Rettungsgasse tatsächlich schneller bei den Verkehrsopfern ankommen.

Neben der höheren Verkehrssicherheit hat die Rettungsgasse zwei weitere Vorteile: Es herrschen damit klare und eindeutige Regeln für die Verkehrsteilnehmer - unabhängig von der Straßenart und Ausgestaltung. Denn auf Gemeinde- und Landesstraßen ist in der Praxis ja ein ähnliches Verhalten zu beobachten. Stauende Verkehrsteilnehmer versuchen durch Ausweichen für Einsatzfahrzeuge Platz zu machen.

Und es wird ein einheitliches Prinzip mit den Nachbarländern geschaffen. Denn oft wissen heimische Fahrzeuglenker die geltende Regelung im Ausland gar nicht - ebenso kennen viele Fahrzeuglenker aus dem Ausland nicht die - andere - österreichische Regelung. Vor allem im Grenzbereich kommt es immer wieder zu "Slalomfahrten" von Einsatzfahrzeugen, weil österreichische Fahrer am Fahrstreifen stehen bleiben, deutsche Fahrer aber zur Seite ausweichen.

Damit die Rettungsgasse Realität wird, muss die Straßenverkehrsordnung (StVO) geändert werden. Der Entwurf liegt schon vor und wird umgehend der Steuerungsgruppe übermittelt. Dieser Steuerungsgruppe zur Rettungsgasse, zu der noch heute eingeladen wird, gehören Fachleuten aus dem Verkehrsministerium, der Autobahnen- und Schnellstraßen- Finanzierungs- Aktiengesellschaft (ASFINAG), den Rettungsorganisationen, Feuerwehren, KfV, ÖAMTC, ARBÖ und der Polizei an.

"Die Rettungsgasse ist auf den österreichischen Autobahnen- und Schnellstraßen rasch umsetzbar, die ASFINAG begrüßt die Einführung .Sie bringt rasche Unfallbetreuung und die Aufräumarbeiten danach können auch schneller starten, damit der Verkehr wieder fließen kann", so ASFINAG Vorstand Alois Schedl. "Wir haben alle unsere Fahrstreifen überprüft, sie sind breit genug, um Platz für die Einsatzfahrzeuge zu haben", versichert der ASFINAG Vorstand.

"Es wird höchste Zeit, dass die Rettungsgasse umgesetzt wird - sie kann Leben retten." Davon ist Josef Buchta, Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes und Landesfeuerwehrkommandant von Niederösterreich überzeugt. Die Rettungsgasse ist eine jahrelange Forderung der Feuerwehren. Josef Buchta: "Die Kommandanten von an Autobahnen gelegenen Feuerwehren berichten regelmäßig, dass die Pannenstreifen immer wieder verparkt sind. Und zwar von rücksichtslosen Lenkern, die glauben, sie könnten so einem Unfallstau entkommen. "Deshalb sind wir froh, dass die Rettungsgasse endlich Realität wird."

"Bei Verkehrsunfällen auf unseren Straßen entscheiden oft wenige Minuten über Leben und Tod. Die Rettungsgasse soll ermöglichen, dass Notfallmediziner und Sanitäter so rasch wie möglich zum Verletzten gelangen. Unser Wunsch ist es, dass das System der Rettungsgasse von Autofahrern auch prophylaktisch angewendet wird: sobald es zu einem Stau auf der Autobahn kommt, wird Platz für mögliche Einsatzfahrzeuge freigehalten", so Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.

"Für den Rettungs- und Krankentransportdienst wird die Rettungsgasse bei Verkehrsunfällen der Behinderung von Einsatzwagen entgegenwirken. Bei schweren Verkehrsunfällen zählt für den Verunfallten jede Minute", erklärt Reinhard Hundsmüller, Bundesgeschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs.

 

Quelle: Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT)

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