BOS-Funk: Notwendig oder eine Gefahr für die Gesundheit?

Ortlfing | am 13.09.2011 - 10:45 Uhr | Aufrufe: 1688

Es formiert sich Widerstand gegen den Sendemast.

BOS-Funk: Notwendig oder eine Gefahr für die Gesundheit?Bevor Ulrich Weiner mit seinem Vortrag beginnt, bittet er erst einmal alle, alle Handys auszuschalten. Das liegt nicht so sehr daran, dass er sich durch das Klingeln gestört fühlt. Vielmehr setzt die Strahlung dem 34-jährigen ehemaligen Funktechniker zu. Vom Saulus zum Paulus gewandelt, kämpft der ehemalige Funk-Freak heute für eine strahlungsärmere Umwelt. Und das Interesse ist groß gewesen an Weiners Ausführungen.

Die alte Schule in Ortlfing war brechend voll, als die Interessengemeinschaft gegen einen geplanten Sendemasten für den Behördenfunk BOS am Freitag nicht nur die Burgheimer Bevölkerung zu einer Informationsveranstaltung eingeladen hat. Als Referent berichtete der ehemalige Funktechniker Ulrich Weiner aber nicht nur über das Funksystem TETRA, das für Organisationen mit Hilfsfunktionen wie Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienste bundesweit eingeführt werden soll. Er hatte auch allgemeine Information zu Funk- und Handystrahlung im Gepäck.

„Man sollte meinen, wir wollen für unsere Hilfsdienste das beste und am wenigsten gesundheitsschädliche System“, so Weiner. Das Gegenteil sei mit der Funktechnik TETRA („Terrestial Trunked Radio“ = Standard für digitalen Bündelfunk) der Fall: „TATRA ist ein 20 Jahre alter Ladenhüter, der weit schlechter funktioniert und weniger praktikabel ist als der momentan genutzte Analogfunk.“ Wo immer TETRA eingesetzt werde, hätten die Organisationen mit Problemen zu kämpfen. Weiner brachte Beispiele aus England und Holland, wo im Ernstfall ganze Netze zusammengebrochen seien. Und ohne Netz, ganz ähnlich wie bei Mobilfunknetzen, geht beim neuen BOS-Funk nichts. Deshalb sollen alleine in Bayern laut Weiner knapp 1000 Basisstationen entstehen. Auswirkungen auf das Personal und auf Anwohner der Sendestationen seien bereits aktenkundig. Einige Länder würden vom nicht funktionierenden Behördenfunk wieder abrücken: „Alleine in Bayern kostet die Umrüstung eine Milliarde Euro. Für ganz Deutschland haben die Kosten inzwischen die 10-Milliarden-Grenze überschritten und wachsen weiter. Die Organisationen und Kommunen sollen kräftig zur Kasse gebeten werden. Auch über Nutzungsgebühren wird nachgedacht.“

Insgesamt würden Funkstrahlen unterschätzt, so Weiner. „In Deutschland gibt es mittlerweile neun Mobilfunknetze und 120000 Sendestationen: Als in den 90ern das C-Autotelefonnetz eingeführt wurde, gab es deutschlandweit 800 Sendeanlagen.“ Dabei hätten Mediziner gewarnt: „Die EU-Umweltagentur erwartet Langzeitschäden und langfristig gewaltige gesundheitliche Komplikationen und volkswirtschaftliche Auswirkungen. Und die WHO (Weltgesundheitsorganisation) warnt vor dieser Strahlung.“ Die Politik aber vermeide die längst überfälligen Untersuchungen am Menschen. Was bei Tierversuchen an den Tag getreten ist, solle beim Menschen nicht gefunden werden. Dabei sei der Einfluss der Strahlung auch statistisch nachgewiesen. „Seit Mitte der 90er Jahre steigt die Krebshäufigkeit rapide an.“ Unkonzentriertheit, Schlaflosigkeit, Burnout: All die Symptome seien alarmierend angestiegen. Weiner riet der Gemeinde Burgheim zum Widerstand: „Der formiert sich in ganz Bayern. 120 Gemeinden sind inzwischen gegen den digitalen Behördenfunk. Und bald wird sich herausstellen, dass er für diese Art von Übermittlung nicht taugt.“ Wenn sich breiter Widerstand formiere, „dann überlegt sich eine übergeordnete Behörde zweimal, ob sie die Verantwortung übernimmt und abgelehnte Bauanträge doch noch genehmigt“. Am Donnerstag ist eine weitere Info-Veranstaltung in Straß geplant. Dann kommen die Betreiber und Befürworter zu Wort.


Textautor: Manfred Dittenhofer

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