Busfahrer wird zum Lebensretter

Augsburg | am 04.06.2009 - 09:04 Uhr | Aufrufe: 1760

Dramatische 15 Minuten in einem Nahverkehrsbus der Stadtwerke: Vor den Augen von etwa 30 Fahrgästen bricht eine 83-jährige Frau zusammen, ihre Atmung setzt aus. In diesem Moment wird Busfahrer Thomas Glas zum Lebensretter. Der 39-Jährige belebt die Bewusstlose wieder, die riesiges Glück hatte. Denn der Stadtwerkefahrer ist seit 20 Jahren Mitglied beim Roten Kreuz und absolviert als Rettungstaucher regelmäßig Sanitätskurse und -prüfungen.


Es ist Dienstag, kurz nach 13 Uhr an der Haltestelle Schlössle in Lechhausen, Buslinie 46. Thomas Glas will gerade wieder anfahren, als ihm jemand auf die Schulter klopft. Im Rücken des Fahrers ist eine Frau zusammengebrochen, liegt regungslos zwischen zwei Sitzreihen. Glas springt auf, spricht die Frau an, sie antwortet. Er setzt per Funk einen Notruf an die Leitstelle ab, bittet um einen Rettungswagen, kehrt zurück zu der 83-Jährigen. In diesem Moment setzt der Atem der Frau aus - kein Lebenszeichen mehr.

Busfahrer Glas hetzt zu dem Kasten, in der sich ein Notfall-Set befindet, zertrümmert die Sicherheitsscheibe aus Glas mit dem Nothammer, reißt die Beatmungsmaske heraus. Dank seiner Sanitäter-Ausbildung weiß er genau, was zu tun ist, sah sich überdies als Tourist in Neuschwanstein vor zwei Jahren mit einer ähnlichen Situation konfrontiert, die von Helfern höchste Konzentration erfordert. Glas: „Wenn man so etwas macht, da denkt man nicht mehr, da reagiert am nur noch.“ Zwei Mal beatmen, 30 Mal Herzdruckmassage mit den Händen. So lange dauert ein „Wiederbelebungs-Zyklus“, erklärt Glas. Nach zwei Zyklen rührt sich die Zusammengebrochene und hustet ihren Retter an. „Da ging ein Raunen durch den Bus und ich war so froh“, erzählt der Mann aus Kriegshaber, der seit sechs Jahren für die Stadtwerke Bus fährt.

An die 30 Fahrgäste waren in dem Bus, schätzt Glas. Die meisten bleiben starr vor Schreck auf ihren Sitzen, drei helfen dem Busfahrer. Unter ihnen Khairgard Karemi aus der Nähe von Bremen. „Das war hochdramatisch,“ erinnert er sich und spricht Thomas Glas höchstes Lob aus. „Ich bin so was von dankbar für diesen Busfahrer.“

Der Hochgelobte wehrt bescheiden ab: „Ich habe doch nur meine Pflicht als Mensch, Sanitäter und Busfahrer getan.“ Dabei war das Drama im Bus auch nach der Wiederbelebung der Frau noch nicht zu Ende. Etwa 14 Minuten dauert es nach übereinstimmenden Angaben von Karemi und Glas nach dem Notruf, bis der Rettungswagen eintrifft. Der Busfahrer muss zwischendurch noch sein Gefährt von den Straßenbahnschienen in eine Seitenstraße lenken, weil es den nachfolgenden Verkehr blockiert.

Die Fahrgäste seien schon unruhig geworden und hätten gefragt, wo der Sanka bleibt, sagt Glas. „Ich habe ihnen dann gesagt, dass einem in solchen Momenten die Wartezeit besonders lang vorkommt.“

Der Rettungswagen des Roten Kreuzes bringt die Frau, der Herz und Kreislauf versagt hatten, in die Notaufnahme des Klinikums. Die Ärzte dort beschreiben ihren Zustand als ernst aber stabil. Sie wird auf der Intensivstation des Krankenhauses behandelt.

Für den 39-jährigen Glas übrigens war der Arbeitstag nach seiner Rettungstat noch nicht beendet. Bis 15.43 Uhr lenkte er am Dienstag einen Ersatzbus durch Augsburgs Straßen. Gestern trat er seinen Dienst pünktlich um 4.58 Uhr morgens an.

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