Die Notrufsäulen verschwinden von deutschen Straßenrändern

Stuttgart | am 30.06.2011 - 09:01 Uhr | Aufrufe: 806

Bis zum Jahresende werden die Notrufsäulen an deutschen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen abgebaut, wie die Björn-Steiger-Stiftung in Stuttgart auf  Anfrage der Nachrichtenagentur dapd mitteilte. Für den Abbau der Säulen gibt es zwei Gründe.

Die Notrufsäulen verschwinden von deutschen StraßenrändernDie Notrufsäulen seien nicht mehr finanzierbar. Außerdem habe die heute selbstverständliche Handynutzung sowie die nun mögliche  Ortung von Mobiltelefonen die Säulen zuletzt zunehmend überflüssig gemacht.

Derzeit 16.000 Notrufsäulen an deutschen Autobahnen

Nicht betroffen vom beschlossenen Abbau sind die derzeit rund 16.000 Notrufsäulen an den deutschen Autobahnen, für die der  Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) zuständig ist. Christoph Hecht, Verkehrsexperte des ADAC, zeigte sich überrascht vom kompletten Aus für die Notrufsäulen an Bundes-, Landes- und  Kreisstraßen. Er sehe darin aber kein Sicherheitsrisiko. «Diese  Telefone werden heute kaum noch genutzt», sagte er der dapd. Die langfristige Lösung sei ein System, das Notrufe nach einem Unfall  automatisch aus dem Auto in eine Leitstelle übermittelt, inklusive  der genauen Ortsangabe. Das Projekt komme derzeit allerdings nur  schleppend voran. 

Bundesweit gibt es nach Angaben der Stiftung noch rund 2.000 dieser Säulen. «Die Kosten für Wartung und Telefongebühren waren am  Ende einfach zu hoch», sagte Stiftungs-Sprecherin Melanie Storch.  Außerdem sei der Vandalismus seit den 90er-Jahren zunehmend zum Problem geworden. Mutwillig zerstörte Anlagen hätten in den  vergangenen Jahren bereits nicht mehr ersetzt werden  können. Seit 1971 waren durch die Stiftung bundesweit insgesamt mehr als 7.000 Notruftelefone installiert worden. Jährlich musste die  Organisation zuletzt nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen  Euro an Telefongebühren und Wartungskosten aufbringen. Nun ist das  Ende der Säulen beschlossen. Im Schnitt wurden die Telefone nach den Angaben vor fünf Jahren 1,6 Mal  jährlich genutzt. «Dieser Wert ist inzwischen deutlich gesunken», sagte Storch. Aktuelle Zahlen würden nicht mehr erhoben.

Die Björn-Steiger-Stiftung wurde 1969 von den Eltern eines Jungen gegründet, der kurz zuvor nach einem Verkehrsunfall gestorben war.  Die Rettungskräfte waren damals erst eine Stunde nach  dem Notruf am Unglückort gewesen. Aufgelöst wird die durch Sponsoren, Spendengelder und Bußgeldzuweisungen von Gerichten finanzierte Stiftung deswegen jedoch keineswegs. «Durch  den Aufbau unseres Ortungssystems für Handys konnten wir die Hilfszeiten noch einmal deutlich verkürzen»,  sagte Storch. Weiterhin wolle man mit Initiativen wie «Sani Sanelli» Grundschülern spielerisch das Verhalten im Notfall und das Absetzen  eines Notrufs lernen. «Wir haben in Deutschland keine  Erste-Hilfe-Kultur», sagte Storch. «Dabei sind Kinder schon ab der  7. Klasse physisch und geistig zu einer Herz-Lungen-Wiederbelebung in der Lage.

Quelle: Augsburger Allgemeine

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