Erste Feuerwehrkommandantin Oberbayerns

Epfach | am 27.11.2010 - 08:00 Uhr | Aufrufe: 1096

Noch ist es gar nicht offiziell. Erst muss der Gemeinderat darüber abstimmen. Und der Kreisbrandrat muss noch unterschreiben. Aber für die Kameraden der Epfacher Feuerwehr ist es trotzdem klar: Claudia Deininger ist ihre neue Chefin, löst damit den bisherigen ersten Kommandanten Andreas Ikier ab.

Ihr Ziel: Die eigenen Fußstapfen schaffenUnd sie ist jetzt nicht nur für die Epfacher wichtig. Die 33-Jährige ist insgesamt etwas Besonderes. Denn Claudia Deininger wurde zur ersten Feuerwehrkommandantin in ganz Oberbayern gewählt - und nimmt diese verantwortungsvolle Aufgabe recht gelassen und mit strahlendem Lächeln hin.

Ganz überraschend kam diese Veränderung im Leben der Epfacherin nicht. Schließlich war sie die vergangenen zwei Jahre bereits zweite Kommandantin und wusste schon, dass Kommandant Andreas Ikier bald umziehen wollte, was er jetzt in die Tat umsetzt und nicht mehr zur Wahl antrat. Und: Claudia Deininger ist sowieso von Jugend an in die Epfacher Wehr „hineingewachsen“, wie sie lachend erzählt. Seit 18 Jahren ist sie bereits dabei. „Ich war immer schon der technische, eher burschikose Typ, der alles ausprobieren will. Und das rote Auto mit den blauen Lichtern fand ich als Kind schon toll.“ Mit Barbies und Puppen hatte es Claudia noch nie so - eher mit Lego-Technik und Playmobil, berichtet die sympathische 33-Jährige schmunzelnd. Als dann die Jugendgruppe der Epfacher Wehr gegründet wurde - im Jahr 1992 - „war ich als einziges Mädchen zuerst noch zu feig, mitzumachen“, erinnert sie sich. Doch dann fand sie mit Monika Forschner - heute Schriftführerin der Epfacher Wehr - eine mutige Mitstreiterin. „Dass ich ein Mädchen war, ist in all den Jahren nie ein Problem gewesen. Ich hab immer alles mitgemacht.“

In den Jahren immer mehr „gemausert“
Und weil ihr die Einsätze und Übungen - vor allem die im technischen Bereich - immer schon gefallen haben, hat sich Claudia Deininger in den Jahren immer mehr „gemausert“ und weitergebildet. Viele Lehrgänge, unter anderem auch den Truppführer und den Maschinisten, hat sie absolviert. Als Andreas Ikier dann Kommandant werden sollte, habe sich schnell herauskristallisiert, dass die Herren aus der Feuerwehr die kompetente Epfacherin - die übrigens auch im Berufsleben als technische Zeichnerin die einzige Frau unter lauter Männern ist - als stellvertretende Kommandantin haben wollen. „Damals brauchte ich erst einmal Bedenkzeit, ich wollte mich nicht so in den Vordergrund schieben. Es ist ja außerdem eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Aber dann dachte ich mir, na ja, den Stellvertreter kann ich ja mal machen“, sagt die 33-Jährige.

Das Wahlergebnis war damals wie heute eindeutig - Claudia Deininger wird in ihrem Können und ihrer fröhlichen, aber auch direkten Art von den Kameraden sehr respektiert. „Man kennt sich ja schon so lange, und ich werde dort nicht als ’Frau’, sondern einfach als Kamerad gesehen“, sagt die Epfacherin, die jetzt auf ein sehr gutes, respektvolles, offenes und vertrauensvolles Miteinander hofft. „Natürlich muss man sich alles erst einmal erarbeiten,“, da ist die neue Feuerwehrchefin realistisch. „Aber alle wissen schon, wie ich was handhabe und was ich gar nicht mag.“

Überhaupt nicht ausstehen kann es Claudia Deininger zum Beispiel, wenn einer dem anderen „einfach so eins auswischen will“ oder sich einer nicht entschuldigt, wenn er nicht zu den Sitzungen kommt. „Bei der Feuerwehr kann nicht jeder einfach seins machen, sonst wird es beim Einsatz gefährlich“, weiß die Kommandantin und pocht deshalb auf gute Koordination in der Epfacher Wehr mit 37 „Mannen“. Das Miteinander sei das A und O bei schwierigen Einsätzen, bei denen sie nun als Chefin die absolute Übersicht behalten muss.

Ansonsten ist sie ein zufriedener Mensch, der gerne auch mal seine Ruhe hat, wie sie sagt. Das passiert allerdings eher selten, denn neben Feuerwehr und Arbeit in Peiting ist sie auch zweite Schützenmeisterin im Ort - schon wieder eher eine Männerdomäne. Zusammen mit ihrer Mutter lebt sie im Sonnenbichl. Vater Georg ist schon gestorben - er war selbst 26 Jahre lang Feuerwehrkommandant in Epfach. Aber darüber redet Claudia Deininger in diesem Zusammenhang nicht so gerne, denn sie will jetzt „ihr eigenes Ding durchziehen“ und nicht nur in jemandes Fußstapfen treten, sondern ganz alleine ihre eigenen schaffen.

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am 27.11.2010 16:02
von Thomas Burghart
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