Fahrzeug für Kriseninterventionsdienst

89231 Neu-Ulm | am 08.10.2011 - 15:40 Uhr | Aufrufe: 2343

Eltern müssen mit ansehen, wie ihr Kind stirbt – Angehörigen muss eine Todesnachricht überbracht werden – eine Ehefrau erlebt, wie Notarzt und Rettungssanitäter versuchen, ihren Ehemann zu reanimieren – ein Lokführer steht nach einem Suizid unter Schock – bei solchen und noch einer ganzen Reihe ähnlicher Szenarien

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steht seit fünf Jahren der Kriseninterventionsdienst (KID) des Bayerischen Roten Kreuzes im Landkreis Neu-Ulm einsatzbereit.



Bis dahin waren es die Notfallseelsorger beider großer Konfessionen, die allein für psychosoziale Betreuung von Unfallopfern oder deren Angehöriger zur Verfügung standen, und seither erfolgt diese Tätigkeit in harmonischer Zusammenarbeit. Zuletzt war dies vor drei Wochen der Fall, als nach einem Bahnunfall in Nersingen rund vierhundert Fahrgäste eines ICE betreut werden mussten.

Doch auch bei allen schweren Unfällen wird das Kriseninterventionsteam (KIT) gerufen, denn es ist beispielsweise im „Handy-Zeitalter“ fast schon üblich, dass Angehörige der Unfallbeteiligten oft sogar in großer Zahl an der Unfallstelle auftauchen und dort dann hysterisch reagieren.

Bisher mussten die KID-Mitarbeiter mit ihrem privaten Pkw ausrücken, was sich oft als sehr schwierig erwies; nun steht ein eigenes Einsatzfahrzeug zur Verfügung. Dieses wurde im Rahmen einer Feierstunde in der BRK-Kreisgeschäftsstelle Neu-Ulm seiner Bestimmung ünergeben.

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen Mercedes, der bis vor Kurzem als Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) auf der BRK-Rettungswache Illertissen stationiert war. Nachdem dort vor genau drei Monaten ein Nachfolgefahrzeug in Dienst gestellt wurde (wir berichteten), konnte der Mercedes überholt und „aufpoliert“ werden. Mit seinen 210000 Kilometern kann das Fahrzeug sicherlich noch lange gute Dienste tun, da der KID deutlich weniger Einsatzfahrten als der Notarzt hat, der nun seinerseits in Illertissen auch medizinisch wesentlich besser ausgerüstet ist als bisher.

KID-Teamleiterin Monika Schulenkorf schilderte in ihrer Begrüßung die eingangs erwähnten Einsatzarten und den Alarmierungsweg, der grundsätzlich über die Rettungsleitstelle bzw. in wenigen Wochen über die Integrierte Leitstelle Krumbach läuft, und sie erinnerte daran, weche Probleme bei den bisherigen Privatfahrten insbesondere auf der Autobahn auftraten.

Die harmonische Zusammenarbeit des Kriseninterventionsdienstes mit der Notfallseelsorge erwies sich daran anschließend auch dadurch, dass der katholische Pater Ulrich Keller und der evangelische Pfarrer Andreas Erstling das neu gewidmete Fahrzeug gemeinsam segneten.

Thomas Baum als stellvertretender BRK-Kreisvorsitzender sprach die guten Wünsche des Kreisverbandes aus und freute sich über die gute Zusammenarbeit der Helfer.

Stefanie Drewes vom Notfallseelsorgeteam der Diözese Augsburg überbrachte neben Glückwünschen einen Gutschein für die Teilnahme der Neu-Ulmer KID-Mitarbeiter an einer modular aufgebauten Fortbildung sowie eine Christophorus-Plakette.

Sophie Schulenkorf hatte die Feier mit Saxofonsoli umrahmt, und ihre Mutter beschloss die Übergabe mit einem „Segensgebet für Ehrenamtliche“.





Info:

Das nun in Dienst gestellte Einsatzfahrzeug des Kriseninterventionsdienstes (KID), ein Mercedes C 180, der von 2003 bis zum Frühjahr 2011 für die BRK-Rettungswache Illertissen als Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) unterwegs war, steht für Hilfseinsätze des „KIT“-Kriseninterventionsteams des BRK im Landkreis Neu-Ulm zur Verfügung. Es ist beim Feuerwehr-Gerätehaus des Löschzuges Gerlenhofen stationiert. Der erste KIT-Mitarbeiter wird von der Leitstelle auf einem Bereitschaftshandy alarmiert und kann bei Bedarf weitere Teammitglieder nachfordern. Das Fahrzeug erhielt in Anerkennung der Verdienste des KIT-Gründers, des früheren BRK-Kreisbereitschaftsleiters Rolf Vogelmann, den Namen „Rolf“.

Die Abkürzung „KID“ bedeutet „Kriseninterventionsdienst“, der die psychosoziale Notfallversorgung z.B. von Unfallopfern oder deren Angehörigen, aber auch von weiteren Beteiligten, z.B. auch Einsatzkräften oder Ersthelfern nach Unfällen oder Gewalttaten übernimmt. Die Mitarbeiter dieses Dienstes gehören dem „KIT“ (= Kriseninterventionsteam) an und müssen hierfür eine besondere Ausbildung absolvieren.



Im Rahmen der Fahrzeugübergabe für den Kriseninterventionsdienst (KID) des Bayerischen Roten Kreuzes erhielten zwei Mitarbeiterinnen des Teams ihre Zertifikate als Kriseninterventionsberaterinnen überreicht. Unser Bild zeigt Teamleiterin Monika Schulenkorf (rechts) und Margrit Golling (links), die nun als voll ausgebildete Fachkräfte für die umfangreichen Einsatz-Szenarien zur Verfügung stehen.



© Text und Bilder: Wilhelm Schmid

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