Feuerwehr als Brandstifter...oder: Es passiert immer wieder!

Mannheim | am 28.07.2010 - 09:01 Uhr | Aufrufe: 2771

„Wer da glaubt, dass die Tat gleichmache, der möge sich immerhin eines so einfachen Verfahrens bedienen. Ich für mein Teil halte es mit der volkstümlichen Weisheit, dass, wenn zweie dasselbe tun, es mitnichten dasselbe ist; ja ich gehe weiter und meine, dass Etikettierungen wie etwa ‚ein Trunkenbold’, ‚ein Spieler’ oder auch ‚ein Wüstling’ den lebendigen Einzelfall

Feuerwehrmann als Brandstifter...oder: Es passiert immer wieder!nicht nur nicht zu decken
und zu verschlingen, sondern ihn unter Umständen nicht einmal
ernstlich zu berühren imstande sind. …“
Thomas Mann, Schriftsteller (Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull)


Im Herbst 2006 begann der Autor aufgrund einer Anregung aus der Arbeitsgemeinschaft „Branddelikte“ der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik e.V., in einem ersten Schritt das Phänomen Brandstiftungsdelikte durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr mit sozialwissenschaftlichen und kriminologischen Fragestellungen und Methoden in einem Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum zu untersuchen. Dabei ging es vornehmlich ging um die Entwicklung in den Ländern Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dabei ging der Autor von der Überzeugung aus, dass es sich bei Brandstiftungsdelikten von Mitgliedern der FF nicht nur um delinquentes Einzelverhalten handelt, sondern auch um symptomatische Zusammenhänge zwischen sozialen, psychischen und organisatorischen Problemen. Die Ausgangslage in diesen Bundesländern war, dass Fälle von Brandstiftung durch Angehörige der FF zunehmen. Die durch sie verursachten Schadenssummen erreichen eine volkswirtschaftlich bemerkenswerte Höhe und die ständige Berichterstattung in den Massenmedien lassen Brandstiftung durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr schon als ein selbstverständliches Alltagsereignis in unserer Gesellschaft erscheinen. In diesem Zusammenhang sind auch die Äußerungen des damaligen stellvertretenden Landesvorsitzenden des Landesfeuerwehrverband Mecklenburg-Vorpommern Dietmar Zgaga im Artikel im Hamburger Abendblatt zu verstehen, wonach seiner Meinung die meisten Brandstifter Feuerwehrleute sind und die polizeilichen Ermittlungen sich deshalb auch immer in diese Richtung bewegen sollten.

Brandstiftungen durch FF-Angehörige sind hinsichtlich deren Motive ein weitgehend uneinheitliches Feld, das mit soziologischen, sozialpsychologischen, psychologischen, kriminologischen oder klinisch-medizinischen Ansätzen für die praktische Ermittlungsarbeit beim derzeitigen Erkenntnisstand bislang einhellig zu typisieren bzw. zu klassifizieren fast unmöglich war. Auch aus diesem Grund sind vorsätzlich durch Feuerwehrleute gelegte Brände schwierig aufzuklären.
Neben den kleineren Gruppen von kriminellen und psycho- oder soziopathisch einzuordnenden Tätertypen sind es meist junge Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen, die aus einem sozialen Drang (Geltungssucht) heraus handeln. Für sie ist das Feuer nur Mittel zum Zweck, um sich zu profilieren und um gesellschaftliche Anerkennung zu erhalten. Damit unterscheiden sie sich von anderen „Brandstiftern“.
Die populär gewordenen Begriffe von der Pyromanie oder den Feuerteufeln sind in vielen Fällen von Serienbrandstiftungen irrelevant und sollten nur mit sehr großer Zurückhaltung und differenzierten Erläuterungen verwendet werden. Dazu gehören auch die Brandstiftungen durch Angehörige Freiwilliger Feuerwehren. Feuerwehrleute haben als Brandstifter einen völlig anderen Antrieb als andere. Sie sind keine Pyromanen, die sich an den Flammen ergötzen, es geht nicht um Rache wie in anderen Fällen, nicht um Zerstörung.

Auf der anderen Seite ist es jedoch eine Katastrophe für das Ansehen der betroffenen Freiwilligen Feuerwehr. Der Schock sitzt dann sehr tief, wenn es einen Brandstifter in den eigenen Reihen gibt. Groß ist die Erleichterung, wenn der oder die Täter gefasst werden. Für die Abteilungen selber wird das kriminelle Fehlverhalten dieser Einzelnen zu einer Belastungsprobe. So wird darüber nachgedacht, ob eventuelle Anzeichen übersehen worden seien oder ob jemand Streit mit dem Brandstifter gehabt habe. Viele der Feuerwehrleute und Führungskräfte stellen sich dann die Fragen: Wie sind solche Taten motiviert? Ist es brennende Leidenschaft, wenn Feuerwehrmänner zündeln? Neigen Angehörige der Feuerwehr mehr als andere Personen zur Brandstiftung?
"Die meisten Brandstifter sind Feuerwehrleute", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands Mecklenburg-Vorpommern Dietmar Zgaga 2006 dem "Nordkurier". Er rate der Polizei immer, sich bei der Suche nach Brandstiftern zuerst bei der Feuerwehr umzusehen. Für ihn sei das kein besonderes Phänomen: "Menschen, die häufig allein und ohne Anerkennung in ihrem stillen Kämmerlein sitzen, sehen bei Löschaktionen oft die Chance, einmal in ihrem Leben Erster zu sein und bei den Hilfsmaßnahmen im Vordergrund zu stehen."
In der Realität ist der Anteil von Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr unter den Brandstiftern weit geringer als es laut den Medien den Anschein hat. Für die ist der Mann der einen Hund beißt weitaus interessanter als ein Hund der einen Mann beißt. Dies gilt eben auch für Lehrer und Priester als Kinderschänder oder als Sammler von Kinderpornografie, patientenmordendes Pflegepersonal, Mütter die ihre Kinder aussetzen oder ermorden, Polizisten als Bankräuber und eben Feuerwehrmänner als Brandstifter. Gerade der Altruismus in diesen Berufen sowie die öffentliche Anerkennung sind es, die Nachrichten über das Fehlverhalten einzelner aus diesen Gruppen für die Medienmacher so wichtigmachen.
Leider haben wir keine sehr gute statistische Ausgangslage. Hinzu kommt ein nicht bestimmbares „Dunkelfeld“, d.h. Taten, die nicht bekannt, aufgeklärt bzw. einem Feuerwehrangehörigen gerichtsfest nachgewiesen werden können. Dies macht es sehr schwer, mit konkreten Zahlen zu arbeiten. Betrachten wir nur die Zahlen sind Brandstifter bei der FF kein wirkliches Problem.
Aufgrund von Verurteilung gehen wir derzeit von insgesamt ca. 3000 Brandstiftern bei den Freiwilligen Feuerwehr aus. Bei den über 24.000 Freiwilligen Feuerwehren, 800 Werkfeuerwehren und 100 Berufsfeuerwehren gibt es in Deutschland rund 1,2 Millionen aktive Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen - „Schwarze Schafe“ sind leider nicht völlig auszuschließen.
Jährlich ereignen sich in Deutschland über 180.000 Brände, die von den Feuerwehren gelöscht werden. Nach Angaben der Versicherungen ist jeder fünfte Brand auf vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen, also vermutlich 36.000 Brände pro Jahr. Nach einer Faustregel gibt es quer durch alle Bevölkerungsgruppen rund 10 % Abweichler, also Menschen mit Besonderheiten, die sich vom Durchschnitt der „normalen" Gruppe unterscheiden. Hiervon ist die Feuerwehr prinzipiell nicht ausgenommen, obwohl Feuerwehrleute nicht dem repräsentativen Durchschnitt der Bevölkerung entsprechen: Sie sind überdurchschnittlich einsatzbereit, pflichtbewusst und körperlich belastbar. Jährlich werden in Deutschland etwa ein Dutzend Fälle bekannt, bei denen ein Feuerwehrmann Brandstifter war. Dies entspricht etwa 0,3 Promille aller Brandstiftungen bzw. einem Verhältnis von 1:3.000. Serienbrandstiftungen aus anderen Motiven sind zahlenmäßig viel häufiger. Werden aber auch viel weniger aufgeklärt.

In den meisten Fällen gibt es bei der Feuerwehr keine Hinweise auf einen Brandstifter in den eigenen Reihen. Die Kameraden sind daher über ein derartiges Fehlverhalten eines Feuerwehrmannes erschrocken. Sie gehen auf Distanz, suspendieren den Brandstifter sofort vom Dienst und schließen ihn aus der Wehr aus. Doch es bleibt Hilflosigkeit, Scham und Verdrängung.
Eine gezielte Personalentwicklung und -betreuung von Einsatzkräften der FF auf der Grundlage eines Präventionsmodell unter Einbeziehung rechtlicher, kriminalistischer, kriminologischer, sozialpädagogischer und psychologischer Erkenntnisse, kann helfen die Wahrscheinlichkeit einer Begehung von vorsätzlichen Brandstiftungsdelikten durch Angehörige der FF zu verringern.
Für ein derartiges Präventionsmodell ist es notwendig die soziale und rechtliche Stellung der
Freiwilligen Feuerwehren, institutionelle Bedingungen, soziologische und kriminologische Erkenntnisse zu Branddelikten durch Angehörige der FF, kriminologische und soziologische Methoden einzubeziehen.
Um die Stimmungslage im Bereich der Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren zum Thema Brandstiftung durch Feuerwehrangehörige aufzuhellen, wurden in der Untersuchung neben Kommandanten, deren Stellvertretern und den Ausbildungsverantwortlichen bei Freiwillige Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen (Deutschland – n=115) auch Führungskräfte der FF in zufällig ausgewählten Bereichen Österreichs (Oberösterreich und Steiermark – n=29) sowie der Schweiz (Kantone Zürich, St. Gallen, Basel, Bern – n=16) zum Vergleich verarbeitet.
Die Auswertung der Datenbank "Brandstifter- Informations- und Analysesystem" (BIAS) beim LKA Brandenburg, die mit Unterstützung des LKA durch Studierende der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit erstellt wurde, umfangreichen Literaturrecherchen in der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur über Täter- und Motivanalysen sowie Experteninterviews mit forensischen Psychologen zeigen, dass man für die Verhütung von Brandstiftungen durch Angehörige der FF verwertbare Ergebnisse nur erhält, wenn man mehr über die Täterschaft und ihre typischen Motive erfährt.
Eines der Experteninterviews wurde mit Tübinger Psychiatrie-Professor Günther Klosinski geführt. Klosinski hat sich in seiner klinischen Praxis u.a. eingehend mit jugendlichen Brandstiftern beschäftigt. Dabei hat er ebenfalls in einer Vielzahl der Fälle über den „zündelnden Feuerwehrmann“ herausgefunden, dass dieser "sich beweisen oder bei der Feuerwehr groß rauskommen und als Held angesehen werden will".
Selten ist jedoch diese Tatmotiv allein Tat auslösend. Vielmehr stellt sich begleitend ein ganzes Bündel an Motiven oder Problemketten dar. Die Motive reichten von Geltungssucht bis Neid; Alkohol und Drogen können ebenso eine Rolle spielen wie eine Ehekrise. Weitere zusätzliche Motive können Ohnmachtsgefühle, der besondere „Kick“ bei Blaulichtfahrten und beim Löschen, die Abfuhr aggressiver Impulse, Wut Langeweile im Beruf und Freizeit oder Teilnahme an Mutproben sein.
Eine Reihe von Risikofaktoren für Brandstifter in der FF lassen sich jedoch feststellen: männlich, kein ausländischer oder Migrationshintergrund, Alter unter 25 Jahren, Monate bis wenige Jahre Mitgliedschaft in der FF, durchschnittliche bis schlechte schulische Leistungen, durchschnittliche bis schlechte berufliche Situation, Minderwertigkeitsgefühle, Übereifer in der Feuerwehr, rasche Anwesenheit bei „verdächtigen Bränden“, übertriebene Schilderungen der eigenen Leistungen bei der Brandbekämpfung, Meldung des Brandes, Vorstrafen wegen Missbrauchs von Notrufen oder Brandstiftung sowie Alkohol- und oder Drogenmissbrauch.
Auffällig waren in der Untersuchung anhand der Daten aus "Brandstifter- Informations- und Analysesystem" (BIAS), dass geringe Durchschnittsalter der Feuerwehrleute von 19,7 Jahren und der sehr hohe Anteil von Mehrfachbrandstiftungen. Zur Geltungssucht kommen sehr oft noch andere Motive. Viele dieser jungen Täter kommen mit dem Leben nicht klar, sie haben oft keinen Beruf erlernt oder den Beruf verloren. Auch sind Probleme mit der Freundin nicht selten und immer wieder kommen Alkoholprobleme dazu. Es ist also nicht verwunderlich, wenn diese junge Menschen, die sonst kaum von jemand beachtet werden, Aufnahme in dem Kreis zu finden suchen, der für sie eine Art von gesellschaftlicher Oberschicht bedeutet!
Diese jungen Männer sind meistens leidenschaftliche Feuerwehranghörige und haben oft nach vergeblicher Suche in anderen Vereinen in der Feuerwehr eine Heimat und Kameradschaft gefunden.
Im Regelfall wollen sie, dass der Brand eine entsprechende Größe hat, jedoch nur lebloses Material brennt. Nach eigenen Angaben suchen sie sich deshalb immer Objekte, in denen sich keine Menschen oder Tiere aufhalten. Und so sind sie immer wieder tief betroffen, wenn einmal bei einem ihrer Feuer Tiere oder sogar Menschen umkamen. Aufgrund ihres Alters oder der kurzen Zugehörigkeit besitzen sie oft nur unzureichende Kenntnisse über den Verbrennungsprozess sowie die Brandweiterentwicklung und damit verbundenen möglichen Gefährdungen von Menschen und Tieren. Typisch der Fall des 32-jährigen Feuerwehrmann aus Jülich. Er hatte eine Matratze im Keller eines Jülicher Wohnhauses angezündet. Durch die massive Rauch- und Gasentwicklung starben ein Ehepaar, dessen drei Kinder und eine 82-jährige Hausbewohnerin. Tatmotiv: Er war unzufrieden mit sich selbst, hat gerne Brände gelöscht und wollte sich dabei hervortun. Hinzu kam, dass er frustriert war, weder eine feste Freundin noch eine Arbeitsstelle zu haben. Ein psychiatrisches Gutachten attestierte eine schuldmindernde Persönlichkeitsstörung. Auf Grund seiner nur zweijährigen Zugehörigkeit zur FF war er sich über den Brandverlauf und die Folgen seiner Brandstiftungen nicht im Klaren.
Ihnen geht es nicht um das „Zündeln“, den „Tanz der Flammen“ oder den Schrecken und die Angst, die sie in der Bevölkerung verbreiten. Ihnen geht es um das Löschen bzw. ihr Engagement dabei. Sie legen Feuer, um sich beim Löscheinsatz beweisen zu können. Im Löscheinsatz haben sie endlich die Chance anderen zu zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Sie sind kein mittelmäßiger „Loser“ am Rand der Gesellschaft mehr. Sie sind die gefeierten und anerkannten „Helden“. Endlich haben sie den Platz in der Gesellschaft, der ihnen vermeintlich zusteht. Das unterscheidet sie auch grundsätzlich von anderen Brandstiftern.

Diese Datenbasis mit Täterprofilen von Brandstiftern In der FF ist ein Hilfsmittel, um die oft sehr aufwendige und langwierige Ermittlungsarbeit der Polizeibeamten zu erleichtern. Brandserien sind damit aber nicht zu verhindern.
So interessant auch weiterhin die Analyse der Täterschaft bei Brandstiftungen durch Angehörige der FF sein dürfte, so ist es ebenso interessant, die spezifischen sozialen und rechtlichen Verhältnisse in den Freiwilligen Feuerwehren und deren institutionelle Bedingungen zu betrachten.
Die Freiwillige Feuerwehr ist soziologisch eine ganz besondere Gruppe insbesondere im ländlichen Bereich. Innerhalb der Struktur, die nicht selten überaltert ist, baut sich, zumeist aus Jüngeren bestehend, eine andere Art Elite auf. Das Engagement in der Feuerwehr wird als ehrenvoll und der Gesamtheit nützlich anerkannt. Aber auch soziale Unterschiede werden überbrückt. Der Eindruck des entschlossenen und geschlossenen Verbandes und die Ausstrahlung einer Uniform erhöhen das Ansehen, das einer staatlichen Behörde angenähert wird. Die Gefahr, der sie zu trotzen bereit sind, sorgt für den Respekt der Kinder und die Zuneigung der Frauen.
Bei jeder dörflichen Feier bilden Feuerwehrleute Spalier oder sind Teil der Ehrenwache. Bei großen Festlichkeiten, Umzügen, Prozessionen und Beerdigungen ist die Feuerwehr von alters her die würdige Umrahmung und sorgt bei Jung und Alt für Ordnung. Wenn die Sirene ertönt, die Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht zur Einsatzstelle rasen und der erste am Feuerwehrhaus oder auf der Brandstelle als der Tüchtigste bewundert wird, dann müssen gerade die, die an Missachtung oder Nichtbeachtung leiden, das freudige Gefühl des zuerkannten neuen gesellschaftlichen Ansehens mehr als genießen. Löschen, um ein Held zu sein! – Es mag ein kleiner, enger Ehrgeiz sein, doch für bestimmte Menschentypen ist es ein starkes Motiv, die Dorfgemeinschaft „zu erobern“. Aus dem „Löschen, um ein Held zu sein!“, führt der Weg dann nicht selten in die Brandstiftung. Ist es also die Feuerwehr selbst, die ihre Mitglieder zu Brandstiftern macht?
Die mehr als 150-jährige Geschichte des deutschen Feuerwehrsystems ist ein Spiegelbild der sich immer wieder verändernden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Neben der Anpassung an die rasante Entwicklung der Technik haben es die Freiwilligen Feuerwehren geschafft, auch im Industriezeitalter aus echtem bürgerschaftlichen Engagement heraus ein modernes System des Brandschutzes weiterzuentwickeln. Neue Herausforderungen wie die Überalterung der Gesellschaft, wachsende Mobilität, verändertes Freizeitverhalten, Angst um die berufliche Zukunft, Rückbau staatlicher Dienstleistungen und Daseinsvorsorge, der Umbau unseres Sozialstaates machen es erforderlich, dass der Einzelne wieder mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen muss. Auf der anderen Seite wachsen die Brandgefahren weiter und der Brandschutz nimmt an Bedeutung zu. Hoch- und Sonderbauten, abgrundtiefe Fahrstuhlschächte, enger gewordene Treppenhäuser etc. verlangen oft erst die Rettung vieler Menschen, die von Stichflammen hochentzündlicher Materialien gefährdet sind, bevor das Löschen des Brandes im Gebäude erfolgen kann. Die Feuerwehren werden immer schneller an den Brandort eilen müssen und es werden immer besser fachlich und mental ausgebildete Feuerwehrleute gebraucht.
Der Aufwand bei der Aus- und Weiterbildung sowie die Anforderungen im Einsatz stehen zunehmend in einem Missverhältnis. Insbesondere junge Feuerwehrmänner fühlen sich unterfordert und frustriert. Hinzu kommt, dass oft in den Wehren ein generationsübergreifender Austausch nicht stattfindet. Die „alten Kämpfer“ schwärmen nicht nur in Biertischlaune den „Neuligen“ von ihren längst vergangenen großen Zeiten vor und erschaffen so immer neue „Heldenmythen“. Aber es sollte auch über die „Kultur“ in der Feuerwehr nachgedacht und offen gesprochen werden. Stammtischhelden, „Histörchen“ aus der Vergangenheit und Großmannszucht sollten keinen Platz in einer modernen Feuerwehr haben. In diesem Zusammenhang muss leider auch wieder auf das leidige Thema Alkohol nach Einsätzen, bei Dienstversammlungen und Festen sowie seine negativen Wirkungen hingewiesen werden. An einer landesweiten Ausbildungsstätte für Feuerwehrangehörige gibt es im Freizeitbereich auf dem Gelände eine Gaststätte an deren Tür von züngelnden Flammen umringt steht: HELDENHALLE.
Doch die Realität sieht eben oft anders aus. Mangelnde Möglichkeiten sich im Einsatz zu beweisen, zusätzliche Enttäuschungen durch nicht transparente oder ungerechte Beförderungen, die Rückstellung von der Entsendung zu Lehrgängen oder der Wille etwas „Gutes“ für die Feuerwehr zu tun, provozieren dann nicht selten bei dieses labilen Persönlichkeiten die Bereitschaft für eine Brandstiftung.
Die Brandeinsätze sind in letzten Jahren immer weniger geworden. Hilfeleistungen in allen Lebenslangen bestimmen heute weitestgehend den Feuerwehreinsatz. Wieder ein Bild: Beim Beseitigen einer Ölspur mit dem Besen in der Hand wird man aber nicht unbedingt zum „Helden“. Hinzu kommen immer wieder sogenannte Fehleralarme oder der Missbrauch des Feuerwehrnotrufes. Ein umformuliertes „Vater Unser“ findet sich auf der Internetseite eines dieser Brandstifter. Darin heißt es: „Unseren täglichen Einsatz gib uns heute“ und „führe uns nicht zu Fehlalarmen, sondern erlöse uns von dem ewigen Warten auf den nächsten Einsatz“.
Hier beginnt ein tragischer Kreislauf. Anerkennung finden sie nur durch ihr Engagement beim im Einsatz beim Löschen, so glauben diese jungen Männer. Gelöscht wird nur wenn es brennt! Also muss es brennen. Dann kann gelöscht werden. Hier kann man sich beweisen und bekommt endlich die ersehnte Anerkennung.
In einem Textbeitrag auf seiner Internetseite schrieb dieser 18-Jährige außerdem, er sei „mit Leib und Seele bei der Feuerwehr“. Er rette Leben, lösche Autos, schütze Häuser, auf die das Feuer übergreifen könne, berge verletzte Personen und Tiere aus ihrer misslichen Lage. Er mache das, was andere sich nicht zutrauten.
Umso bedenklicher sind Werbekampanien, wie im Jahr 2009 in Sachsen: „Helden gesucht – Kinder werden Helden“. Mit einer großangelegten Plakatwerbung wurde dort nach rückläufigen Mitgliedszahlen in den letzten Jahren mit dem „Helden“-Image für die Mitarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr geworben. Mit mehreren Motiven wurde auf Großplakaten in ganz Sachsen für die Jugendfeuerwehr geworben. Es gab Werbevideos, die in allen sächsischen Kinos und in allen Lokalfernsehsendern zu sehen waren. An alle sächsischen Schulen wurden Plakate mit dem Slogan „Werde auch Du ein Held“ geliefert, die die Schüler direkt ansprechen sollten.

Aber auch der sehr geringe Anteil von Frauen – obwohl in den letzten Jahren zunehmend - und Migranten bzw. Person mit Migrationshintergrund und die Auswirkungen auf die Gruppenverhältnisse muss noch weiter untersucht werden.
Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang birgt die Organisationsform der Freiwilligen Feuerwehr als Verein bereits selbst in sich. Die Mitgliedschaft in der FF ist neben einigen formalen Kriterien (z.B. Volljährigkeit, Gesundheitstauglichkeit) von keinen überdurchschnittlichen Fähigkeiten des Bewerbers abhängig, wie dies zum Beispiel in einem Sport- oder Schachverein von Bedeutung wäre. Die Freiwilligen Feuerwehren stehen also jedem/jeder offen. Eine Auswahl der Bewerber über speziell geforderte kognitive, physische, motorische oder soziale Fähigkeiten findet in der Regel nicht statt.
Leider schlägt sich die Wertschätzung der Arbeit der Feuerwehr nicht in Zahlen der Bereitschaft zur Mitarbeit nieder. Ein Beispiel für den Personalnotstand bei den Freiwilligen Feuerwehren. Kleve: dort ist die Situation besonders alarmierend. Seit Jahren sinkt die Zahl der Feuerwehrleute. Inzwischen fehlen mehr als 100 Freiwillige. Die letzten Jahrzehnte waren allgemein von erheblichen Rückgängen bei der Mitgliedschaft in anderen ehrenamtlichen Organisationen gekennzeichnet. Dies hat sich in den letzten Jahren zwar etwas relativiert. Vergleichbar nur mit dem „Jugend Rot Kreuz“ hatten die Jugendfeuerwehren im Übergang zu den Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr keinen Mitgliedermangel zu beklagen. Doch sind in den letzten Jahren auch hier die Mitgliedszahlen zwar noch nicht dramatisch aber stetig im Rückgang. Hier und da ist zu mindestens tagsüber schon die Einsatzbereitschaft gefährdet. Nach dem Gesetz muss jede Kommune jedoch eine einsatzbereite Feuerwehr vorhalten. Der Fall der Freiwilligen Feuerwehr Pietzpuhl in Sachsen-Anhalt ging deutschlandweit durch die Medien, der Bürgermeisterin, Landrat und Innenministerium beschäftigte. Aufgrund von zu wenigen Mitgliedern war diese Feuerwehr nicht mehr einsatzbereit und so sollten die männlichen Bürger zwangsweise zum Feuerwehrdienst verpflichtet werden. Inzwischen kommen derartige Meldungen von der Nordsee bis zum Schwarzwald.
So kommt es schon hier und da vor, dass man nicht so genau schaut, wer da so kommt. Nur in sehr seltenen Fällen, wird die Übernahme von Nachwuchskräften abgelehnt. Hierfür liegen die Gründe meisten jedoch im fehlenden Teamwillen oder bei Verstößen gegen Weisungen. Und so wird auch schon einmal jemand genommen, den man vor Jahren, als noch eine große Auswahl an Bewerben bestand, nicht aufgenommen hätte. Allerdings muss dafür mit einem hohen Preis gezahlt werden, nämlich dass die Auswahl der Bewerben nur sehr oberflächlich geschehen kann. Wir prüfen sehr gewissenhaft die Frage, ob jemand für den Dienst bei der Polizei oder bei einer Spezialeinheit der Bundeswehr tauglich ist. Trotz des Rückgangs potenzieller Bewerber bei den Jugend- und Freiwilligen Feuerwehren darf es zu keiner Absenkung der physischen und psychischen Anforderungen an die Bewerber und Mitglieder bei Freiwilligen Feuerwehren und Jugendfeuerwehren kommen. Neben den unmittelbaren Auswirkungen auf die Verbandsarbeit in den Städten und Kreisen, in den Ländern und auf Bundesebene darf insbesondere die Frage der „mentalen Brandschutztauglichkeit“ nicht vernachlässigt werden. Es kann bedenklich stimmen, dass anders als bei der Auswahl anderer BOS, bei den Feuerwehren hauptsächlich die körperliche Eignung z.B. als Atemschutzgeräteträger zählt, der „Zustand der geistigen Haltung“ jedoch gern übersehen wird.
Hinzu kommen der Datenschutz und die fehlenden Rechtsgrundlage für die Einholung von weitergehenden Auskünften über den Bewerber (z.B. Jugendgerichtsgesetz). Diese Maßnahmen sind ausschließlich der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft und dies auch nur bei konkreten Verdachtslagen vorbehalten.
Präventionsansätze zur Verhinderung von Brandstiftungen durch Angehörige der FF sind bisher kaum vorhanden sind. Zwar ist mehrfach versucht worden, Strategien zur Früherkennung zu entwickeln, doch eine entsprechende Handreichung gib es bis heute nicht. Der Versuch einer Ad-hoc-Gruppe beim Deutschen Feuerwehrverband, eine entsprechende Handreichung vor einigen Jahren zu erarbeiten, scheiterte.
Aufbauend auf ein neuseeländisches Konzept, dass die Aufnahme von potentiellen Brandstiftern in die Feuerwehr wirkungsvoll verhindern soll, wird nach einer Serie von Brandstiftungen Ende der 90er Jahre durch 11 Angehörige der FF bei der Feuerwehr Köln ein entsprechendes Präventionsprogramms angewandt. Immer auf der Suche nach Anerkennung in der Gruppe oder um zu zeigen, dass sie gute Feuerwehrmänner sind. Die anderen Angehörigen dieser Wehr hatten von den Brandstiftungen nichts mitbekommen. Leider sind auch solche „Gruppentaten“ keine Seltenheit. In Köln wurden Lehren gezogen. Jeder neue Anwärter wird einer Fragebogenevaluation unterzogen, um Auffälligkeit in seiner Person frühzeitig erkennen und gegensteuern zu können.
Grundlage ist ein formelles Auswahlverfahren mit den drei Hauptelementen: Bewerbungsformular, Polizeiliches Führungszeugnis und eine strukturierte Interviewvorlage für das Aufnahmegespräch durch die Wehrleitung.
Dieses Konzept erscheint jedoch nur bedingt tauglich. Denn man kann nicht jedem mit Misstrauen begegnen, sonst kommt niemand mehr. Die Hürden für die Aufnahme zu erhöhen und das bei stagnierenden Bewerberzahlen ist problematisch. Kommentar eines Feuerwehrkommandanten: „Wenn sie ehrenamtlichem Engagement da weitere Stolpersteine in den Weg legen, wird es schwierig, noch genug Personal für eine leistungsfähige Freiwillige Feuerwehr zu bekommen.“ In Köln heißt es: Wer Vorstrafen habe, wird nicht genommen. Aus dem sogenannten polizeilichen Führungszeugnis sind jedoch Jugendstrafen nicht ersichtlich. Auf dem Dorf ist dies sowieso kein Problem. Dort kennt man die jungen Menschen. Hier reicht der gute Leumund des FF-Anwärters.
Das Thema Brandstiftung durch Feuerwehrleute ist sicherlich sehr brisant. Dennoch sollte es keinesfalls als ein Tabuthema in den Freiwilligen Feuerwehren und deren Verbänden behandelt werden. Dazu gehört es auch, nicht dem „St. Florianprinzip“ zu verfallen und den „Kopf in den Sand zu stecken“. Es kann jede Freiwillige Feuerwehr treffen. Aus diesem Grund muss vom Kommandanten/Wehrführer bis zum einfachen Feuerwehrmann Sensibilität für dieses Phänomen erzeugt werden. Wer kommt zu uns und wie gehen wir mit denen, die kommen um? Welches menschliche Klima herrscht in unserer Wehr? Haben wir über unsere „Technikverliebtheit“ die Menschen aus den Augen verloren?
Brandstiftungen aus den Reihen der FF werden wie bereits festgestellt ausschließlich von jüngeren männlichen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr verübt und diese sich durch besonderes Engagement beim Löschvorgang verbunden mit ihrem Geltungsstreben hervortun.

Als bisheriges Fazit dieser Forschungsarbeit für die Prävention kann folgende festgehalten werden. Präventionsmaßnahmen bieten sich in zwei Phasen an.
Die Prävention sollte also bereits beim Übergang von der Jugendfeuerwehr bzw. dem Beitritt oder Wechsel beginnen. Diese Bewerber sollten bei der Aufnahme in der Freiwillige Feuerwehr intensiv betreut und begleitet werden, z.B. durch Tutoren („Kümmerer“ für junge Aktive). Allerdings fehlen hierfür bei den Verantwortlichen in den Feuerwehrverbänden oft die Einsicht und das Interesse. Wie das folgende Zitat des Geschäftsführers des baden-württembergischen Landesfeuerwehrverbandes Willi Dongus in einem Zeitungsinterview mehr als deutlich zeigt: "Aber man kann ja nicht neben jeden einen Aufpasser setzen."
Nach den Festnahmen von zwei jungen Feuerwehrmännern als mutmaßliche Brandstifter in diesem Sommer wird bei einigen Freiwilligen Feuerwehren in Baden-Württemberg über neue Wege diskutiert. Gerade beim Wechsel von der Jugend- in die aktive Feuerwehr sind neue Strukturen im Gespräch. Auf Grundlage von Anregungen in Veröffentlichungen und Gesprächen mit dem Autor überlege man, jungen Aktiven einen Mentor an die Hand zu geben, „einen erfahreneren Feuerwehrmann, der sich um einen Jungen kümmert“, so der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverband Heilbronn Reinhold Gall in einem Zeitungsinterview. Es soll eine Vertrauensperson sein, an die sich die Nachwuchskraft jederzeit wenden kann und die auch „die Sprache der Jugend spricht“. Vielleicht könne man negative Tendenzen so früher erkennen.
In der Bad Friedrichshaller Wehr (ebenfalls Kreisfeuerwehrverband Heilbronn) ist man hier schon einen Schritt weiter. Nachdem im Mai ein 21-Jähriger nach einer Brandserie verhaftet worden war, wurde ein neues System eingeführt. Ältere Paten aus der Wehr kümmern sich inzwischen um vier neue Nachwuchskräfte, wie Kommandant Kurt Semen in einem Zeitungsinterview erläutert. Als Ansprechpartner, Vorbild und Vertrauensperson. Die ersten Eindrücke sind für Semen positiv.
Die Klassifizierung und Typologisierung von Täterprofilen bei dieser Personalauswahl erscheint als ungeeignet und wenig hilfreich. Zusätzlich sind im laufenden Dienstbetrieb präventive Maßnahmen erforderlich. In einer Zeit abnehmender materieller, finanzieller und personeller Ressourcen muss die strategische Einbindung der Freiwilligen Feuerwehren in neue Konzepte für den Brandschutz überdacht werden. Dabei sollten gezielt die Stärken des Ehrenamtes und die Motivation der Feuerwehrangehörigen einbezogen werden. Darüber hinaus muss die Feuerwehr in ihrer Organisation auf diese sich verändernde Wirklichkeit vorbereitet sein. Eine entscheidende Bedeutung kommt dabei dem Gruppenklima sowie der Führungstätigkeit zu. Grundsätzlich muss unmissverständlich Klarheit über die Haltung in der Mannschaft sowie der Feuerwehrleitung zur Problematik der Brandstiftung durch Feuerwehrangehörige bestehen.
Für die Aus- und Fortbildung von Führungskräften der Feuerwehren sind neue Schulungskonzepte, die speziell auf diese Problematik zu entwickeln. „Dieses Thema gehöre unbedingt in die Aus- und Fortbildung der Führungskräfte“, so Lars Oschmann, Verbandsvorsitzender des Thüringer Feuerwehr-Verbandes (ThFV). Die Entwicklung von Schulungskonzepten und die praktische Umsetzung sind integrierter Teil dieser Forschungsarbeit. Gerade die Führungskräfte sollten auf Auffälligkeiten achten. In speziellen Lehrgängen an den Landesfeuerwehrschulen sollten sie für die Motivlagen von potentiellen Brandstiftern in den eigenen Reihen sensibilisiert und ihnen entsprechende Führungsmittel an die Hand gegeben werden. Nur die sorgsame Beobachtung der verschiedenen Merkmale bei neuen oder jüngeren Angehörigen in den Feuerwehrabteilungen, ein konsequentes kooperatives Führungssystem sowie die Weiterbildung von Führungskräften in diesem Bereich können vorbeugend zum Erfolg führen. Nicht zuletzt sollte aber auch durch diese Schulungen für dieses Phänomen sensibilisiert werden, d. h. insgesamt sollte dieses Thema nicht tabu sein, sondern künftig auf allen Ebenen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Frauen sind fast nie unter den „Brandstiftern“ in den freiwilligen Feuerwehren. Dafür gibt es objektive Gründe. Frauen sind grundsätzlich weniger an aufgeklärten Straftaten beteiligt. Davon begehen prozentual Frauen eher die weniger schweren Straftaten. Brandstiftung gehört zu den Kapitalverbrechen. Frauen sind bei den Feuerwehren immer noch eine eher kleine Randgruppe. Daran haben weder die größeren Zahlen von weiblichen Feuerwehrangehörigen in den neuen Bundesländern noch Werbekampanien wie „Frauen an den (Brand)Herd“ des Deutschen Feuerwehrverbandes etwas geändert.
An dieser Stelle schon eine kleine Anmerkung. In der geringen Zahl weiblicher Feuerwehrangehöriger liegt wohl auch eines der Probleme mit brandstiftenden Feuerwehrmännern. Mädchen sind nicht so anfällig für die „Helden“-Geschichten. Es ist auch erwiesen, dass sie einen anderen Ton, andere Umgangsformen in die Gruppe bringen. Dabei ist Sensibilität ein wichtiges Schlüsselwort.

Bei den Berufsfeuerwehren gibt es fast keine „Brandstifter“. Nach dem Krieg sind in Deutschland nicht einmal eine Handvoll Fälle gerichtsbekannt geworden. Die Gefahr ist deutlich geringer, dass diese Feuerwehrkräfte zündeln. Auf der einen Seite haben Sie im Hauptberuf genug Einsätze. Als kommunaler Beamter ist sein soziales Prestige nicht vom Engagement bei Löscharbeiten sondern von der Laufbahnordnung abhängig. Ausschließen kann man es jedoch nie. Ein Beamter der Münchner Berufsfeuerwehr legte in 14 Fällen Brände. Zuletzt steckte er sogar in der Feuerwache Passing zwei Dienstfahrzeuge ab. Das Motiv: Eine Mischung aus Geltungsbedürfnis und Beziehungsfrust.
Die Motive für die Brandstiftungen von Berufsfeuerwehrmännern lassen mit Motiven anderer Brandstifter vergleichbar: Versicherungsbetrug, Rache und Eheprobleme. Allerdings haben wir in anderen Ländern z.B. in den USA durchaus auch Probleme mit brandlegenden Berufsfeuerwehrleuten.

Neben den aufgeführten Maßnahmen zur Prävention durch Früherkennung muss auch über Sanktionen durch die Feuerwehr beim Verdacht oder, wenn der Verdacht gerichtsfest erhärtet ist, erneut nachgedacht werden. Dabei sollten im Blick auf eine Prävention in der Zukunft die Tatmotive, die Tätertypisierung und andere Umstände, die zur Tat führten, bewertet werden. Auf der anderen Seite muss akzeptiert werden, dass mögliche Fehlentwicklungen in der Persönlichkeitsentwicklung bzw. Sozialisation nicht generell auszuschließen sind.
Schnell ist man nicht „Ausschluss“ und „Rauswerfen“ dabei. Eine - wie vom DFV empfohlene - generelle Suspendierung bzw. der Ausschluss ist u.U. geeignet, das Image der betroffenen Freiwilligen Feuerwehr wiederherzustellen. Jedoch wird es dem Einzelfall unter Umständen nicht gerecht. Aus diesem Grund sollte auch hier gelten, jeder einzelne Fall und die jeweilige Schwere der Schuld muss für sich bewertet werden. Aber eines ist auch klar. In der Regel wird es kein Zurück in die Feuerwehr geben.
In der Forschungsarbeit wird unter anderem darauf verwiesen, dass das Handeln des Täters für ihn Sinn macht. Es ist daher unbedingt notwendig, Zugang zu seiner Wirklichkeit zu finden, um ihn zum Lernen zu bewegen.
Die Täter sind oft noch sehr jung und stehen am Anfang ihres Lebensweges! Es gilt, was für jeden Geltung hat, der straffällig wird. Er muss sich mit seiner Tat und den Opfern auseinandersetzen. Er muss die straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen tragen. Aber er hat auch die Chancen und Möglichkeiten nicht den Lehren aus seiner Tat einen anderen Weg zu beschreiten.
Keine tatsächliche Handlungsoption in diesem Zusammenhang ist jedoch eine Übernahme von zu Brandstiftern gewordenen Feuerwehrangehörigen aus Gründen der rückläufigen Mitgliedszahlen. „Wir sind eine kleine Wehr, haben zu wenig Aktive. Bei uns kommt es auf jeden Kameraden an“, sagte der Leiter der Feuerwehr in Edersleben (Sachsen-Anahlt), Renato Weidemann, in einem Interview mit der Bild-Zeitung. Daher scheute sich diese Freiwillige Feuerwehr auch nicht, einen verurteilten Brandstifter als Feuerwehrmann wieder aufzunehmen. „Wir geben ihm eine zweite Chance.“ Der junge Feuerwehrmann war im Herbst 2007 wegen Brandstiftung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Auch wenn der 20-Jährige formal seine Eignung als Feuerwehrmann bewiesen und seine Bewährungsstrafe verbüßt hat, kann und darf Mitgliedermangel sei kein Argument dafür sein, das ein verurteilter Brandstifter wieder in eine FF aufgenommen wird. Auch wenn dieses ungewöhnliche Vorgehen nicht gegen geltendes Recht verstoße, sollte darüber nachgedacht werden, ob dieser junge Feuerwehrmann diese „zweite Chance“ auch nutzen kann. Allerdings sollte bei derartigen Entscheidungen auch ein wie in diesem Fall vom Landesfeuerwehrverband befürchteter Image-Schaden keine Rolle spielen.
Dies wird sicherlich kein einfacher Weg sein. Das Sigma „Brandstifter als Feuerwehrmann“ wird diesen Weg auch nicht gerade erleichtern. Vielleicht hilft der Umgang mit der Schuld jedoch diesen jungen Menschen auch seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, ohne falsches Heldentum.

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