Freiwillig sozial – gut investierte Zeit

Rosenheim | am 16.03.2011 - 12:56 Uhr | Aufrufe: 1271

Mit der Abschaffung des Zivildienstes entgeht vielen jungen Leuten eine prägende Zeit mit wertvollen Erfahrungen, die sie später nicht mehr missen möchten – obwohl die meisten den Zivildienst vorher als verlorene Zeit einstuften. Aus dieser Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte empfehlen die Rosenheimer Malteser die Tätigkeit in den Sozialen Diensten im Rahmen eines Freiwilligendienstes wie des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des künftigen Bundesfreiwilligendienstes (BFD).

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„Ein sozialer Dienst ist sowohl für die hilfebedürftigen Menschen als auch für die Helfer sehr wertvoll ist“, sagt Malteser Dienststellenleiter Max Hanslmeier. Ab April oder später gibt es mehrere freie Plätze im Fahrdienst für behinderte oder betreu-ungsbedürftige Menschen sowie ab Herbst einen Platz im Krankentransport. Der Umgang mit hilfebedürftigen Menschen ist interessant und abwechslungs-reich, erfordert aber Einfühlungsvermögen und ein gewisses Maß an Belastbarkeit.

Interessenten sollten 19 Jahre alt sein, seit mindestens einem Jahr den Führerschein sowie ausreichend Fahrpraxis besitzen. FSJler gibt es bei den Maltesern schon länger. „Das System hat sich für junge Leute bewährt“, so Dienststellenleiter Max Hanslmeier. „Zusätzlich zum praktischen Arbeitseinsatz gibt es fünf Wochen Bildungsseminare und umfassende Sozialleistungen.“

Die Mitarbeiter im FSJ werden vor Ort auf ihre Tätigkeiten vorbereitet und in ihrer Arbeit mit regelmäßigen Gesprächen begleitet. Bei der Vergabe der Studienplätze zählt das FSJ als zwei Wartesemester und im Lebenslauf für viele Arbeitgeber als großer Pluspunkt. Für den neuen Bundesfreiwilligendienst können sich auch Menschen über 27 Jahren entscheiden. Mindestens 20,5 Stunden pro Woche müssen Freiwillige Dienst leisten. Das Engagement dauert zwischen sechs und 18 Monaten und kann – etwa wegen beruflicher oder privater Veränderungen – auch vorzeitig beendet werden.

Interessierte suchen sich selbst eine Dienststelle und schließen einen Vertrag. Die Malte-ser bieten den Freiwilligen interessante Fortbildungsangebote und zahlen eine Aufwandsentschädigung. „Wir suchen Menschen, die ihre Lebenserfahrung einbringen wollen und etwas Konkretes für Bedürftige tun wollen“, sagt Hanslmeier. Als Beispiele nennt er den Fahrdienst für Menschen mit Behinderungen oder den Hausnotruf. In begleitenden Seminaren bieten die Malteser den Freiwilligen fachliche Unterstützung für den konkreten Einsatz und die Möglichkeit sich auszutauschen.

Beispiele:

Lisa-Maria Stöhr, 19 Jahre, wollte das Wartejahr bis zum Studienjahr sinnvoll überbrü-cken. Unter den vielen angebotenen FSJ-Stellen entschied sie sich für die Malteser in Rosenheim und hat dies auch nach einem halben Jahr nicht bereut. Seit September 2010 erlebt sie einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag im Fahrdienst. Morgens und nachmittags bringt sie Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung von ihrem Wohnort zur Schule und wieder zurück. Dazwischen stehen meist sogenannte Individualfahrten auf dem Dienstplan: Ältere Menschen mit und ohne Rollstuhl benötigen eine Fahrgelegenheit mit Betreuung, um wohlbehalten zum Arzt, zu einer Therapieein-richtung oder zu Bekannten zu kommen. „Ich habe erfahren, wie wichtig Toleranz gegenüber körperlich beeinträchtigten oder kranken Menschen ist,“ so Stöhr, „aber auch viel über Teamwork und Organisation gelernt.“ Sie schätzt die abwechslungsreichen Seminare und würde das FSJ auf jeden Fall weiterempfehlen, weil „durch den Arbeits-alltag der soziale Umgang gestärkt wird und es sich auf die berufliche Zukunft positiv auswirken kann.“

Andreas Halmbacher, 19 Jahre, ist einer der letzten Zivildienstleistenden bei den Maltesern in Rosenheim. Auf Empfehlung eines Freundes stellte er sich vor und ist seit Oktober 2010 im Fahrdienst eingesetzt. Obwohl er Arbeitszeiten an Abenden und Wochenende als zu häufig und belastend empfindet, sieht er seine Zivildienstzeit positiv: „Der Umgang mit Behinderten war völlig neu für mich, egal ob geistig oder körperlich behindert“, sagt Halmbacher. In den vergangenen Monaten hat er Berührungsängste abgebaut und festgestellt, dass es im Landkreis viel mehr Behinderte gibt, als er erwartet hätte.

Hintergrund:

FSJ in Deutschland - Ein Freiwilliges Soziales Jahr dauert in der Regel zwölf Monate und kann von jungen Menschen im Alter von 16 bis 27 Jahren absolviert werden. Diese bekommen ein mo-natliches Taschengeld sowie einen Wohn- und Verpflegungszuschuss, wenn die Dienststelle keine Unterkunft und Verpflegung stellen kann. Der Arbeitgeber übernimmt alle Sozialversicherungsbeiträge und muss 26 Urlaubstage und 25 Seminartage ge-währleisten. Das Kindergeld wird weiter gezahlt.

Quelle: Malteser Hilfsdienst gemeinnützige GmbH / Dienststelle Rosenheim

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