ILS: Im Notfall soll die Hilfe schneller kommen

LK Unterallgäu | am 11.12.2010 - 11:00 Uhr | Aufrufe: 287

Im Notfall soll die Hilfe auch auf dem Land schneller kommen. So sieht die Ausführungsverordnung zum Rettungsdienstgesetz vor, dass auch in dünn besiedelten Gebieten der Rettungswagen nach einer Fahrtzeit von maximal zwölf Minuten am Ziel ist - drei Minuten weniger als bisher.

Im Notfall soll die Hilfe schneller kommenDer Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather hält diese Anpassung im Rettungsdienstgesetz für sinnvoll. Denn die bisherige Ausnahmeregelung einer bis zu 15-minütigen Fahrtzeit sei unzulässig gewesen. „Das lässt sich nicht mit der Robustheit der Bevölkerung im ländlichen Raum begründen“, sagte Weirather gestern bei der Verbandsversammlung des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Donau-Iller im Günzburger Landratsamt. Im Übrigen sei er vor nicht allzu langer Zeit unfreiwillig Testperson gewesen. Denn der Unterallgäuer Landkreischef hatte etwa zehn Kilometer von Memmingen entfernt einen allergischen Schock erlitten und dabei das Eintreffen des Rettungswagens herbeigesehnt. „Ich musste dabei deutlich über 15 Minuten warten“, berichtete der stellvertretende Verbandsvorsitzende Weirather.

Dem ZRF Donau-Iller gehören die Landkreise Günzburg, Neu-Ulm, Unterallgäu und die kreisfreie Stadt Memmingen an. Verbandsvorsitzender Hubert Hafner sagte, dass man bei der geforderten Zwölf-Minuten-Hilfsfrist an einigen Stellen in der Donau-Iller-Region nachjustieren müsse. 2009 ergab der Trendreport des Instituts für Notfall-Medizin in München folgende Werte: In Memmingen wurde die Frist in 98,7 Prozent der Fälle eingehalten, in Neu-Ulm waren es 94,6 Prozent, in Günzburg 90,0 Prozent und im Unterallgäu 86,7 Prozent.

Die ZRF-Geschäftsführung soll nun nach dem einstimmigen Votum der Verbandsversammlung eine Detailanalyse der Notfallrettung für den Landkreis Unterallgäu sowie die Rettungswachen Günzburg und Weißenhorn beim Münchner Institut einholen. Außerdem beschlossen die Verbandsräte, den Stellplatz Jettingen zur Rettungswache aufzustufen, wenn dies keine zusätzlichen Kosten verursacht. Von Jettingen, das bisher zur Rettungswache Günzburg gehört, seien erheblich mehr Notfalleinsätze gefahren worden als von zwei anderen der insgesamt neun Rettungswachen im ZRF-Gebiet. Röfingens Bürgermeister Michael Mayer gefiel die Entscheidung: „Früher, als es noch keinen Stellplatz in Jettingen gab, war dies Niemandsland, wir hatten enorm lange Wartezeiten.“

Eine Änderung ist auch beim Ausrücken des Notarzteinsatz-Fahrzeugs in der Diskussion: Mediziner und Fahrer sollen nach der Verordnung nach spätestens zwei Minuten gemeinsam im Wagen sitzen. Die Folge könnte sein, dass viele Notfall-Mediziner auf der Rettungswache Dienst tun müssen.

Die Integrierte Leitstelle (ILS) in Krumbach hat Ende Oktober am neuen Standort in der Burgauer Straße 3 ihre Arbeit aufgenommen, informierte ZRF-Geschäftsführer Wolfgang Strauch: „Der Betrieb klappte ohne größere Probleme.“ Am 3. Mai soll es soweit sein: Dann werden der Rettungsdienst und die Feuerwehren unter der einheitlichen Nummer 112 alarmiert. Die Einrichtung der neuen Integrierten Leitstelle in Krumbach hatte einst für politischen Wirbel gesorgt. „Sie hätte gut nach Neu-Ulm mit seiner Berufsfeuerwehr gepasst“, meinte gestern Landrat Erich Josef Geßner. Er fügte jedoch hinzu: „Die Sache ist entschieden.“ Ärger gab es bei der Änderung des Betreibervertrags. Der 5-Minuten-Bereitschaftsdienst und die 30-Minuten-Rufbereitschaft werden nach dem gestrigen Beschluss nicht mehr doppelt, sondern auf Betreiben des BRK nur noch jeweils einfach besetzt. Die Neu-Ulmer Stadträtin Rosl Schäufele stimmte dagegen. Die doppelte Besetzung sei früher „vollmundig zugesagt“ worden.

Einstimmig beschlossen wurde der Haushalt 2011 für die ILS mit einem Volumen von 2,17 Millionen Euro. Magenschmerzen bereitet Hafner und Strauch noch die Aufteilung der Kosten, denn diese ist umstritten. Den Krankenkassen schwebt offensichtlich ein Schlüssel von 68 Prozent (Rettungsdienst) zu 32 Prozent (Feuerwehralarmierung) vor. Der ZRF will für eine Aufteilung von 79 zu 21 Prozent kämpfen.

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