Martina Hiller hat die Feuerwehr revolutioniert

Schwabmünchen | am 26.09.2010 - 10:00 Uhr | Aufrufe: 701

Eigentlich war alles wie bei ihren männlichen Kollegen: Martina Hiller war neugierig auf die Arbeit, hatte Spaß am Helfen. Und doch war ihre Aufnahme in die Schwabmünchner Feuerwehr im Jahr 2002 alles andere als normal. Denn mit Martina Hiller ging ein 133 Jahre währendes Kapitel zu Ende: das Kapitel, in dem Frauen bei der Schwabmünchner Feuerwehr nichts zu suchen hatten. Die heute 23-Jährige war die erste aktive Frau in der Geschichte der Schwabmünchner Wehr.

Kommandant Hubert Prechtl erinnert sich noch gut an die Diskussionen. Martina, deren Vater selbst ein aktiver Kamerad ist, wollte mitmachen. Sie hatte einfach beim Kommandanten angefragt. „Für mich war klar, dass wir sie aufnehmen“, sagt Prechtl heute. Doch für viele andere Feuerwehrmänner war das alles andere als selbstverständlich.

Der Verwaltungsrat der Wehr - ein Gremium aus Vertretern des Vereins und der aktiven Mannschaft - setzte sich zusammen und tagte. „Es gab Argumente dafür und dagegen“, erzählt Prechtl. Letztlich fiel die Entscheidung deutlich aus: Mit 17 zu vier Stimmen wurde die Aufnahme der ersten Frau in die Mannschaft beschlossen.

Verändert hat sich seitdem nicht viel. Außer dass Martina jetzt dazu gehört zum Team - und mit ihr inzwischen sieben weitere Mädchen, zwei davon in der aktiven Wehr. „Am Anfang war es ein bisschen ungewohnt - auch für die Jungs“, sagt Martina. Aber eine Sonderbehandlung gab es nie: „Gleiche Rechte, gleiche Pflichten“, sagt Kommandant Prechtl. „Die Frauen wollen einfach ganz normal mitmachen.“

Martina hat sich inzwischen weiter qualifiziert. Sie gehört zu den Atemschutzgeräteträgern der Truppe. Wenn es irgendwo brennt, geht sie mit Sauerstoffmaske und Schutzanzug ausgerüstet gemeinsam mit einem Kameraden in das brennende Gebäude. In diesem Jahr hat sie einen Lehrgang zum Truppführer absolviert. Damit könnte sie das Atemschutzgeräte-Team im Ernstfall sogar anführen.

Auf die Einsätze ist die 23-Jährige gut vorbereitet. „Eine gewisse Grundfitness gehört schon dazu“, sagt sie. Als ehemalige Turnerin bringt sie die auf jeden Fall mit. Sooft es geht, rückt Martina Hiller mit aus.

Weil sie inzwischen in Mindelheim arbeitet, geht es nicht mehr so oft. Routiniert ist sie trotzdem. „Sobald man im Einsatz ist, konzentriert man sich voll auf seine Aufgaben“, sagt die junge Feuerwehrfrau. Im Prinzip genauso wie bei den Männern.


Bild-und Textautor: Monika Schmich

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