Mit den Johannitern helfen Sie richtig, wenn jemand zu ertrinken

Sommerliches Badevergnügen endet immer wieder tödlich. Durch Leichtsinn, Kreislaufprobleme, Alkohol oder Überschätzung der eigenen Kräfte ertrinken in den Sommermonaten pro Tag durchschnittlich zwei Menschen in Deutschland - im Jahr 2008 waren es insgesamt 475 Personen (Quelle: Statista). Besonders gefährdet sind kleine Kinder: Bei ihnen gehört Ertrinken zu den häufigsten Todesursachen überhaupt. Aber auch ältere Menschen gehören zur Risikogruppe. Wie in vielen lebensbedrohlichen Situationen kommt es auch hier auf schnelle Erste Hilfe an.

BadeunfallNicht den Eigenschutz vergessen
Ole Kaske, Lehrrettungsassistent beim Johanniter-Rettungsdienst in Schwaben: "Vor einem Rettungsversuch sollte man unbedingt weitere Personen auf den Notfall aufmerksam machen, die über den Ruf 112 den Rettungsdienst und Wasserrettungskräfte, wie z. B. die Feuerwehr, alarmieren können. Wichtig ist hierbei der Hinweis auf einen Ertrinkungsunfall, damit spezielles Rettungsgerät und Rettungstaucher unverzüglich alarmiert werden können. Der Retter, der den Ertrinkenden aus dem Wasser ziehen will, darf auf keinen Fall den Eigenschutz vergessen. Wenn möglich, reicht man der betroffenen Person einen schwimmenden Gegenstand, um direkten Kontakt zu vermeiden. Denn wenn sich der Ertrinkende in Panik an den Retter klammert, könnte er den Helfenden unter Wasser drücken." An Land muss schnell Erste Hilfe geleistet werden, bis der Rettungsdienst eintrifft. "Ist der Betroffene bewusstlos, wird er in die stabile Seitenlage gebracht. Atmet er nicht mehr, muss der Ersthelfer sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen", erklärt Ole Kaske.

30 Mal drücken, zwei Mal beatmen
Dabei geht es nicht darum, Wasser aus Lunge oder Magen herauszudrücken: "Das bringt nichts und kostet nur wertvolle Zeit", sagt Kaske. Stattdessen macht der Ersthelfer den Oberkörper des Betroffenen frei, sucht die Mitte des Brustkorbs und drückt mit übereinander gelegten Handballen das Brustbein vier bis fünf Zentimeter tief senkrecht Richtung Wirbelsäule. Die Druckmassage sollte eine Frequenz von etwa 100 Mal pro Minute haben, also ein bis zwei Mal pro Sekunde. Nach 30 Druckmassagen folgen zwei Atemspenden. Dazu muss der Ersthelfer den Kopf des Betroffenen vorsichtig nach hinten überstrecken. Der Helfer legt seinen geöffneten Mund über den Mund des Patienten und beatmet diesen zwei Mal langsam, bis sich dessen Brustkorb hebt und senkt. Danach folgen wieder 30 Herzdruckmassagen. "Die Wiederbelebungsmaßnahmen sollen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte fortgeführt werden, wenn der Betroffene nicht spontan anfängt zu atmen. Möglichst sollten sich die Ersthelfer alle fünf Minuten abwechseln, weil diese Maßnahmen kräftezehrend sind und nach einer Weile nicht mehr so effektiv durchgeführt werden können wie zu Beginn", empfiehlt Ole Kaske.

Ein abschließender Tipp vom Johanniter-Rettungsassistent Kaske: "Die Temperaturen in diesem Sommer sind extrem, teilweise über 34 °C. Gerade wenn man lange in der prallen Sonne verbracht hat, sollte man auf keinen Fall alleine oder weit vom Ufer entfernt schwimmen!".

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