Mit einem Hilfskonvoi nach Bulgarien- Mein Reisetagebuch Tag 7

Petrosani Rumänien | am 17.08.2010 - 15:49 Uhr | Aufrufe: 466

Wahnsinn wie schnell die Zeit verstreicht. Heute beginnt nun die Heimreise. Wir verlassen unser Hotel schon sehr früh und fahren noch einmal zu dem alten Flugplatz. Dort standen in den vergangenen Tagen die Anhänger der LKWs. An dem Flugplatz treffen wir Daniela ein letztes Mal. Wir verabschieden uns ausgiebig und müssen dann auch schon los. Wir fahren zuerst noch nach Sofia, dort verlassen Maxi und Reni unser Team. Für die beiden steht nun gleich ein schöner Urlaub in Bulgarien am Strand an. An einer Kreuzung, mitten in Sofia steigen sie in ein Taxi und jetzt sind wir nur noch zu viert im Team. Martin Draheim mit seiner Tochter Sabrina im großen LKW und Ingo Gössel und ich in dem kleineren LKW.

Mit einem Hilfskonvoi nach Bulgarien- Mein Reisetagebuch Tag 7

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Die heutige Etappe führt uns wieder durch Rumänien. Zuerst werden wir wieder mit der Fähre über die Donau übersetzen. Bei der Abfahrt in Sapareva Banja ist schon klar, dass wir irgendwo in Rumänien übernachten werden. Der Plan sieht vor, so lange zu fahren, bis wir keine Lust mehr haben und dann für mich ein Hotelzimmer zu suchen, da die anderen ja in den LKWs schlafen können.

Wir haben für die Rückfahrt durch Rumänien eine andere Etappe, als für die Hinfahrt gewählt, dieses Mal soll es mitten durch die Karpaten gehen.  Dieser Teil von Rumänien gefällt mir nicht ganz so gut. Kurz vor Beginn der Karpaten, steht mitten in der ehemals grünen Landschaft ein monströses Elektrizitätswerk. Die riesigen Kühltürme verschandeln die Landschaft auf vielen Kilometern und die Hässlichkeit der Kühltürme, wird nur durch die ebenfalls riesigen Fabrikgebäude übertroffen. Ich bin entsetzt denn ich habe selten einen so offensichtlichen Beweis dafür gesehen, wie negativ der Mensch oft in die Natur eingreift.

Was mir auch noch auffällt, sind blau-weiße Schilder, die hier an vielen Straßen stehen. Die Schilder kennzeichnen Straßen, die durch die EU finanziert beziehungsweise renoviert werden. Auf den Schildern stehen die Summen, die die EU und auch Rumänien für diese Projekte zur Verfügung stellt. Im Laufe des Tages, sehe ich einige dieser Schilder und einige Millionen investierte Euros.

Als wir die ersten Bergstraßen erreichen, sind Wolken aufgezogen und haben die Sonne verdunkelt. Die Landschaft wird in ein bedrückendes Grau getaucht.

Ich dachte ich hätte im Laufe dieser Reise schon so einige schlimme Straßen erlebt, doch die Straßen die wir jetzt befahren, sind schlimmer als all die Vorherigen.

Die Kurven sind eng und auf der einen Seite der Straße, befindet sich meistens ein steiler Berg und auf der anderen Seite, ein ebenso steiler Abgrund. Alle Versuche mich abzulenken scheitern und ich wünsche mir im Moment nichts sehnlicher, als dass die Karpaten bald hinter uns liegen. Als es zu dämmern beginnt und zu allem Übel auch noch ein Gewitter in der Ferne zu hören ist, wird mir klar, warum man sagt, dass der Vampir Dracula hier zuhause sein soll. Die Karpaten sind dicht bewaldet und immer wieder von tiefen Tälern durchzogen, durch die reißende Flüsse laufen. Die Dämmerung lässt Alles um uns herum düster erscheinen und die Wälder sehen so aus, als würden sie noch viel gruseligere Gestalten als nur Dracula beherbergen. Ich kann nicht verstehen, dass ich scheinbar die Einzige bin, auf die die Karpaten so eine beängstigende Ausstrahlung haben. Als am Straßenrand ein Hinweisschild für ein Hotel auftaucht, beschließen wir die Etappe für heute zu beenden. Wir folgen den Hinweisschildern und landen an einem Kiesparkplatz, von dem aus ein Schild eine enge Waldstraße hinauf zeigt. Das Hotel soll noch ein Stück weiter den Wald hinein sein. Ich stehe auf diesem Kiesparkplatz inmitten der Karpaten, es beginnt dunkel zu werden und das Gewitter wird immer lauter. Spätestens jetzt, fühle ich mich wieder wie ein kleines Mädchen, das Angst vor Gewitter hat. Ich will nicht in dieses Hotel mitten im Wald, ich könnte die ganze Nacht kein Auge zu machen, denn die anderen würden ja in ihren LKWs schlafen und ich wäre dort dann ganz alleine.

Mein Anblick scheint im Moment wohl sehr mitleidserregend zu sein denn es wird beschlossen, doch besser weiter zu fahren und nach einem anderen Hotel Ausschau zu halten.

Morgen geht’s weiter…

 

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