Moderne Technik macht Feuerwehr zu schaffen

Das Auto ist gegen einen Baum gerast, der Fahrer ist eingeklemmt. Mit schwerem Gerät rückt die Feuerwehr an, um den Insassen zu befreien. Ein Horrorszenario, wie es täglich in Deutschland vorkommt. Doch die modernen Autos stellen die Helfer vor große Probleme.

Stabil wie ein Panzerschrank und voller modernster Elektronik - was eine Vielzahl von Leben rettet, kann sich im Einzelfall umkehren. Dann nämlich, wenn die Spreiz- und Schneidegeräte der Feuerwehr die robusten Verbundstoffe der Karosserien nicht mehr durchdringen oder eine Leitung für den Airbag oder den Gurtstraffer erwischt.

Feuerwehr_unfallhilfeAuch die Feuerwehren des Landkreises Donau-Ries werden immer häufiger zu Unfällen gerufen, bei denen die Rettung sehr zeitaufwendig und teilweise sogar gefährlich ist. Sie haben schon einige Verkehrsunfälle erlebt, bei denen sie fast an ihre Grenzen stießen, weil gerade die deutschen Karosserien so robust sind, dass man sie nur mit den neuesten Geräten aufschneiden kann. Aber diese haben bisher nur wenige Wehren zur Verfügung.

Kopfzerbrechen bereitet den Rettern auch die moderne Technik in den neuen Autos. Fahrer-, Beifahrer-, Seiten- und Heckairbag und sonstige elektronische Raffinessen machen die Fahrzeuge zwar immer sicherer, aber für die Feuerwehrler auch immer komplizierter.

Falsches Kabel kann heftige Reaktionen auslösen

Wo man früher einfach die Scheibe herunterkurbelte, geht nun mit der Elektrik nach einem Unfall oftmals überhaupt nichts mehr. Köhnlein: „Erwischt man dann das falsche Kabel, kann es zu einer heftigen Reaktion kommen.“ Schließlich würden die Airbags durch kleine Sprengsätze gezündet und die Gaskartuschen der Gurtstraffer seien mit bis zu 600 bar gefüllt. „Ein falscher Schnitt kann sowohl Retter wie auch Verunglückte in Lebensgefahr bringen“, so der Stadtbrandinspektor. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht jedes Fahrzeugmodell die gleiche Kabelführung hat.

Kreisbrandrat Bernhard Meyr (Wemding) bekommt immer wieder DVDs zugeschickt, in denen die Fahrzeughersteller mitteilen, wie mit der Technik im Notfall umzugehen ist: „Wir müssen ja auf dem Laufenden bleiben.“ Zwar üben die Feuerwehren immer wieder Hilfeleistungen dieser Art, doch in den seltensten Fällen bekommen sie dazu Neuwagen.

An Schrottfahrzeugen üben

Meist sind es Schrottfahrzeuge, die nicht auf dem neuesten Stand der Technik sind.  Aber nicht nur bei Unfällen machen die modernen Entwicklungen den Feuerwehrlern das Leben schwer. Auch bei Bränden kann es zu unerwarteten Problemen kommen, wenn auf dem Dach des Hauses eine Fotovoltaikanlage installiert ist. Die statische Belastung ist dann nämlich ganz anders, was für die Retter zu einer unberechenbaren Gefahr werden kann.

Die Fotovoltaikanlage kann beim Löschen im Weg sein

Hinzu kommt, dass sich die Anlagen nicht so einfach abstellen lassen wie normale Stromanschlüsse, erklärt Kreisbrandrat Meyr: „Solarmodule produzieren Strom, solange ausreichend Licht auf sie fällt.“ Für die Feuerwehrler heißt das, sie müssen auch nach der hausinternen Stromabschaltung mit spannungsführenden Kabeln rechnen.

Fotovoltaikanlagen behindern

Beim Löschen des Brandherds kann die Fotovoltaikanlage im Weg sein. Meyr: „Wenn der Dachstuhl brennt und wir kommen durch die Module an den Brandherd nicht ran, müssen wir sie zur Not mit Gewalt herunterreißen.“ Dieser Fall sei im Landkreis jedoch bisher Gott sei Dank noch nicht vorgekommen. Aber die technischen Neuerungen werden die Floriansjünger auch in Zukunft auf Trab halten, heißt es übereinstimmend bei den Feuerwehren im Landkreis Donau-Ries.

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