Nach zehn Jahren sagt die Mutter Danke

Es ist schon Jahre her, und trotzdem hat Marlies Reiter immer noch einen Kloß im Hals, wenn sie die Ereignisse des 30. Juli 1999 schildern soll. Ihr damals 13-jähriger Sohn Severin war mit drei Freunden in ein Spaßbad unterwegs, als bei Jettingen ein schrecklicher Autounfall passierte und Severin lebensgefährlich verletzt wurde.

Nach zehn Jahren sagt die Mutter Danke

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Zehn Jahre später setzte die Mutter ihren Wunsch in die Tat um, die Leute kennenzulernen, die ihrem Sohn das Leben gerettet hatten. „Ich bin mir sicher, er hat nur überlebt, weil die Rettungskräfte so schnell und gut reagiert haben“, erinnert sich die Mutter.

Severin saß nämlich im Auto hinten in der Mitte und daher nur mit einem Bauchgurt gesichert - er erlitt schwerste innere Verletzungen und konnte nur durch den optimalen Ablauf der Rettungskette so schnell per Hubschrauber ins Klinikum Augsburg gebracht werden.

Dort wurde er notoperiert, fünf Wochen später zum zweiten Mal. Alles ging gut. Heute ist der 24-jährige Student kerngesund, und seine Freunde von damals - Philipp und Leonhard Stöckle sowie Konstantin Geiger - hat er immer noch. „Diese Clique ist immer noch zusammen unterwegs, auf Partys und beim Fußball“, erzählt Marlies Reiter.

Doch für die Mutter war das Kapitel noch nicht abgeschlossen. „Wildfremde Menschen haben meinem Kind das Leben gerettet, und ich konnte ihnen nicht mal danken. Das kann man nicht vergessen.“ Sie wusste ja nicht, wer die Rettungshelfer am Unfallort waren.

Dann kam ihr der Zufall zu Hilfe. Für ihre Mutter musste Marlies Reiter vor gut einem Jahr den Sanka rufen, und der kam zufällig aus dem Landkreis Günzburg - wie damals in Jettingen. Marlies Reiter fragte den Rettungshelfer, ob er über den Unfall ihres Sohnes etwas wusste.

„Der Unfall mit den vier Kindern - klar, da war ich dabei“, sagte Rettungsassistent Achim Häfele. Er wusste auch noch genau, wer sonst noch am Unfallort im Einsatz war. Denn auch der Helfer hatte den ungewöhnlichen Einsatz nicht vergessen.

Marlies Reiter rief zunächst bei der Geschäftsstelle des Roten Kreuzes im Landkreis Augsburg an und bedankte sich in einem langen, bewegenden Telefonat. Auch ließ sie nicht locker, den Notarzt Dr. Christoph von Winterfeld an die Strippe zu bekommen, und regte ein Treffen an.

„Ich wollte den Helfern endlich ein Gesicht geben“, sagt Marlies Reiter. Denn sie dachte so oft an diese Menschen, kannte sie aber nicht. Ihr Sohn fand die Idee gut, auch er war neugierig, seine Retter kennenzulernen. Vor einigen Wochen arrangierte dann die BRK-Geschäftsstelle des Landkreises das gewünschte Treffen.

Nach zehn Jahren sagt die Mutter Danke (ID: 14981) 

„Es war hochbeeindruckend und bewegend, diese Menschen kennenzulernen“, erzählt die Mutter. Endlich bekamen die Helfer Gesichter: Dr. Winterfeld, Notarzt und Mitglied der Motorradstreife des Bayerischen Roten Kreuzes, Achim Häfele und Michael Rucker vom BRK-Rettungsdienst und Hubschrauber-Rettungsflieger Hauptmann Christian Bähschnitt. Nicht dabei sein konnte Hubschraubernotarzt Dr. Mathias Helm, er schickte einen netten Brief.

Günther Geiger, Geschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes im Landkreis Augsburg, der gemeinsam mit dem Vorsitzenden Max Strehle dieses Treffen ermöglicht hatte, gab seinem Bedauern Ausdruck, dass bei der Vielzahl von Einsätzen, bei denen ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter des Roten Kreuzes oft unter hohem persönlichen Einsatz Hilfe leisteten, Dank und Anerkennung nur in seltensten Fällen erfolgte.

Das war Marlies Reiters Motivation: „Diese Leute brauchen auch mal eine Rückmeldung, wie großartig das ist, was sie für andere leisten.“ Sie überreichte ihnen ein kleines Geschenk mit dem Spruch von Konfuzius: „Der Retter eines Menschen ist größer als der Bezwinger einer Stadt.“

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Philipp Stöckle, Leonhard Stöckle, Sanitäter Michael Rucker, Konstantin Geiger, Sanitäter Achim Häfele und Severin Reiter

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