Satire oder bittere Realität?

Schwäbisch Gmünd | am 17.05.2011 - 12:00 Uhr | Aufrufe: 11781

Deutsche Retter wundern sich. Verhindert das eigene Auftreten und Verhalten ein besseres Ansehen dieses Berufstandes in Deutschland?

Symbolbild BlaulichtBeginnen wir den Tag bei der Fahrzeug- und Ausstattungsüberprüfung. Schon kleinste Mängel, begünstigen im Kollegium oftmals unsachliche Kritik, die die Stimmung erheblich beeinträchtigen kann. Diverse Schuldzuweisungen ab den ersten Minuten begleiten den Start der Rettungsdienstler in den Arbeitstag.

Kritik am "nicht erforderlichen Einsatz"

Es geht weiter- jeder im Rettungsdienst tätige kennt das Szenario. Der Funkmeldeempfänger piepst, es folgt die Durchsage des Disponenten, und noch während der Meldung, kommt von Besatzungsmitgliedern erste Kritik am anscheinend „nicht erforderlichen Einsatz“ des von der Rettungsleitstelle alarmierten Rettungsmittels. (Wegen so einem …… müssen wir jetzt mit Sonderrechten raus)

Während der Anfahrt erdreistet sich ein neues Besatzungsmitglied, gerade mal wenige Tage nach der Ausbildung im Dienst, die Qualifikation niedergelassener Ärzte, die den Rettungsdienst angefordert haben in Frage zu stellen. Auch erfahrene Rettungsassistenten die schon einige Dienstjahre hinter sich haben, fallen bei dieser Person stets in Ungnade.

Verkehrsteilnehmer werden durch unterschiedliche Signale verunsichert

Der RTW - Fahrer, damit beschäftigt die Sondersignalanlage (Töne) mitten im hohen Verkehrsaufkommen, in sämtlichen Variationen zu „spielen“ wundert sich darüber, dass andere Verkehrsteilnehmer verunsichert auf die akustisch unterschiedlichen Signale reagieren.

Den Hinweis auf ein eventuelles Fehlverhalten weist er weit von sich - er fühlt sich persönlich angegriffen.

Das erschrockene Verhalten, und die damit verbundenen Fehlreaktionen der anderen Verkehrsteilnehmer, wird lapidar mit Beleidigungen und Schmähworten vom Fahrer in aggressiver Form abgehandelt.

Wie wird der Patient am Einsatzort behandelt?

Am Einsatzort angekommen, werden hastig Notfallkoffer und EKG aus dem Fahrzeug gezerrt. Ähnlich wie ein Sondereinsatzkommando der Polizei stürmt das Rettungsteam die Wohnung des Patienten. Der noch vor Ort verweilende Hausarzt wird mehr oder weniger zur Seite gedrängt. Die Retter stürmen auf den Patienten zu. Während einer dem Notfallpatienten eine Braunüle in die Vene drückt, selbstverständlich „ohne Worte“ klatscht der andere dem Patienten die kalten Elektroden auf die Brust. Mit dem verängstigten, von Atemnot und thorakalen Schmerzen geplagten Patienten wurde noch kein Wort gesprochen. Man ist vom eigenen „tun“ dermaßen fasziniert, dass die psychischen Nöte des Patienten gar nicht wahrgenommen werden! Auch seinen Wissensstand will man testen, eindeutige Infarktzeichen sollen/wollen auf dem Streifen erkannt werden.

Der Hausarzt hat inzwischen verärgert, aber auch gekränkt die Wohnung verlassen. Aber gerade dieser hätte als Vertrauensperson des Patienten wertvolle Hilfestellung geben können. Sämtliche Informationen zur Anamnese und Diagnostik kämen sozusagen aus erster Hand. Die anschließende gemeinsame Patientenversorgung hätte das therapiefreie Intervall zum Vorteil des Patienten verkürzt.

Lang gediente Hausärzte kennen nicht immer unsere vollständige notfallmedizinische Ausstattung, dafür aber ihre Patienten umso besser. Über den psychisch instabilen Zustand eines Notfallpatienten braucht man fachkundige Leser und Betroffene nicht belehren.

Stresssituationen bei anderen Verkehrsteilnehmern, hervorgerufen durch Fahrzeuge die mit Sonderrechten im Einsatz sind, müssten von professionellen Rettern berücksichtigt werden.

An dieser Stelle werde ich meinen Beitrag schließen, obwohl erst 40 Minuten der Rettungsschicht beschrieben sind.

Aber halt, da wäre doch noch was - die vielen Fahrzeuge die man in der Nähe zur Klinik - Liegendeinfahrt, anscheinend unberechtigt abgestellt hat. Da könnte man doch noch mal in burschikoser - chauvinistischer Manier, eindrucksvoll in Erscheinung treten und die Fahrer ermahnen?

Die Frage ob mit einem dieser Fahrzeuge, von einem mit der Situation überlasteten Fahrzeugführer, der das Parkverbot einfach übersehen hat, ein Notfallpatient oder Behinderter gebracht wurde, stellen sich die „Lehrmeister“ erst gar nicht.

„Satire oder bittere Realität?

Die Entscheidung überlasse ich den Lesern.

Textautor: Alfred Brandner

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