Gewalt gegen Einsatzkräfte

Nordrhein-Westfalen | am 28.06.2012 - 16:50 Uhr | Aufrufe: 2860

Man kommt um zu helfen und als Dank für das eigene Engagement wird man bedroht. Diese unangenehme Situation ist für viele medizinische Rettungskräfte, Polizisten und Feuerwehrmänne keine Seltenheit. Die Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt immer mehr zu.

Die neuesten Studien belegen, dass immer mehr Einsatzkräfte von Patienten oder deren Angehörige angegriffen werden. Polizisten kennen diese Probleme schon seit Jahren doch immer häufiger sind auch medizinische Rettungskräfte oder sogar Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen betroffen. Eine aktuelle Studie der Ruhr-Universität Bochum hat zum Beispiel ermittelt, dass 98 % der Rettungsdienstleiter in Nordrhein-Westfalen bereits verbale Gewalt erlebt haben. Doch häufig bleibt es nicht bei verbaler Gewalt und die Patienten attackieren ihre Helfer.

Einsatzkräfte vor Gewalt schützen

Die Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Nürnberger Rettungsdienst haben sich beispielsweise sogar Stichschutzwesten gekauft und zwar auf eigene Kosten. Viele Hilfs- und Rettungsorganisationen haben aber bereits reagiert und bereiten ihre Mitglieder speziell auf solche Ereignisse vor. Es werden unter Anderem spezielle Vorträge angeboten um die Aufmerksamkeit der Helfer auf mögliche Gefahrensituationen zu schulen. Doch es gibt auch praxisnähere Kurse, in denen die Polizisten, Rettungssanitäter oder Feuerwehrmänner Selbstverteidigung oder Kampsportarten erlernen können.

Gewalt gegen Einsatzkräfte findet überall statt

Gewalt im Einsatz erwartet die Einsatzkräfte jedoch nicht nur in sogenannten Problemvierteln. Studien zeigen, dass Gewalt gegen Rettungskräfte in jeder sozialen Schicht zu finden sind. Laut der Studie der Ruhr-Universität Bochum finden 27% der Angriffe in vermeintlich gut bürgerlichen Wohngegenden statt. Häufig sind die Angreifer alkoholisiert oder unter Drogen aber auch das ist keine Standartregel. Polizisten, medizinische Rettungskräfte und Feuerwehrmänner sind häufig das Opfer aufgestauter Aggression. Deshalb ist es umso wichtiger die Einsatzkräfte auf derartige Situationen vorzubereiten aber auch die Betreuung nach einem Überfall darf nicht vernachlässigt werden.

Auch im Einsatz auf Angriffe vorbereitet sein

Da es für die Einsatzkräfte oftmals nur schwer vorherzusehen ist, wann ein Angriff auf sie erfolgt, ist es umso wichtiger, die Retter auf einen unerwarteten Angriff vorzubereiten. Die Malteser in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel haben bereits reagiert und befassen sich ausführlich mit dem Thema der Gewalt gegen Einsatzkräfte. In einer Studie zum Thema „Behinderungen und Angriffe bei Rettungseinsätzen“ konnten die Mitglieder ihre Erfahrungen mit Gewalt im Einsatz weiter geben. Dadurch konnten sich die Malteser ein gutes Bild der aktuellen Situation verschaffen. Doch die Malteser in Nordrhein-Westfalen wollen nicht nur hinsehen sondern auch handeln und arbeiten deshalb mit Krav Maga Defcon zusammen, die Kurse für die Malteser anbieten. Krav Maga ist eine einfache Technik der Selbstverteidigung und in den Kursen soll das Rettungsfachpersonal Methoden erlernen um sich einfach, effektiv und juristisch einwandfrei gegen Gewalt behaupten zu können.

Gewalt gegen Rettungskräfte da muss etwas geschehen

Aktionen wie die der Malteser in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass die Aufmerksamkeit für das Thema „Gewalt gegen Einsatzkräfte“ in den Köpfen der Verantwortlichen bereits angekommen ist. Nicht nur die Malteser, auch viele andere Organisationen und Feuerwehren gehen das Thema der Gewalt im Einsatz aktiv an. Es ist wichtig, nicht weg zu sehen und allen Betroffenen Aufmerksamkeit zu schenken. Leider muss sich jeder Feuerwehrmann, jeder Polizist und jegliches medizinische Rettungspersonal bewusst sein, dass sie in ihrer Arbeit jederzeit angegriffen werden können. Jeder scheinbar harmlose Hilfesuchende kann ohne Vorwarnung zu Gewalt neigen, nur wer auf diese Situation vorbereitet ist, kann sich im Ernstfall selbst schützen.

Bildquelle: Kai Vogelmann

 

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