Hessen: Rettungsdienstgesetz soll geändert werden um Einsatzkräfte besser vor Angriffen zu schützen

Wiesbaden | am 16.11.2012 - 16:11 Uhr | Aufrufe: 1977

Die SPD will das hessische Rettungsdienstgesetz ändern, um die Rettungsdienstmitarbeiter besser gegen Angriffe zu schützen.

Immer mehr Gewalt gegen EinsatzkräfteDer sozialpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Thomas Spies, hat am Freitag einen Entwurf zur Änderung des Rettungsdienstgesetzes vorgestellt. „Wir können nicht hinnehmen, dass Angehörige des Rettungsdienstes immer häufiger Opfer von Angriffen werden. Wer sich für die Rettung anderer einsetzt, muss selbst optimal geschützt sein. Dazu wollen wir eine entsprechende Regelung im Rettungsdienstgesetz", so der SPD-Politiker. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Übergriffe auf Rettungsdienstmitarbeiter rasant angestiegen, auf diese Entwicklung hat man in Hessen nun reagiert. Dr. Thomas Spies ist selbst regelmäßig als Notarzt unterwegs und kann die Zahlen der Studien aus eigener Erfahrung bestätigen. Nach aktuellen Erkenntnissen, sind 59 Prozent der Rettungskräfte innerhalb eines Jahres Opfer eines gewalttätigen Angriffs gewesen.

Hessen ändert Rettungsdienstgesetz um Einsatzkräfte zu schützen

Die Mitarbeiter im Rettungsdienst werden immer häufiger Opfer gewalttätiger Übergriffe. Die Gefahr ist gerade deshalb so hoch, weil Rettungsdienstmitarbeiter meist nur zu zweit und bei ihren Einsätzen in den Wohnungen der Angreifer im Einsatz sind. So kann niemand zu Hilfe eilen, wenn sich die Situation im Einsatz plötzlich zuspitzt. Hessen will die Rettungskräfte in Zukunft besser unterstützen. „Die SPD-Fraktion hat deshalb im Sommer eine Anhörung mit Wissenschaftlern, Rettungsdienstorganisationen und Helferverbänden durchgeführt. Ergebnis war die eindeutige Forderung, den Rettungsdienst selbst besser vorzubereiten", sagte der sozialpolitische Sprecher. Vor wenigen Jahren wurde bereits das Strafrecht verschärft, doch dies hat keine Besserung gebracht. „Wenn eine Situation schwierig wird, nützen Strafandrohungen nichts mehr, sondern Kenntnisse, wie man sich aus der Situation retten kann, bevor etwas passiert ist".

Einsatzkräfte besser auf Angriffe vorbereiten

In Zukunft sollen Rettungskräfte lernen sich selbst besser gegen Angriffe zu schützen, sie sollen lernen kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen dagegen zu ergreifen. „Wir wollen, dass jeder Rettungsdienstmitarbeiter eine Ausbildung in Deeskalationstechniken sowie Selbstschutz bekommt und diese regelmäßig geübt werden. In jedem Erste-Hilfe Kurs lernt man, am Unfallort erst auf Sicherung und Selbstschutz zu achten. Umso wichtiger ist es, dass auch die Profis sich schützen können“, so der SPD-Politiker. Die Rettungsdienste selbst und auch die Fachwissenschaft hatten derartige Maßnahmen schon länger gefordert. Doch die SPD will nicht nur, dass das Rettungsdienstgesetz geändert wird sondern, dass sich kommunale Rettungsdienstträger mit den Risiken für die Rettungskräfte beschäftigen und regionale Gefährdungsanalysen durchführen. Die hessische SPD hofft nun, dass ihr Gesetzesentwurf im Landtag viele Befürworter findet. „Parteipolitische Engstirnigkeit sollten hier keine Rolle spielen", sagte der Abgeordnete. Nächste Woche werde der Gesetzentwurf im Landtag in erster Lesung beraten. Sollten die Beratungen zügig verlaufen, könnten schon für das Frühjahr die ersten Kurse geplant werden.

Quelle: SPD-Fraktion Hessen

Bild: retter.tv Archivbild

 

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