Wenn Retter zu Opfern werden

Schwäbisch Gmünd | am 29.10.2012 - 08:36 Uhr | Aufrufe: 12276

In Zeiten zunehmender Gewalt bleibt es nicht aus, dass auch Rettungsdienstpersonal tätlichen Angriffen ausgesetzt ist. Arbeitgeber ermöglichen Selbstschutz-Seminare.

Wenn Retter zu Opfern werdenEine Person liegt mit einer er deutlich erkennbaren Kopfplatzwunde scheinbar bewusstlos auf einer Parkbank. Als sich Rettungsdienstpersonal nähert springt der Volltrunkene auf und schlägt wie besessen auf das Rettungsfachpersonal ein. Die Rettungswagenbesatzung wird schwer getroffen und nun selbst Patient in der Notaufnahme.


Das geschilderte Szenario beschreibt keine seltene Ausnahmeerscheinung, sondern bittere Realität. Zunehmende Gewalt in unserer Gesellschaft ist Fakt und lässt sich nicht bestreiten. Belästigungen, Beleidigungen bis hin zu Bedrohungen und tätlichen Angriffen sind zwischenzeitlich auch Rettungsdienstalltag.

Dieser Sachverhalt wird nun in gesicherten Erkenntnissen auf wissenschaftlicher Basis bestätigt. (Ruhr – Universität Bochum 2012)
Die Tatorte sind fast überall- im Rettungswagen, an Brandorten, in der Wohnung des Patienten, in der Arztpraxis, in der Klinik, auf der Straße und in Kneipen. Dieses Geschehen muss wahr- und auch sehr ernst genommen werden. Die Beschäftigten in den Rettungsdiensten müssen Gewalt nicht einfach hinnehmen und erleiden.
Arbeitgeber könnten im Rahmen der gegebenen Fürsorgepflicht motiviert sein, die Mitarbeiter in Selbstschutzmaßnahmen unterrichten zu lassen.
Ziel der Unterweisung könnte sein, dem Rettungsdienstpersonal, angemessene Verhaltensweisen im Umgang mit „auffälligen“ Patienten oder Umfeld zu vermitteln, durch einfache, aber effektive Techniken Schutz, aber auch die Möglichkeit zur Flucht.
Selbstschutzseminare bieten eine gute Grundlage, und werden schon seit einiger Zeit durchgeführt. So z.B. bei den Rettungsdiensten in Göppingen, wo die Erfordernis spezieller Mitarbeiterschulungen schon in 2005 erkannt wurde. Rettungskräfte hatten im Rahmen der Pflichtfortbildungen die Möglichkeit, wiederholt an Seminaren (Notwehr im Einsatz) teilzunehmen zu können.
Die Veranstaltungen wurden dort gerne angenommen, und letztendlich als Bereicherung gesehen, die bei der Bewältigung von „Ausnahmelagen“ im Einsatz eine gute Hilfestellung bietet.

Von Alfred Brandner Rettungsassistent/Fachkraft Gewaltpräventation

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