Tolle Idee? So bewegt Heiko Feist Autofahrer zu Rettungsgassen

Heiko Feist wollte mehr Menschen dazu bewegen, nach Unfällen auf der Autobahn eine Rettungsgasse freizumachen. Was er damit ausgelöst hat, überrascht den Motorradfahrer selbst.

Die besten Ideen entstehen an den ungewöhnlichsten Orten. Bei Heiko Feist war es morgens im Bad. Da machte sich der Mitarbeiter beim Bayerischen Roten Kreuz nämlich Gedanken darüber, dass er demnächst wieder als Teil der Motorradstreife des BRK zu Unfallstellen auf den Autobahnen A7, A8 und A96 unterwegs sein wird – und selbst mit seinem wendigen Zweirad oft nicht gut durch den Stau zur Einsatzstelle kommt.

„Wie kann man Autofahrer dazu bewegen, eine Rettungsgasse für die Retter frei zu halten?“, dachte sich Feist an diesem Morgen unter der Dusche. Und so entstand früh morgens das Projekt Rettungsgasse, dem sich auf Facebook schon fast 10000 Menschen angeschlossen haben.

Aufkleber auf der Heckscheibe

Feists Idee war ganz einfach: Ein Aufkleber auf der Heckscheibe, schlicht und einfach, aber gut sichtbar: „Bei Stau Rettungsgasse frei halten“, dazu rechts und links ein Pfeil. Der Mitarbeiter des BRK in Neu-Ulm hatte das Projekt eigentlich mehr für den Eigenbedarf konzipiert. „Den Aufkleber habe ich eigentlich nur für mein Auto, das meiner Partnerin und zwei, drei Bekannte gemacht“, sagt Feist. Doch die Idee schlug Wellen.

Ralf Zwiebler, der als Einsatzfotograf arbeitet, entdeckte den Aufkleber beim Beschrifter – und war sofort Feuer und Flamme für die Aktion. Feist und Zwiebler posteten Fotos des Aufklebers auf ihren Facebookseiten – und erhielten begeisterte Kommentare von anderen Nutzern. Und immer wieder die Frage, wo es den Aufkleber gibt. Am vergangenen Mittwoch ging dann die eigene Facebookseite „Projekt Rettungsgasse“ online – und bis Montagnachmittag waren es schon mehr als 9500 Menschen, die dort auf „Gefällt mir“ klickten.

Beim A8-Unfall konnten selbst die Aufkleber nichts ausrichten

Acht Euro kostete der Aufkleber bisher. „Das ist natürlich auch der ursprünglich geringen Stückzahl geschuldet, die für den Aufkleber geplant war“, sagt Heiko Feist. Bis gestern wollten schon mehr als 200 Menschen aus ganz Deutschland den Aufkleber haben, "Das Projekt ist ein Selbstläufer, das hat uns angenehm überrascht." Jetzt arbeitet Feist mit seinen Unterstützern an einem Flyer dazu und verhandelt auch über höhere Stückzahlen und niedrigere Preise für die einzelnen Aufkleber.

Bei dem Unfall auf der A8 am vergangenen Freitag, als es zwischen den Anschlussstellen Burgau und Zusmarshausen gekracht hatte und der Verkehr sich auf 20 Kilometern Länge zurückstaute, hätten die Aufkleber allerdings wenig ausrichten können, gibt Feist zu. „In dem Baustellenbereich ist es einfach so eng, dass es praktisch nicht möglich ist, eine Gasse zu bilden, geschweige denn durchzufahren.“

Der erfahrene Rot-Kreuz-Mitarbeiter sieht hier nur eine Chance: Anfahren und helfen von der Gegenfahrbahn aus. Am Freitagmittag brachte ein Rettungshubschrauber die ersten Helfer an die Unfallstelle, wo zwei mittelschwer Verletzte behandelt werden mussten. „Wären die Verletzungen schwerer gewesen, hätte die Verzögerung bei der Anfahrt auch Leben kosten können“, betont Heiko Feist. Oft gehe es um Minuten.

Lebenswichtige Minuten

Was ihn wundert: „Wieso ist man eigentlich in der Politik oder bei den Automobilclubs noch nicht auf die Idee gekommen, so eine Aktion zu starten?“ Bis die Retter durch einen Stau zu einer Unfallstelle kommen, verstreichen schließlich oft lebenswichtige Minuten. Diese wertvolle Zeit will Feist sparen helfen – durch eine einfache Idee während ein paar Minuten unter der Dusche.

 

Textquelle und Teaserbild: Augsburger Allgemeine

 

Anmerkung retter.tv:
Rettungsgassen retten Leben!

Besonders bei Stau ist es wichtig, sofort eine Rettungsgasse zu bilden. Immer wieder kommt es jedoch zu Vorfällen, bei denen Rettungswagen daran gehindert werden, problemlos zum Einsatzort zu gelangen.

Eine Rettungsgasse muss von allen Beteiligten sofort gebildet werden, damit Krankenwagen und Bergefahrzeuge stets ungehinderten Zugang zur Unfallstelle haben. Wenn die Rettungsgasse fehlt, kann das im Ernstfall lebensbedrohliche Konsequenzen haben.

Wertvolle Minuten gehen verloren

Und die Millimeterarbeit, die den Einsatzkräften im Notfall zugemutet wird, führt dazu, dass wichtige Minuten verloren gehen. Deshalb ist es von enormer Bedeutung, aufmerksam zu sein und immer direkt eine Rettungsgasse zu bilden. Sonst helfen auch im Notfall Blaulicht und Martinshorn nicht viel! retter.tv zeigt euch deshalb zwei ausgewählte Videos zum Thema Rettungsgasse.

Video 1: Youtube/NonstopNewsChannel

 

 

Video 2: Youtube/rtntvnews

 

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