Gewalt gegen Rettungskräfte: Griff zum Pfefferspray die einzige Lösung?

Ein Sanitäter kommt zur Einsatzstelle, um zu helfen. Doch dort wird der Retter selbst angegriffen. Anstatt einen Patienten ins Krankenhaus zu bringen, muss der Helfer nun selbst dort hin. Ein solcher Vorfall ist kein Einzelfall. 

Immer mehr Gewalt gegen EinsatzkräfteOft herrscht beim Eintreffen der Rettungskräfte am Einsatzort eine gewisse Spannung. Rettungskräfte werden daran gehindert ihre Arbeit zu tun, oder werden gar angegriffen – ob verbal oder körperlich. Ein Retter des ASB verlor bei einem Angriff auf ihn sogar mehrere Zähne, erzählt ein langjähriges Mitglied der Hilfsorganisation. Obwohl man einfach nur helfen wolle, erhielte man Prügel und Beleidigungen. Leider gehöre so etwas zum Einsatzalltag. Vor allem Beschimpfungen würden immer mehr zunehmen. 

Doch nicht nur das macht den Rettern zu schaffen. Probleme ergeben sich oft auf dem Weg zum Einsatzort. Denn trotz Blaulicht sehen es viele Autofahrer nicht ein, den Weg für die Rettungskräfte frei zu räumen. Auch wüssten die Angehörigen von Verletzten oft vieles besser – doch das halte die Retter nur vom Arbeiten ab.

Gewalt gegen Rettungskräfte spielt schon in der Ausbildung eine Rolle

Um die Rettungskräfte auf diese Situationen vorzubereiten spielt das Thema schon in der Ausbildung eine wichtige Rolle. Auch in Schulungen sollen die Retter immer wieder auf diese Situationen vorbereitet werden. Diese Erfahrungen seien extrem wichtig, so Achim Casper vom ASB. Unter anderem würden den Rettungskräften zum Beispiel Selbstverteidigung beigebracht. Außerdem werde den Rettern viel zum Thema Deeskalation beigebracht. Denn dies sei ein tägliches Thema im Rettungsdienst.

Ausstattung mit Pfefferspray und Schutzweste eine Lösung?

Wie oft Mitarbeiter der Rettungsdienste insgesamt angegriffen werden, ist noch nicht genau erfasst. Laut einer Studie soll in Nordrhein-Westfalen mehr als ein Viertel der Rettungskräfte innerhalb des vergangenen Jahres körperliche Gewalt erlitten haben. Oft seien die Täter zwischen 20 und 40 Jahren alt und stünden unter Alkoholeinfluss.

In der Bevölkerung solle deshalb das Bewusstsein für dieses Thema geweckt werden, so Casper. Anstatt den Rettern in solchen Situationen zu helfen, würden die meisten nur stehenbleiben und gaffen. Die Retter mit Schutzweste und Pfefferspray auszustatten sei keine Lösung. Wenn der Griff zum Pfefferspray die einzige Lösung sei, wisse er nicht, ob er den Beruf noch gerne weitermache, so Samariter Casper.

Weitere Informationen zum Thema „Gewalt gegen Rettungskräfte“ finden Sie hier.
Bild: retter.tv Archivbild

 

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