DRK: 12. Fachtagung Ehrenamt, gemeinsam wurde etwas bewegt

Bad Kissingen | am 04.11.2012 - 11:15 Uhr | Aufrufe: 2766

Vom 2. November bis zum 4. November fand in Bad Kissingen die 12. Fachtagung Ehrenamt des Deutschen Roten Kreuzes statt. Über 200 Teilnehmer aus Haupt- und Ehrenamt des Deutschen Roten Kreuzes waren nach Bad Kissingen gekommen, um über die Zukunft des Ehrenamtes und über neue Ideen und Konzepte in der Freiwilligenarbeit zu sprechen.

12. Fachtagung Ehrenamt, gemeinsam wurde etwas bewegt

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Am Freitagabend eröffnete der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Dr. Rudolf Seiters, die 12. Fachtagung Ehrenamt mit einer feierlichen Rede. Er betonte die Bedeutung des Ehrenamtes und dankte allen Teilnehmenden herzlich für deren Engagement. Doch Dr. Seiters beließ es nicht bei einer bloßen Danksagung, sondern machte deutlich, dass das Deutsche Rote Kreuz und das Ehrenamt im Allgemeinen auch in Zukunft mit neuen Ideen und Konzepten überzeugen müssen, um das "System" Ehrenamt erfolgreich zu gestalten. Das Deutsche Rote Kreuz will mit der 12. Fachtagung Ehrenamt weiter an einer erfolgreichen Zukunft arbeiten und so standen an diesem Wochenende zahlreiche innovative und auch konfliktreiche Themen auf der Tagesordnung.

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Interkulturelle Öffnung beim Deutschen Roten Kreuz

Ein weiterer Redner, der sich nach Dr. Seiters an die Anwesenden der 12. Fachtagung Ehrenamt wandte, war Orhan Bekyigit, er ist Feuerwehrmann und Integrationsbeauftragter beim Deutschen Feuerwehrverband. Orhan Bekyigit war nach Bad Kissingen gekommen, um über das Thema interkulturelle Öffnung zu sprechen. Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist eines der vorrangigen Ziele, dass sich das Deutsche Rote Kreuz für die kommenden Jahre gesetzt hat. Die 12. Fachtagung Ehrenamt stand unter dem Motto "Gemeinsam etwas bewegen" und dabei sollen in Zukunft auch Menschen aus anderen Kulturen, die in Deutschland leben, mit eingebunden werden. Der Deutsche Feuerwehrverband hat im Jahr 2011 ein Integrationsprojekt gestartet, um die Feuerwehr für Menschen mit Migrationshintergrund attraktiver zu gestalten, aber auch um Kommunikationsprobleme zwischen den Kulturen aktiv anzugehen. Orhan Bekyigit hat in seinem Vortrag deutlich gemacht, dass Organisationen im Bereich der Integrationsarbeit noch einen weiten Weg vor sich haben. So beläuft sich der Migrantenanteil bei der Feuerwehr auf gerade ein Prozent, 99% der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland kennen das Konzept einer freiwilligen Feuerwehr nicht. Diese Zahlen treffen in ähnlicher Weise auch auf das Deutsche Rote Kreuz zu, dieses Problem wurde erkannt und deshalb lag einer der Schwerpunkte der 12. Fachtagung Ehrenamt auch bei dem Thema der Interkulturellen Öffnung.

 

 

Workshops bei der 12. Fachtagung Ehrenamt in Bad Kissingen

Am Samstagmorgen konnten die Teilnehmer aus einem breiten Workshop-Angebot wählen. Die Workshops bei der 12. Fachtagung Ehrenamt konzentrierten sich auf genau die Bereiche, die in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit benötigen. Auch zum Thema interkulturelle Öffnung wurde, nach dem Einführungsvortrag von Orhan Bekyigit, ein Workshop angeboten. Der Workshop sollte den Teilnehmern helfen, einerseits Vorurteile abzubauen, aber andererseits auch praktische Ideen und Handwerkszeug zur interkulturellen Zusammenarbeit liefern. Neben der Integration, lag ein weiterer Schwerpunkt auf der erfolgreichen Mitgliedergewinnung. Um das Ehrenamt auch in Zukunft für die Menschen attraktiv zu gestalten, muss das Deutsche Rote Kreuz neue Wege des Engagements finden und auch neue Wege erkunden, um an potentielle Aktive heranzutreten. Dazu wurden auf der 12. Fachtagung Ehrenamt mehrere Konzepte vorgestellt und erarbeitet, mit dabei war zum Beispiel das Konzept der Servicestellen vor Ort. Schon seit 1997 gibt es die Idee vor Ort Servicestellen zu errichten, um die Kommunikation mit dem Deutschen Roten Kreuz und auch die Vernetzung vor Ort zu fördern. Im Rahmen eines Workshops wurden die Teilnehmer noch einmal auf das Potential der Servicestellen aufmerksam gemacht und motiviert, dieses Konzept auch bei sich im eigenen Ortsverband umzusetzen.

Die Aufgaben der Zukunft beim Deutschen Roten Kreuz

Die Workshops haben sich neben der Steigerung der Aktivenzahlen, auch auf die kommenden Probleme im Ehrenamt und dem Deutschen Roten Kreuz bezogen. Die Aufgaben im Ehrenamt, wie zum Beispiel auch im Katastrophenschutz, haben sich in der Vergangenheit immer weiter gewandelt. Naturkatastrophen wie das Erdbeben mit anschließender Flutwelle in Japan, oder auch Wirbelsturm "Sandy" der erst vor wenigen Tagen durch New York tobte, stellen den Katastrophenschutz vor ungeahnte Aufgaben. Die kommenden Herausforderungen und Schwerpunkte der Freiwilligenarbeit fanden zum Beispiel in dem Workshop "Perspektive 2020: Das Ehrenamt im DRK-Krisenmanagement der Zukunft", zahlreiche interessierte Teilnehmer. In Zukunft müssen sich die Organisationen den Bedürfnissen der Menschen noch besser anpassen und die Interessen der potentiellen Freiwilligen für die Arbeit im Deutschen Roten Kreuz nutzen. Umfragen haben ergeben, dass sich viele Menschen gerne ehrenamtlich engagieren wollen, doch die Bereitschaft sich dafür dauerhaft zu verpflichten, ist in der Vergangenheit geringer geworden. Daher hat sich ein Workshop auf der 12. Fachtagung Ehrenamt auch damit befasst, wie es den Menschen ermöglicht werden kann, sich auch kurzfristig und zeitlich begrenzt ehrenamtlich zu engagieren.

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Infoshops bei der 12. Fachtagung Ehrenamt

Am Samstagnachmittag und auch am Sonntagvormittag hatten die Teilnehmer, der 12. Fachtagung Ehrenamt, die Möglichkeit Infoshops zu besuchen. Die Themenauswahl der Infoshops war ebenso vielfältig, wie die Themenbereiche der Workshops. Egal, ob das persönliche Interesse bei dem Thema humanitäres Völkerrecht, der Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen oder bei den zukünftigen Herausforderungen des Ehrenamts lag, jeder Teilnehmer konnte für sich das passende Angebot finden. Während die Workshops ihren Schwerpunkt in der gemeinsamen Erarbeitung des Themenbereiches hatten, lag bei den Infoshops der Schwerpunkt auf der Informationsvermittlung. Das Angebot der Infoshops wurde von den Teilnehmern ebenso begeistert angenommen wie die zahlreichen Workshops. Am Sonntagmittag begann dann schließlich die Abschlussveranstaltung der 12. Fachtagung Ehrenamt in Bad Kissingen.

 

 

Sexueller Missbrauch von Kindern als Thema bei der 12. Fachtagung Ehrenamt

Die Abschlussveranstaltung in Bad Kissingen begann mit einem mitreißenden und sehr spaßigen Vortrag von Prof. Dr. Friedrich Pfullinger der Universität Konstanz. Der Professor referierte spitzfindig über die Probleme des Ehrenamtes und der Organisationen, innerhalb weniger Minuten war der gesamte Saal von lauten Lachern erfüllt. Als der vermeintliche Professor zum Ende seines 30-Minütigen Vortrages verkündete, dass er kein richtiger Professor sei, sondern ein Schauspieler, der für diesen Auftritt engagiert worden war, war die Stimmung im Saal mehr als gelöst. Umso schwerer hatte es anschließend die Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuz, Donata Freifrau von Schenck zu Schweinsberg, denn sie hatte zwei sehr ernste Themen für Ihre Rede mitgebracht. Zu Beginn ihres Beitrags berichtet die Vizepräsidentin von ihren Erlebnissen, der letzten Tage. Wie sie gemeinsam mit Flüchtlingen in Deutschland für bessere Bedingungen für Asylbewerber gekämpft hat und die verheerenden Zustände in so manchen Flüchtlingsunterkünften kennen gelernt hat. Das eigentliche Thema ihres Vortrages war jedoch ebenso ernst, wie die Thematik der Lebensbedingungen der Asylbewerber in Deutschland. Die Vizepräsidentin rief zum Kampf gegen sexuellen Missbrauch, insbesondere von Kindern, Jugendlichen und behinderten Menschen, auf. Das Deutsche Rote Kreuz hat verbindliche Leitlinien und Strategien festgelegt, um gegen sexuellen Missbrauch, auch in den eigenen Reihen, vorzugehen. Mit bewegenden Worten berichtete Frau von Schenck über die Schicksale von Menschen, die in ihrer Kindheit sexuelle Gewalt erfahren haben. Sie appellierte an die Anwesenden ein offenes Auge für diese Thematik zu haben, warnte aber auch davor als Detektiv in den eigenen Reihen unterwegs zu sein. Die Vizepräsidentin betonte, im Deutschen Roten Kreuz sei kein Platz für Täter und man werde die Augen nicht vor diesem Thema verschließen. Nach den bewegenden Worten der Vizepräsidentin endete die 12. Fachtagung Ehrenamt mit einer Diskussionsrunde, in der die Teilnehmer die Themen der vergangenen Tage und die Pläne für die Zukunft besprachen. Nach drei sehr erfolgreichen Tagen in Bad Kissingen haben die Teilnehmer unzählige neue Ideen und Denkanstöße erhalten, die sie im kommenden Jahr, bis zur 13. Fachtagung Ehrenamt, umsetzen können.

Weitere 10 Beiträge von der 12. Fachtagung Ehrenamt finden Sie in unserer Video-Galerie.

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