Augsburg: Kuriose Befreiungsaktion im Parkhaus

Augsburg | am 21.08.2014 - 10:22 Uhr | Aufrufe: 3173

Wie nützlich es ist, die tatsächliche Höhe seines Gefährts zu kennen, hat gestern Abend ein 26-jähriger Arbeiter aus Augsburg erfahren, der mit seinem Firmen-Sprinter mit Hochdach in ein Parkhaus im Augsburger Stadtteil Lechhausen gefahren ist.

Der junge Mann, der seinen ersten Arbeitstag bei der Firma hatte, sollte am Hintereingang Werkzeug wegen Renovierungsarbeiten anliefern, was zunächst noch fehlerfrei funktionierte. Statt dann allerdings wieder rückwärts aus dem Ladebereich auszufahren, setzte der Lieferant seine Fahrt durch das untere Parkdeck des Einkaufsmarktes fort. Hierbei ignorierte er dann offensichtlich ein Hinweisschild mit der maximalen Einfahrtshöhe von 2,2 Metern ebenso wie eine zusätzlich deshalb in diesem Bereich angebrachte eiserne Höhenanzeigestange, die von der Decke hing. Trotz dieser angebrachten Hindernisse schaffte es der Sprinterfahrer mit einer tatsächlichen Autohöhe von 2,4 Meter fast bis zur Hälfte des Ausfahrtsbereiches.

Allerdings bremste ihn dann eine Bodenwelle, über der genau darüber an der Decke ein Abwasserrohr verläuft und somit tatsächlich nur noch 2,2 Meter Höhe zur Verfügung standen, endgültig aus. Erschwerend kam hinzu, dass er diese Passage mit reichlich Schwung nahm, was zur Folge hatte, dass an mehreren Neonröhren schlagartig das Licht ausging und die dort an der Decke verlegten Stahlgussabwasserrohre nicht mehr ihre ursprüngliche Form hatten, da sie entsprechend verbogen waren.

Die Berufsfeuerwehr musste mit anpacken


Der Kleintransporter blieb letztlich unter einem Abflussrohr stecken und war hoffnungslos zwischen Decke und Boden eingekeilt. Die zunächst verständigte Polizeistreife der PI Augsburg 3 konnte alleine auch nichts ausrichten, weshalb die Berufsfeuerwehr zu Hilfe gerufen wurde. Diese ließ zunächst, soweit wie möglich, die Luft aus allen Reifen, was aber auch nicht zum gewünschten Erfolg führte. Also entschied man sich für die Befreiungsaktion „Straßenbahnvariante im Berufsverkehr“:

Der komplette Zug der Feuerwehr, unterstützt durch zwei Polizeibeamte, den Unglücksfahrer und seiner Beifahrerin sowie anwesendes Kauflandpersonal, wurde zur Gewichtsbelastung regelrecht in den Sprinter „gepfercht“, bis dieser soweit nach unten gedrückt wurde, dass ein Feuerwehrmann das festsitzende Auto professionell aus dem Parkdeck rangieren konnte. Insgesamt waren rund 15 Helfer an dieser Rettungsaktion beteiligt, bei der sich die Beteiligten auf engstem Raum sehr nahe kamen…

 
Fazit der Polizei:


- es macht durchaus Sinn, einmal einen Blick in den Fahrzeugschein zu werfen ,um Angaben hinsichtlich der Fahrzeughöhe, Breite und Länge des gesteuerten Autos zu erfahren,

- die ausgewiesene Höhenangabe sollte man dann aber auch tunlichst beachten und abgehängte Stangen oder Warnbaken nicht als Dekorationsgegenstände ansehen und diese lässig umfahren,

- über Bodenwellen sollte man in Unkenntnis der Fahrzeugabmessungen eher langsam fahren, da hier der Abstand nach oben deutlich verkürzt und bei entsprechendem Schwung unwillkürlich der Cabrioeffekt - insbesondere bei höheren Fahrzeugen- einsetzt,

- nicht immer verläuft der erste Arbeitstag erfolgreich, die gestrige Parkhaustour dürfte sich nämlich mit etwa 5.000 Euro niederschlagen, wobei der total verzweifelte Fahrer aufgrund der Gesamtumstände von der Polizei lediglich verwarnt wurde.

 

Quelle: Polizeipräsidium Schwaben Nord

Bild: retter.tv Symbolbild

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