Erfahrungsbericht eines Retters: Sportler als auch Rettungsassistent zeitnah beim Notfallpatient

Baden Württemberg | am 04.01.2016 - 08:02 Uhr | Aufrufe: 2688

Irgendwo  in einem Ort in Baden Württemberg. Ich befinde mich als Teilnehmer an einem Kampfsportseminar  in einer Mehrzweckhalle, um meinen Wissensstand zu erweitern. Doch nicht nur im Sport verfüge ich über diverse Kenntnisse - auch die Notfallmedizin  hat  mich geprägt. Dreißig Jahre als Rettungsassistent im Einsatzdienst, auf nahezu allen Rettungsmitteln bieten eine gute Grundlage. Hunderte Stunden kontinuierlicher Weiterbildung gewähren einen aktuellen Wissensstand.

Die Stimmung ist ganz gut. Viele nette Menschen sind anwesend - die einen kennt man schon, und die anderen lernt man kennen. Mehrere Referenten leiten diverse Seminare auf verschiedenen Wettkampfflächen. Geschätzte 100 Teilnehmer sind anwesend - überdies das Betreuungs- und Führungspersonal aus den verschiedenen Vereinen, sowie zwei Ersthelfer, ggf. Sanitäter, in entsprechender Dienstkleidung.

Plötzlicher Schmerzschrei

Während ich den Ausführungen des Referenten folge leiste, höre ich mehrfach einen sehr lauten  Schmerzschrei. Eine Menschenansammlung aus Sportlern und Personen in Zivil,  weist den Weg zum  Geschehen. In der Annahme, dass eventuell Hilfestellung erforderlich sein könnte, melde ich mich aus meiner Gruppe ab, um mich zur angenommenen Notfallstelle zu begeben.

Ich sehe schon aus einer gewissen Distanz, wie die Sanitäter/Ersthelfer „bemüht“ sind, einen Sportler auf dem Hallenboden zu lagern - die widerholten lauten Schmerzschreie des Verletzten, begleiten das Geschehen.

Rettungsassistent darf kaum "mitwirken"

Eine Ersteinschätzung ist somit erfolgt, und weitere Schritte sollen folgen. Mit großer Mühe gelingt es mir an den Patienten zu kommen. Obwohl ich mich als „Rettungsassistent“ vorgestellt hatte, war es mühsam „mitwirken“ zu können. Komplexe Handlungsabläufe wurden durch eine vorherrschende  Eigendynamik unter zahlreichen hilfswilligen Personen erschwert.  

Neben den Sanitätern, waren Sportkollegen, bzw. Hilfswillige am Patienten. Alle sind bemüht mit Ratschlägen und Anweisungen Hilfe zu leisten.  Die Verabreichung von Erfrischungsgetränken konnte ich gerade noch verhindern.

 

Eine erste regelrechte Untersuchung ergibt: Der Sportler ist ansprechbar, zeitlich und örtlich orientiert, und in einem stabilen Allgemeinzustand. Bis auf diverse Prellungen, und dem Verdacht auf eine Fraktur (Schwellung/Fehlstellung) an einer der unteren Extremitäten, sind keine Verletzungen festzustellen. Der Verletzte gibt zu erkennen, dass er während dem Kampf von seinem Gegner heftig getroffen wurde. Nach entsprechender Lagerung, und der Anweisung zur kontrollierten Atmung, wegen zunächst schmerzbedingter Hyperventilation, konnte der Patient die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes in einem relativ entspannten Zustand verbringen.

Fehlende Hilfsbereitschaft vs. zu viel Eigendynamik bei Ersthelfern

Nun - beschrieben wurde eine Situation, wie sie oftmals anzutreffen ist. Etwas nervig, aber man hat gelernt damit umzugehen.

Letztendlich, und im Vergleich zu häufig fehlenden Hilfsbereitschaft bei Notfällen in der Öffentlichkeit, waren die Bemühungen der Ersthelfer und Sportler jedoch zufriedenstellend.

Text: Alfred Brandner

Hinterlegte Stichworte (Tags)
Bilder und Videos zu diesem Beitrag
Das könnte Sie auch interessieren
Am frühen Mittwochabend des 07.04.2010 kam es auf der Landesstraße 130 zwischen den Ortschaften Nottensdorf und Grundoldendorf zu einem schweren LKW-Unfall, bei dem der 32-jährige ... mehr
am 07.04.2010 18:50
von Julia Schuhwerk     
Der Johanniter Dieter Fischer hat 17 000 Teilnehmer in Erster Hilfe ausgebildet: mehr
am 27.01.2009 00:00
von Raphael Doderer     
Um diese Funktion zu nutzen,
müssen Sie ein registriertes Mitglied von retter.tv sein.

Sie wollen aktiv an retter.tv teilnehmen, dann melden
Sie sich jetzt kostenlos an.

weiter zur Anmeldung