Es beginnt wieder die Heizpilz-Saison…

Mannheim | am 11.03.2012 - 12:41 Uhr | Aufrufe: 6312

An kühlen Frühlingsabenden die Cola, ein Glas Wein oder ein Bier im Freien auf der Terrasse vor dem Restaurant genießen. Kein Problem: flüssiggasbetriebene „Heizpilze“ machen Kneipengästen fast ganzjährig behagliche Temperaturen und sorgen so für ein warmes Plätzchen im Freien.

Es beginnt wieder die Heizpilz-Saison…Hinzu kommen die gesetzlich verordneten Rauchverbote in Gaststätten. Auch hier sollen diese Terrassenheizstrahler verhindern helfen, dass Raucher fernbleiben. Diese Heizpilze werden vorwiegend mit Flüssiggas betrieben. Die Vorteile für Gastronomen, es können beispielsweise hohe Energiemengen leicht transportiert werden und durch die Verwendung von Flüssiggas in handelsüblichen 11kg Flaschen sind sie nicht standortgebunden.


Heizpilze für den Außenbereich liegen also bei der Gastronomie ganz im Trend und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. So wundert es nicht, dass im Frühling nicht nur an allen Ecken und Enden die Knospen sprießen, sondern vor den Gaststätten auch die Heizpilze.


Doch dieser vermehrte Einsatz der Terrassenheizstrahler hat aber auch Auswirkungen auf die Umwelt. Diese gasbetriebenen Heizpilze haben nur einen relativ geringen Wirkungsgrad, erzeugen aber verhältnismäßig viel klimaschädliches CO2. Und genau das beanstanden Umweltschützer. Geht es nach ihnen, sollten gasbetriebene Heizpilze generell aus dem Stadtbild verschwinden.


Durch einen derartigen Heizpils wird eine Fläche mit einem Durchmesser von 10 m – 12 m erwärmt. Die Leistung ist je nach Gerätetyp zwischen 2 und 10 kW regulierbar. Die Brenndauer beträgt bei Großstellung mit einer 11 kg – Gasflasche rund 14 Stunden. Der Heizstrahler hat eine Höhe von ca. 2,30 m, der Reflektordurchmesser beträgt ca. 0,90 m und das Gewicht ohne Gasflasche beträt ca. 30 kg.


Nach einem Brand in der Düsseldorfer Altstadt 2009 kam es zu einer Diskussion um die Sicherheit dieser Heizpilze auf den Terrassen. Damals mehrten sich die Stimmen im Rathaus, die aus Sicherheitsgründen den Heizpilzen den Gashahn zudrehen wollten. Die Feuerwehr warnte. Wie sieht es nun mit der Brandsicherheit aus? Sind diese Heizpilze wirklich so gefährlichen wie das Rauchen im Bett, was von manchen Brandschützern behauptet wird?
Brandursache in Düsseldorf war die vorsätzliche Brandstiftung eines jungen Mannes, der Terrassenmöbel eines spanischen Restaurants in Brand gesetzt hatte. Im Brandverlauf wurde die Flüssiggasflasche eines dort abgestellten Heizpilzes so intensiv thermisch belastet, dass das Gas über das Sicherheitsventil ausströmte und sich entzündete. Die dabei entstandenen meterhohen Stichflammen griffen auf ein Wohn- und Geschäftshaus über. Es gab zwei Verletzte und eine halbe Million Euro Schaden.


An dieser Stelle muss deutlich hervorgehoben werden, der Klimaschutz ist das eine; der Brandschutz ist das andere. Der Brandschutz darf nicht (mag der Zweck noch so umweltfreundlich sein) instrumentalisiert werden. Hier heiligt der ökologische Zweck nicht die Mittel. Denn sonst verliert der Brandschutz seine Glaubwürdigkeit!


Im Gegensatz zu gasbetriebenen, ortsveränderlichen Heizgeräten bzw. -strahlern, wie sie im Handwerk, in der Landwirtschaft, in Werkstätten, auf Märkten und Lagerhallen im Einsatz sind, gibt es sehr wenige bekannte Brandfälle im Zusammenhang mit dem Betrieb der sogenannten „Heizpilze“. Immer wieder hört man seitens der Feuerwehr wie brandgefährlich Terrassenheizstrahler sind. Heizpilze gefährlich wie Rauchen im Bett? Nein.


Eines muss jedoch deutlich gesagt werden, es handelt sich um mit Flüssiggas (Propan, Butan) betriebene Heizgeräte und damit ist Vorsicht geboten. Aus diesem Grund ist aus der Sicht des Brandschutzes ein sachgemäßer Umgang unerlässlich. Für die Nutzung von Terrassenheizstrahlern gelten daher einschlägige Vorschriften und Regelungen wie z.B. die Betriebssicherheitsverordnung, die berufsgenossenschaftliche Unfallverhütungsvorschrift „BGV D 34 - Verwendung von Flüssiggas“ sowie die DIN EN 14543 „Terrassenheizstrahler“.


Der Brandschutz beginnt schon bei der Auswahl und dem Kauf der Geräte. Mittlerweile gibt es in Bau- oder Gartenmarkt eine breite Auswahl an Flüssiggas betriebenen Heizpilzen. Immer wieder finden sich deshalb auch bei Kontrollen in der Gastronomie Terrassenheizstrahler, die eigentlich seitens des Herstellers nur für den privaten Einsatz vorgesehen waren. Für den Einsatz in gewerblichen Bereichen werden jedoch weitergehende Anforderungen gestellt und entsprechende Sicherheitseinrichtungen gefordert. Es werden u.a. aus Kostengründen immer wieder auch Heizpilze aus anderen EU-Ländern aufgestellt. Dazu sollte man wissen, dass in einigen dieser Länder Terrassenheizstrahler häufig für andere Gasdrücke als der bei deutschen Heizpilzen übliche Arbeitsdruck von 50 mbar ausgelegt sind. Der jeweils für den betriebenen Heizpilz vorgeschriebene Gasdruck kann auf dessen Typenschild ersehen werden.
Beim Kauf von Terrassenheizstrahler sollte u.a. darauf geachtet werden, dass die Geräte


+ eine CE-Kennzeichnung besitzen,
+ eine Bedienungsanleitung dem Gerät beiliegt,
+ für einen Eingangsdruck vom 50 mbar ausgelegt, und
+ mit einer Zündsicherung ausgerüstet sind.


Bei der Wahl des Aufstellungsplatzes muss auf eine ausreichende Standsicherheit geachtet werden. Zur Standsicherheit gehören auch eine feste Standfläche sowie eine senkrechte Aufstellung. Die Flüssiggasflasche darf nicht direkt auf dem Fußboden stehen. Diese Standsicherheit muss gleichfalls bei böigen oder stürmischen Wetter sowie bei sich durch den Verbrauch änderndem Gewicht der Flüssiggasflasche gewährleistet bleiben. Unabhängig vom sicheren Aufstellen müssen zusätzlich alle Heizpilz mit einer Sicherheitseinrichtung ausgerüstet sein bzw. benutzt werden, welche die Gaszufuhr zum Brenner unterbricht, wenn der Heizpilz trotz des sicheren Standplatzes umgekippt sollte. Diese Sicherheitseinrichtung schließt bei gefährlicher Neigung die Gaszufuhr selbsttätig. Nach dem Wiederaufstellen des Heizpilzes in eine senkrechte Position wird die Gaszufuhr automatisch wieder geöffnet. Entsprechende
Sicherheitseinrichtungen sind z.B. ein Kippschutzventil im Bereich des Flaschenkastens oder der eingebaute Neigungsschalter mit Magnetventil. Natürlich sind entsprechende Mindestabstände zu brennbaren Materialien zu beachtenden. Heizpilze sollten z.B. nicht unter tief hängenden Markisen oder Ähnlichem aufgestellt werden.


Darüber hinaus hat Das Lagern von Flüssiggasflaschen hat im Freien oder in besonders gut belüfteten Lagerräumen über Erdgleiche zu erfolgen.
Vor der Inbetriebnahme sind alle Mitarbeiter/innen, die mit dem Heizpilz künftig umgehen, anhand der Betriebsanweisung zu unterweisen. Das gilt natürlich auch und besonders für Aushilfs- und Teilzeitkräfte. Allgemein kommt es durch nicht sachgemäße Bedienung Beim Umgang mit Flüssiggasanlagen immer wieder zu Bränden. Ursächlich dafür ist in vielen Fällen die mangelhafte Unterweisung der Arbeitnehmer in Sicherheitsbestimmungen und nicht eindeutig geregelte innerbetriebliche Arbeitsabläufe durch den Gaststättenbetreiber. Die Unterweisung bzw. die Betriebsanweisung sollten in jedem Fall Informationen zum Wechsel der Flüssiggasflasche, zum sicheren Anzünden des Brenners sowie zum Verhalten im Störungsfall beinhalten. Nach jedem Flaschenwechsel und vor Inbetriebnahme muss die hergestellte Anschlussverbindung (Flaschenabsperrventil / Druckregelgerät) auf Dichtheit geprüft werden.
Auch beim Servieren sollte das Bedienungspersonal immer wieder auf einen sicheren Betrieb des Heizpilzes achten. Ein Feuerlöscher mit geeignetem Löschmittel (z.B. Brandklassen A, B, C) muss in der Nähe des Heizpilzes und für das Bedienungspersonal gut erreichbar bereitstehen.


Streit gibt es immer wieder um die Frage, ob das Aufstellen von Terrassenheizstrahlern bei der gastronomischen Nutzung einer Teilfläche in einer Einkaufspassage (sogenannte umbaute Innenhöfe) als Außengastronomie gilt und deshalb erlaubt ist. Die Befürworter eines Aufstellungsverbotes von Heizpilzen berufen sich u.a. auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (Az: 10 S 2533/09). In diesem Urteil wurde verneint, dass ein derartiger in einer Passage liegender Bereich als Außengastronomie gilt und deshalb ausnahmsweise nicht dem grundsätzlichen Rauchverbot in Gaststätten im Sinne des Landesnichtraucherschutzgesetzes unterliegt. In der Begründung heißt es: „…Mit den genannten Öffnungen bzw. Lüftungsmöglichkeiten, die nicht entfernt an die Belüftungsverhältnisse in der Freiluftgastronomie heranreichen, werden (…) keinesfalls die Anforderungen des Ausnahmetatbestandes der Außengastronomie erfüllt.“ Aus Sicht des Verfasser löst dieses Urteil keineswegs nicht das Problem und gibt den Befürwortern eines generellen Verbots Recht. Ein generelles Verbot von Heizpilzen in derartigen Bereichen hat kein Bestand. Grundsätzlich müsste im Einzelfall entschieden werden. Heizpilze sind für den Betrieb im Freien oder in gut belüfteten Bereichen (z.B. Räumen, Zelten) gedacht, d.h. mindestens 25% der Umschließungsfläche müssen offen sein, wobei die Umschließungsfläche die Summe aller Wandflächen ist. Der Verkehrsweg für Passanten darf weder zusätzlich eingeengt werden. Noch darf die Gefahr eines Kollidierens dieser mit den aufgestellten Heizpilz(en) bestehen und die Standsicherheit muss gewährleistet sein. Insbesondere sind die Sicherheitsabstände zu brennbarem Materialien einzuhalten. Weitere Auflagen der Behörden (Gewerbeaufsicht, Feuerwehr) könnten u.a. darin bestehen, dass die Gasflaschen nachts an einem sicheren Ort gelagert werden und die Größe der Gasflaschen also die Füllmenge herabgesetzt wird.


Grundsätzlich sollten Gastwirte jedoch wissen, dass wer auf seiner Terrasse oder im Biergarten einen Flüssiggas betriebenen Heizpilz aufstellt, für die Folgen eines Brandes, der durch diesen Heizpilz verursacht wurde, zivil- und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann. Das Risiko trägt er ganz allein.
Gefährlich wird es, wenn derartige Terrassenstrahler in Garagen, Hobby- und Partyräumen betrieben werden, um diese schnell zu erwärmen. Für den Einsatz in geschlossenen Räumen gibt es spezielle Heizgeräte mit zusätzlichen Sicherheitseinrichtungen.


Hier noch ein Hinweis zur sicheren Benutzung von Terrassenheizstrahlern: Auf der Internetseite der „Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten“ (BGN) befindet sich u.a. auch das Merkblatt „Terrassenheizstrahler – Sicherer Betrieb“.

Bilder und Videos zu diesem Beitrag
Das könnte Sie auch interessieren
Das ist in mehrfacher Hinsicht nicht ganz einwandfrei gelaufen: Ein 17-Jähriger stürzte beim Aufbau der Geisterbahn auf dem Ingolstädter Pfingstvolksfest bereits am Donnerstag vergangener Woche ab ... mehr
am 03.06.2009 13:44
von retter.tvretter.tv user logo
Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Kreisstraße zwischen Rehling (Kreis Aichach-Friedberg) und Mühlhausen sind zwei junge Frauen schwer verletzt worden. mehr
am 05.06.2009 20:57
von retter.tvretter.tv user logo     
Um diese Funktion zu nutzen,
müssen Sie ein registriertes Mitglied von retter.tv sein.

Sie wollen aktiv an retter.tv teilnehmen, dann melden
Sie sich jetzt kostenlos an.

weiter zur Anmeldung