Feuerwehren im Raum Dillingen schlagen Alarm: „Wir sind billige Einsatzkräfte“

Dillingen | am 22.07.2011 - 08:59 Uhr | Aufrufe: 1934

Floriansjünger aus dem Raum Dillingen klagen über zusätzliche Aufgaben und zu viele Alarmierungen.

Feuerwehren schlagen Alarm: „Wir sind billige Einsatzkräfte“Stephan Böhm ist stinksauer. Der Lauinger Feuerwehrkommandant klagt über Nachwuchsprobleme, zu viele unnötige Einsätze und falsche Zuständigkeiten. „So kann es nicht weitergehen“, sagt er. Seit es die integrierte Leitstelle in Augsburg gebe, habe die Lauinger Wehr 50 Einsätze mehr im Jahr. „Da stimmt doch was nicht“, so Böhm. Gerade am Wochenende würden sich die Einsätze häufen. Böhm berichtet, dass er bei einer Alarmierung auch schon alleine am Gerätehaus stand. Er wisse langsam nicht mehr, wie er seine Kameraden noch motivieren solle.

Unfälle oder Verschmutzungen

Auch, weil die Feuerwehrleute immer mehr Arbeiten erledigten, die nicht zu ihrer Zuständigkeit gehören, so der Kommandant. Bei Unfällen oder Verschmutzungen auf Straßen stehe die Feuerwehr oft lange alleine da und warte auf den Straßenbaulastträger, der die Straße säubern und freigeben müsse. „Wir würden diese Zeit auch lieber mit unseren Familien als auf den Straßen verbringen“, sagt Böhm. Die Feuerwehr sei nur für erste Maßnahmen zuständig. „Außerdem kann niemand von einem Feuerwehrmann, der diesen Job als Hobby ausübt, erwarten, dass er die Straße für den Verkehr wieder freigibt.“

Laut Böhm kommt es immer wieder vor, dass der Straßenbaulastträger – Straßenmeisterei oder Bauhofmitarbeiter – nicht erscheine oder erst Stunden später. „Wir müssen dann warten, machen den Dreck weg und rufen wieder die Polizei an. Wir geben die Straße nämlich nicht frei.“ Das darf die Feuerwehr auch nicht, sondern liegt in der Pflicht des Straßenbaulastträgers, wie Kreisbrandrat Frank Schmidt erklärt: „In der normalen Tagesschicht ist es kein Problem. Schwierig wird es nur in der Nacht und am Wochenende.“ Bei den Staats- und Bundesstraßen klappe es recht gut, dort gebe es einen Bereitschaftsdienst. Bei den kleinen Kommunen sei es aber schwieriger, so Schmidt. „Die Zuständigkeiten werden immer mehr nach unten verschoben. Am Schluss bleibt dann halt die Feuerwehr übrig“, so Schmidt.

Wilhelm Weirather, Behördenleiter beim Staatlichen Bauamt Krumbach, ist froh um die Feuerwehrleute vor Ort: „Sie sind eine große Unterstützung.“ Trotzdem sagt auch er ganz klar, dass – egal, was passiert – der Baulastträger für den Unterhalt der Straßen zuständig sei. „Auch nur wir geben die Straßen wieder frei“, so Weirather. Er sagt, dass maximal eine halbe Stunde nach Alarmierung jemand von der Straßenmeisterei vor Ort sein müsse. „Klar, dass es manchmal aber einfach auch mal nicht klappt.“ Alles, was die Feuerwehr in dieser Zeit mache, werde dem Bauamt dann in Rechnung gestellt. „Und das ist nicht immer wenig“, so Weirather. Er betont aber, dass die Zusammenarbeit reibungslos funktioniere.

Das bestätigt auch Polizeihauptkommissar Gerhard Bißwanger: „Es klappt recht gut. Ich habe bislang noch keine negativen Erfahrungen gemacht.“ Wenn alle Stricke reißen, dann könne auch die Polizei die Straßen wieder freigeben. „Wenn wir zehn Leute mehr hätten, könnten die auch länger vor Ort sein“, so Bißwanger. Deshalb sei die Polizei froh über die Unterstützung der Feuerwehr. Bißwanger räumt aber auch ein, dass es manchmal einfach länger dauern könne. Länger warten musste auch schon die Truppe um den Gundelfinger Feuerwehrkommandanten Michael Hirsch. „Wir haben die gleichen Sorgen wie die Lauinger. Das ist kein Einzelfall“, so Hirsch. Die Feuerwehr sei vor Ort und koste nichts. „Wir sind billige Einsatzkräfte und Mädchen für alles.“ Von angefahrener Katze bis Ölspur – die Feuerwehr werde immer alarmiert. „Für die hauptsächlichen Arbeiten haben wir oft gar keinen Kopf mehr. Und an Nachwuchs fehlt es auch“, so Hirsch. Noch funktioniere es, aber auch er, höre den Unmut in den eigenen Reihen. „Man wird oft unnötig gerufen. Damit wird einem das Ehrenamt vermiest.“

Unnötige Einsätze sind laut Frank Habermaier, Chef bei der integrierten Leitstelle, absolute Ausnahmen: „90 Prozent aller Alarmierungen sind richtig.“ Er sagt, dass sich die Problematik der vielen Einsätze langsam vonder Stadt auf das Land übertrage: „Wenn ein Notruf eingeht, wird entschieden, wie viele Einsatzkräfte benötigt werden“ . Falls sich vor Ort dann herausstelle, dass zu viele Wehren geordert wurden, könne der Einsatzleiter diese wieder wegschicken. „Sie müssen nicht draußen bleiben.“

Quelle: Augsburger Allgemeine

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