Schöner, bunter, größer und gefährlicher…?

Mannheim | am 21.12.2011 - 11:55 Uhr | Aufrufe: 2358

Am Donnerstag beginnt wieder der Verkauf von pyrotechnischen Artikeln. Der Verkauf von Silvesterfeuerwerk ist vom 29. bis zum 31. Dezember erlaubt, das Abbrennen nur am 31. Dezember und 1. Januar. Feuerwerkskörper und Raketen sind Sprengstoff und dürfen an Jugendliche unter 18 Jahren nicht abgegeben werden.

SilvesterEltern dürfen diese auch nicht an Heranwachsende weitergeben. Nur Feuerwerkskörper Kategorie 1 (z.B. „Knallerbsen“) sind noch für Kinder ab 12 Jahren frei. Gewarnt werden muss auch wieder vor illegal eingeführten Silvesterkrachern aus dem Ausland, die derzeit vor allem im Internet angeboten werden. Jedes Jahr passieren zu Silvester schlimme Unfälle. Hände, Augen, Ohren sind besonders gefährdet. Nicht selten kommt es zu Bränden. Doch dieses Jahr könnte es noch schlimmer kommen.

Jedes Jahr wieder wird Silvester gefeiert und das Neue Jahr lautstark mit Krachern, Böllern und Raketen empfangen. Beim „Knallen“ zu Silvester kann auch eine Menge schiefgehen. Dieses Jahr könnte es jedoch gefährlicher werden. Eine neue EU-Richtlinie 2007/23/EG für ein europaweit einheitliches Qualitäts- und Sicherheitsniveau für das Inverkehrbringen pyrotechnischer Artikel erlaubt eine deutlich größere Explosivmasse pro Kracher als in den vergangenen Jahren. Die EU-Mitgliedstaaten hatten 30 Monate Zeit, diese Richtlinie in nationales Recht zu übernehmen. Das gilt natürlich auch für Deutschland, wo die Umsetzung mit dem 4. Sprengänderungsgesetz realisiert wurde. Danach ist nur noch eine „Zulassung“ für Europa erforderlich und es darf nun auch in Deutschland Feuerwerk mit einer Explosivmasse von 500 Gramm verkauft werden. Die bisherige Obergrenze lag bei 200 Gramm Explosivstoff.
Bei aller Freude an der „Knallerei“ darf jedoch nicht vergessen, dass Feuerwerkskörper keine Spielwaren sind. Feuerwerkskörper enthalten in dosierter Form explosionsgefährliche Stoffe bzw. Stoffgemische und können gefährliche Wirkungen entfalten. Bei der Zündung können Temperaturen von mehr als 1000 Grad entstehen. Jedes Jahr wieder verletzen sich zu Silvester hunderte Menschen an Feuerwerkskörpern. Die Verletzungen reichten von relativ einfachen Verbrennungen bis hin zu Knochenbrüchen und schwersten Verstümmlungen.

Gefährliche Basteleien mit Feuerwerkskörpern sind eine der häufigsten Unfallursachen. Leichtsinn oder Unwissenheit erhöhen die Gefahr beim Silvesterfeuerwerk. Immer wieder spielen dabei auch der übermäßige Alkoholgenuss und das Abfeuern von Raketen in Menschenmengen eine Rolle.
Die Erhöhung der Explosivmasse hat nun nicht automatisch eine höhere Gefahr zur Folge. Trotz der erheblichen Erhöhung der Explosivmasse kann bei sachgemäßem Gebrauch nichts passieren. Allerdings gehen von diesen Feuerwerkskörpern bei unsachgemäßem Gebrauch aufgrund der nun mehr als verdoppelten Explosivmasse auch größere Gefahren verbunden mit ernsthaften Verletzungen aus.


In Deutschland hält in den letzten Jahren der Trend hin zu Kombinationsfeuerwerken (Batterien und Kombinationen) unvermindert an. Dieses Jahr kommen zusätzlich die neuen sogenannten „Mega-Batterien“ in den Verkauf. In einigen anderen EU-Ländern war die jetzt in einer einzigen Batterie befindliche Menge explosiven Materials schon vorher zugelassen gewesen. Weiter verbessert wurden aber auch die Effekte im Hinblick auf Farben und Variationen. Aus Sicht des Pyrotechnikers bestehen keine Bedenken gegen diese Batterien. Diese Batterien sind nicht nur Sicher sondern auch schön. Allerdings gilt, muss nachdrücklich vor der unsachgemäßen Verwendung solcher Feuerwerkskörper gewarnt werden.

Grundsätzlich sollte nur in Deutschland zugelassenes Feuerwerk gekauft werden. Im Rahmen eines Zulassungsverfahrens werden Feuerwerkskörper geprüft und nur dann wenn sie unbedenklich sind, dürfen sie in den Verkauf gehen. Vergeben wird diese durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Feuerwerkskörper ohne „BAM“- Zulassung oder eine „CE“- Kennzeichnung der EU mit einer Prüfnummer bzw. mit gefälschtem Zulassungszeichen bergen in ihrer Wirkung häufig ein hohes Risiko in sich. Sie sind daher in der Sicherheit ihrer Handhabung und Qualität nicht einschätzbar. Das Vorhandensein dieser Kennzeichnungen ist nicht immer selbstverständlich. Während der Übergangszeit bis zum Jahr 2017 ist sowohl das neue als auch das alte Zulassungszeichen nebeneinander gültig. Aus diesem Grund sollte man als Käufer z.B. auf die „BAM“- Nummer achten. Ein solches aufgedrucktes altes Zulassungszeichen lautet zum Beispiel: BAM – P II – 2526. Die neue Identifikationsnummer kann folgendermaßen aussehen: „BAM - F2 - 0001“. Einfuhr und Gebrauch von Feuerwerkskörpern ohne oder mit gefälschter Zulassung ist weiterhin verboten und bedeutet nach dem Sprengstoffgesetz eine Straftat. Wer derart illegale Feuerwerkskörper zündet, begibt sich also nicht nur in Gefahr, sondern macht sich auch strafbar.

Damit die Silvesterfeier dieses Jahr nicht im Krankenhaus oder mit einem Streit unter Nachbarn endet, sollten folgende Tipps beachten werden:


In jedem Fall sind die Hinweise der Hersteller unbedingt zu beachten .Raketen und Fontänen sollten grundsätzlich nur draußen und niemals unter Bäumen, Laternen, Vordächern oder auf Balkonen gezündet werden. Dabei sollte eine frei stehenden „Abschussrampe“, am besten Flaschen in einem Flaschenkasten. Außerdem dürften die Lenkstäbe nicht verkürzt oder entfernt werden. Außerdem dürften die Lenkstäbe nicht verkürzt oder entfernt werden. Ab diesem Jahr darf nun jedoch auch „leicht geneigt“ in den Himmel geschossen werden. Bei Test der Berliner Feuerwehr in einer zwölf Meter breiten Straße trafen derartige geneigt abgeschossene Raketen häufig schon in Höhe der zweiten Etage auf die Hauswand. Aus diesem Grund ist es ratsam, brennbare Gegenstände am Haus, auf Balkonen usw. vor Silvester zu entfernen. Fenster sollten insbesondere während des Feuerwerks geschlossen bleiben. Sollte es dennoch dazu kommen, dass sich eine fremde Silvesterrakete in die Wohnung verirrt, kann sich der Geschädigte mit seinem Hausratversicherer in Verbindung setzen.
„Knaller“ sind sofort nach dem Zünden weg zuwerfen, oder noch besser, direkt auf dem Boden anzuzünden. Bei gezündeten Raketen ist sofort der Sicherheitsabstand von einigen Metern einzunehmen. Leider sind es immer wieder Kindern und Jugendlichen, die ihren Mut beweisen wollen, indem sie den Böller möglichst lange in der Hand halten.

Ist eine Rakete nicht abgehoben oder ein Böller nicht explodiert, sollte diese nie aufgehoben und erneut angezündet werden. Eine erhöhte Explosionsgefahr besteht insbesondere beim Trocknen oder Anwärmen von Blindgängern.
Es sollte zwar grundsätzlich keine Feuerwerkskörper in Häuser oder Briefkästen geworfen werden. Haben jedoch Unbekannte den Briefkasten z.B. mit einem Kanonenschlag beschädigt haben, hat der Hauseigentümer die Möglichkeit, sich an seine Wohngebäudeversicherung zu wenden.

Stürzen die Reste von Silvesterraketen auf ein Fahrzeug verursachen sie nur sehr selten Lackschäden. Nur direkt gegen das Auto abgefeuerte Raketen hinterlassen bleibende Spuren. Daher ist es am sichersten, wenn das Feuerwerk nicht in der Nähe von Autos angezündet wird. Geeignete Parkplätze an Silvester sind Garagen oder ruhigere Seitenstraßen. Bei Feuerwerksschäden am Auto tritt die Teilkaskoversicherung ein. Jedoch ist dabei aber möglicherweise eine Selbstbeteiligung zu berücksichtigen. In jedem Fall sollte, wer, das neue Jahr mit Böllern und Raketen begrüßen will, eine Privathaftpflichtversicherung haben.
Gefährlich wird es, wenn mit Feuerwerkskörpern nach Menschen oder Tieren geworfen wird. Oft lassen sich Tiere danach nicht mehr beruhigen. Auf der anderen Seite sollten Halter ihren Tieren keine Medikamente oder Beruhigungsmittel verabreichen. Familien mit Kindern sollten sich möglichst abseits vom „Gedränge“ postieren. Davon unabhängig ist das „Knallen“ in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Altenheimen verboten.

Trotz aller Appelle zur Vorsicht wird es auch dieses Jahr wieder beim Hantieren mit Silvesterfeuerwerk zu Unfällen und Bränden kommen. Bei kleineren Brandverletzungen ist die betroffene Stelle am besten mindestens 20 Minuten lang unter fließendem kalten Wasser zu kühlen. Allerdings sollte bei größeren Brandverletzungen ein Arzt aufgesucht werden. Verletzt ein Fremdkörper ein Auge sollte es zunächst mit einem sauberen Tuch abgedeckt und ebenfalls sofort ein Arzt konsultiert werden. In keinem Fall sollte der Fremdkörper allein entfernt werden. Rettungsdienst und Notarzt sind auch Silvester unter der Rufnummer 112 erreichbar.

Und wenn es tatsächlich brennt, sollte man sich und andere gefährdete Personen in Sicherheit bringen, Fenster und Türen schließen und die Feuerwehr über den Notruf 112 alarmieren. Ist wegen Rauch und Hitze ein gefahrloser Weg ins Freie nicht mehr möglich, sollte man unbedingt in der Wohnung bleiben und die Ankunft der Feuerwehr abwarten. Wichtig ist, dass man sich am Fenster bemerkbar macht.

Frank D. Stolt
Sachverständiger für Brand- und Explosionsursachen, Sprengberechtigter und Pyrotechniker sowie Technischer Fachberater Feuerwehr
Mannheim

Hinterlegte Stichworte (Tags)
Bilder und Videos zu diesem Beitrag
Das könnte Sie auch interessieren
Mit gemischten Gefühlen haben die zahlreichen Einsatzkräfte des Bayerischen Roten Kreuz (BRK) die Silvesternacht in der Stadt Augsburg beendet. Die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes ... mehr
am 01.01.2010 17:45
von Manuel Holder     
Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Kreisstraße zwischen Rehling (Kreis Aichach-Friedberg) und Mühlhausen sind zwei junge Frauen schwer verletzt worden. mehr
am 05.06.2009 20:57
von retter.tvretter.tv user logo     
Um diese Funktion zu nutzen,
müssen Sie ein registriertes Mitglied von retter.tv sein.

Sie wollen aktiv an retter.tv teilnehmen, dann melden
Sie sich jetzt kostenlos an.

weiter zur Anmeldung