Schwere Vorwürfe gegen die Leitstelle Osnabrück - Kann von Laien eine medizinische Einschätzung gefordert werden?

Osnabrück | am 09.01.2013 - 12:50 Uhr | Aufrufe: 6434

Am 28. Dezember 2012 erlitt ein 77-jähriger Mann einen Schlaganfall. Seine Frau erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Leitstelle, weil diese statt eines Rettungswagens einen Krankenwagen geschickt hatte. Am Montag wurde der Notruf der 72-Jährigen von der Leitstelle Osnabrück ausgewertet.

Es geschah am Morgen des 28. Dezember 2012 in Osnabrück. Die 72-jährige Ehefrau wachte um 5.45 Uhr morgens neben ihrem Mann auf, der am ganzen Körper zitterte. Etwa 45 Minuten später, als sich der Zustand des Mannes nicht verbesserte, wählte sie den Notruf.

Statt RTW schickt Leitstelle KTW

Sie schilderte dem Disponenten die Symptome ihres Mannes. Der Mitarbeiter der Leitstelle Osnabrück schickte daraufhin einen Krankentransportwagen, der aber erst ca. 60 Minuten nach der Alarmierung eintraf und den Mann ins Krankenhaus brachte. Dort stellten die Ärzte fest, dass der Mann einen Schlaganfall erlitten hatte.

Schwere Vorwürfe gegen die Leitstelle Osnabrück

Die Frau erhob nach dem Vorfall schwere Vorwürfe gegen die Leitstelle, da diese statt eines benötigten Rettungswagens nur einen Krankentransportwagen geschickt hatte. Die 72-jährige Frau ist der Meinung, der Leitstellenmitarbeiter hätte zu wenig gefragt und sich mit der Information, dass ihr Mann am ganzen Körper zittere, zufrieden gegeben.

Die Leitstelle in Osnabrück sieht das anders. So hätte der Leitstellendisponent die richtigen Fragen gestellt. Die Antworten der Frau seien aber unzureichend gewesen. Schließlich sei dem Leitstellendisponenten lediglich die Information gegeben worden, dass der Patient zittere.

Aufzeichnung des Notrufs wurde ausgewertet

Nachdem nun am Montag die Aufzeichnung des Telefongesprächs aufgezeichnet wurde ist sich die Leitstelle sicher, dass von ihrer Seite alles richtig gemacht wurde. Der Disponent habe seine Fragen gestellt und die Frau mehrfach ausholen lassen, so gab der Sprecher der Landkreises Osnabrück zu Verstehen. Der Sprecher versicherte zudem, dass alles genau so wieder gemacht werden würde, schließlich könnte nicht „bei jedem Zittern Reiterei mit Blaulicht“ losgeschickt werden.

Kann von einem Laien eine medizinische Einschätzung gefordert werden?

Die Disponenten sind Fachleute und werden zudem besonders im Thema Schlaganfall geschult. Es stellt sich daher immer die Frage, ob von Laien die Abgabe einer eindeutig medizinischen Einschätzung erwartet werden kann. Das könne man selbstverständlich nicht, so der Sprecher des Landkreises Osnabrück. Schließlich rufen immer Laien an, die zudem meist sehr aufgeregt seien. Die Disponenten versuchen die Anrufer zunächst zu beruhigen, um sich dann die Symptome schildern zu lassen.
Die 72-jährige Frau und ihr Ehemann könnten gegen die Entscheidung der Leitstelle klagen. Dann würde die bisher unveröffentlichte Aufzeichnung des Gespräches zwischen der Frau und dem Leitstellendisponenten veröffentlicht werden.

Erfahren Sie hier mehr zu den Vorwürfen gegen die Leitstelle Osnabrück.

Bild: retter.tv Archivbild

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