Schweres Busunglück im Kreis Stormarn: Feuerwehr Bargteheide simulierte den Ernstfall

Travenbrück | am 31.10.2011 - 15:23 Uhr | Aufrufe: 764

Mit einem Szenario, wie es täglich auf unseren Straßen passieren kann, waren am vergangenen Samstagmittag 150 Helfer von Feuerwehr und Rettungsdienst in Bargteheide/Stormarn konfrontiert. Ein Doppelstock-Reisebus war in der Straße Am Redder frontal mit einem PKW zusammengestoßen, ins Schleudern geraten und hatte bevor er zum Stehen kam, noch einen Radfahrer erfasst.

Schweres Busunglück im Kreis Stormarn: Feuerwehr Bargteheide simulierte den Ernstfall

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40 Personen sind am Unfallgeschehen beteiligt. Viele von ihnen wurden schwer verletzt und in den Trümmern von Bus und PKW eingeklemmt. Schreie sind zu hören, mehrere traumatisierte Personen irren orientierungslos zwischen den Fahrzeugtrümmern umher. Großeinsatz für Feuerwehr und Rettungsdienst.

Aber alles war - zum Glück - nur eine sehr gut vorbereitete und bis ins Detail geplante Einsatzübung der Freiwilligen Feuerwehr Bargteheide auf dem Gelände des ehemaligen Aldi-Zentrallagers. Doch dem Betrachter wurde schnell klar: Sollte es wirklich zu einer solchen Situation kommen, werden allen Rettern körperliche Höchstleistungen und seelische Stabilität abverlangt. "Feuerwehr und Hilfsorganisationen üben jährlich Unfälle, bei denen es zu vielen Verletzten, einem sogenannten Massenanfall von Verletzten (VU/MANV), kommt. So werden die Konzepte zum Vorgehen überprüft und gegebenenfalls aktualisiert, damit Feuerwehr und Rettungsdienst immer gut gerüstet sind", erklärte Markus Hilchenbach, Leiter der Integrierten Leitstelle Süd.

Das Drehbuch und der Lernzielkatalog für diese im Kreis Stormarn bisher wohl beispiellose Übung wurde von der Feuerwehr Bargteheide unter Federführung der Kameraden Michael Schermer (Technischer Zug) und Sven Arne Werner (Wehrführung) erarbeitet. Die Organisation und Planung hat die beiden Männer seit März in Atem gehalten.

MANV - was sich so nüchtern anhört, stellt die 150 Retter von Feuerwehr und Schnelleinsatztruppe Stormarn (SEG), den Leitenden Notarzt (LNA) und das Krisen-Interventionsteam (KIT) ab der Alarmierung durch die Leitstelle auf eine harte Probe. Wer sich vorstellt, dass bei einem Unfall mit zahlreichen Verletzten, aber auch unverletzten Businsassen alles idealtypisch und ruhig abläuft, sieht sich getäuscht. Die Verletzten-Darsteller von DRK, DLRG und Jugendfeuerwehr sind auf die Übung bestens vorbereitet. Schwere Prellungen und klaffende Wunden sind realistisch geschminkt, die Gesichter teils blutüberströmt. Und auch die nicht verletzten Insassen des Busses und Augenzeugen des Unglücks machen es den Helfern nicht leicht. Sie verhalten sich, wie Menschen in Panik sich eben verhalten. Sie rennen weg, schreien um Hilfe oder sitzen traumatisiert auf der Fahrbahn. Nach und nach treffen geordnet immer mehr Feuerwehren aus dem Kreisgebiet mit ihren Fahrzeugen und ihren Spezialausrüstungen am Unglücksort ein.

Die geladenen Gäste, unter ihnen Landrat Klaus Plöger und der Bargteheider Bürgermeister Dr. Hennig Görtz, Kreisbrandmeister Gerd Riemann, Vertreter des Kreisfeuerverbandes Nordfriesland und der Feuerwehr Tübingen, sowie zahlreiche Schaulustige werden nun zu Augenzeugen, mit welcher Präzision und Routine sich die Einsatzkräfte unter Einsatz von diversen technischen Hightech-Geräten Zugang zu den Verletzten verschaffen um sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien.

Unter Führung von Einsatzleiter Wolfgang Schramm, Gemeindewehrführer Bargteheide, wird der Doppelstock-Bus an mehreren Stellen von außen aufgeschnitten, während der Leitende Notarzt Dr.Mathias Mühlhäuser und Sanitäter der SEG mit der medizinischen Versorgung und Registrierung der Verletzten beginnen. Bevor sie in die rasch aufgebaute Verletzten-Sammelstelle gebracht werden, sind sie in Kategorien wie unverletzt, leicht verletzt und schwer verletzt unterteilt worden. Von der Verletzten-Station wird dann der Transport mit Rettungswagen in geeignete Kliniken vorbereitet. Das Zusammenspiel Feuerwehr und Rettungsdienst hat nach Angaben von Mühlhäuser "ganz hervorragend geklappt."

Die Rettung der beiden schwer verletzten PKW-Insassen gestaltet sich naturgemäß einfacher, als die der eingeklemmten Fahrgäste im Omnibus. Hier wird auf beiden Ebenen fieberhaft gearbeitet, wobei der Zugang zu den Verletzten oftmals nur nach Entfernen von ganzen Stuhlreihen oder Sonderausstattungen möglich ist. Die Rettung der Passagiere aus der oberen Ebene des Busses erfolgt teilweise über das aufgeschnittene Dach. Hier kommt eine Drehleiter zum Einsatz. Bei der fachgerechten Demontage der verunglückten Fahrzeuge wird die Feuerwehr von Andre` Weiss vom Rescue Training Center (RTC) aus Ofterdingen beraten."Hierbei wurden insbesondere auch gänzlich neue Schnitttechniken erprobt", sagt der bundesweit anerkannte Fachmann für praxisorientierte Ausbildung.

Vor der Übung hatten die Einsatzkräfte Gelegenheit, sich am Hilfszentrum Bargteheide mit Technik und Ausstattung verschiedener Typen von Linien- und Reisebussen vertraut zu machen. Dabei konnten sie auch den schwarzen Mannschaftsbus des FC St. Pauli in Augenschein nehmen. Nach etwa zweieinhalb Stunden ist das Ziel der Übung erreicht. "Alle 38 verletzten Personen aus Bus und PKW befreit und an den Rettungsdienst übergeben. Zwei Personen tot geborgen", sagt Einsatzleiter Schramm. Auch die Bergung von Toten - dargestellt mit Übungspuppen - müsse bei einer solch breit aufgestellten fiktiven Ausgangslage geübt werden, lässt der erfahrene Wehrführer wissen.

Jetzt ist es Sache der fachkundigen Beobachter, die Übung auszuwerten. "Sie werden in den nächsten Tagen die Lernziele anhand von gesammelten Eindrücken, Film- und Fotomaterial überprüfen und analysieren und gegebenenfalls auch Änderungsvorschläge machen", erklärten die beiden engagierten Organisatoren Werner und Schermer.

In seiner kurzen Rede nach Abschluss der Übung, zeigte sich Landrat Plöger erfreut über soviel Professionalität von Feuerwehr und Rettungsdienst. Er sei überzeugt, dass die Stormarner Hilfsdienste technisch und personell gut aufgestellt seien, ein Schadensereignis des gezeigten Ausmaßes zu bewerkstelligen. Er dankte allen an der Übung Beteiligten für ihr großes und selbstloses Engagement. Auch der Bargteheider Bürgermeister Görtz lobte "seine" Feuerwehr und verabschiedete sich mit der Feststellung: "Wir Bargteheider sind stolz auf unsere Feuerwehr!"

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