Wahl mit nur einem Kandidaten

Aichach-Friedberg | am 22.09.2011 - 08:28 Uhr | Aufrufe: 609

Der Vorschlag von Ben Bockemühl für das Amt des Kreisbrandrats findet die Zustimmung vieler Kommandanten. Kritik gibt es aber am Prozedere.

Überrascht wurden gestern einige Feuerwehrkommandanten im nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg von der Nachricht, dass Ben Bockemühl für das Amt des Kreisbrandrats kandidieren soll. Wie berichtet, will Landrat Christian Knauer den bisherigen Kreisjugendfeuerwehrwart für die Wahl am 11. Oktober in Dasing vorschlagen. Die Personalie an sich stößt bei den Feuerwehrkommandanten, die wir gestern dazu befragt haben, nicht auf Kritik, sehr wohl aber die Umstände: Für eine demokratische Wahl hätte sich mancher mehrere Kandidaten gewünscht.

Auch Michael Sieber zählt dazu. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Aichach betont: „Kreisbrandrat ist ein schwieriges Amt.“ Aber unter den richtigen Voraussetzungen hätte es sicher mehrere Kandidaten gegeben, ist er überzeugt. Er war gestern über die Nachricht „ein bisschen verwundert. Man hat gar nichts gewusst“. Das Schreiben des Landrats mit der Einladung zur Wahl hatte ihn gestern noch nicht erreicht.

Zu Knauers Kandidaten will sich Sieber nicht groß äußern: Er kenne Ben Bockemühl zu wenig, so der Kommandant. Der Jugendfeuerwehrwart könne einige Erfolge vorweisen. Dafür zolle er ihm höchsten Respekt, so Sieber. „Es könnte aber sein, dass ihm eine gewisse Portion an Einsatzerfahrung fehlt“, sagt der Kommandant. Der 31-jährige Bockemühl ist Gruppenführer bei der Feuerwehr im Friedberger Ortsteil Stätzling. „Ich hoffe, dass das für ihn kein Nachteil ist, gerade bei größeren oder schwierigeren Einsatzlagen“, sagt Sieber. Aber er arbeite ja mit erfahrenen Kommandanten zusammen. Von dem Kandidaten wünscht er sich im Vorfeld der Wahl ein Konzept, wie er sich die künftige Arbeit im Landkreis vorstellt, ob er Veränderungen plant.

Restlos einverstanden mit der Personalie ist Sebastian Rieder, seit Januar Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Aindling. „Das ist eine gute Entscheidung, er ist ein fähiger Kamerad“, stellt er Bockemühl ein gutes Zeugnis aus. Dessen relativ junges Alter hält Rieder nicht für ein Manko und erst recht nicht für einen Hinderungsgrund. „Ich bin auch jung“, lacht Rieder, der mit 29 Jahren auf den Kommandantenposten gewählt wurde. Man müsse sich einfach trauen, sagt Rieder.

Rieder glaubt, dass auf Bockemühl einige Arbeit wartet. Es sei in den sechs Monaten Vakanz des Postens sicher einiges liegen geblieben. Obendrein geht der Aindlinger Kommandant davon aus, dass der neue Kreisbrandrat Umstrukturierungen plant. Bei seiner Übernahme der Kreisjugendfeuerwehr habe Bockemühl das auch so gehandhabt und für frischen Wind gesorgt. Das habe der Organisation sehr gutgetan. Bockemühl werde sicher einiges anders machen als seine Vorgänger, ist Rieder überzeugt.

Positiv sieht auch Erwin Spar, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Hollenbach, Bockemühls Kandidatur: „Der wird seine Arbeit schon machen.“ Für zu jung hält er den Stätzlinger nicht. Ein junger Kreisbrandrat sei vielleicht sogar besser als ein älterer, glaubt er. Kritik übt aber auch Spar am Prozedere: Angeblich habe es durchaus mehrere Kandidaten gegeben, sagt Spar. Eine Wahl mit nur einem Kandidaten habe mit Demokratie nichts zu tun: „Man kann nur Ja oder Nein sagen.“ Nein sagen will Spar aber nicht am 11. Oktober: „Ich werde Ben Bockemühl wählen und ich werde ihn unterstützen.“ Vom neuen Kreisbrandrat erwartet er, dass er die Arbeit kontinuierlich fortsetzt und Einrichtungen wie die Unterstützungsgruppe der örtlichen Einsatzleitung (UG ÖEL) besser fördert und unterstützt. „Er muss mit der Kreisführung gut zusammenarbeiten und mit den Feuerwehrinspektionen“, so Spar.

Auch Hans Höss von der Freiwilligen Feuerwehr Kühbach sieht die Kandidatur von Bockemühl positiv: „Der macht das bestimmt super.“ Er werde es aber sicher nicht leicht haben. Die Ausbildung der Feuerwehr müsse im Landkreis eher ausgebaut werden, statt sie zurückzufahren, wie in der Vergangenheit zum Beispiel mit der Schließung der Atemschutzstrecke, sagt Höss. Ob es aus den Reihen der Feuerwehr am 11. Oktober einen weiteren Kandidatenvorschlag geben wird? Höss sagt, er lasse sich überraschen. „Ich möchte aber nicht wetten, dass keiner kommt.“

Von Claudia Bammer und Carmen Jung

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