Zerreißprobe für Westheims Feuerwehr

Westheim | am 13.10.2011 - 09:20 Uhr | Aufrufe: 3933

Weil er Befehle missachtet haben soll, ist ein Feuerwehrmann aus Westheim ausgeschlossen worden. Dagegen klagt er nun. Sollte er damit Erfolg haben, droht der Wehr die Auflösung.

Manche Feuerwehren im Landkreis Augsburg tun sich schwer, Jugendliche für den Nachwuchs zu finden, wie Kreisbrandmeister Alfred Zinsmeister unlängst sagte. Im Neusässer Ortsteil Westheim scheinen die Dinge anders zu liegen: Hier hat sich die Wehr im April von einem ihrer Mitglieder getrennt. Der Mann möchte aber wieder ein aktives Mitglied sein und klagt nun gegen diese Entscheidung. „Dieser Fall dürfte in Bayern absolut einzigartig sein“, sagte der Neusässer Bürgermeister Hansjörg Durz.

Auch Durz selbst unternahm zusammen mit dem Stadtrat den Versuch, zwischen der Wehr und dem ausgeschlossenen Mitglied zu vermitteln – und scheiterte. Am Montag wird der Fall vor dem Augsburger Verwaltungsgericht verhandelt. Diese Instanz ist dann zuständig, wenn Entscheidungen von Behörden strittig sind. Mit im Zeugenstand sind ist die Führungsriege der Westheimer Feuerwehr und die Familie des Mannes. Der Vorwurf gegen ihn lautet: Er soll wiederholt Anweisungen seiner Vorgesetzten nicht befolgt haben. Welche Vorfälle dies genau gewesen sein sollen, darüber schweigen sich alle Beteiligten aus. So viel scheint aber sicher zu sein: Keiner der Verstöße hätte für sich allein stehend zu einem Ausschluss aus dem Verein geführt. Es sei aber die Summe der Undiszipliniertheiten gewesen, den Eklat provoziert hätte – das Vertrauensverhältnis wird als zerrüttet beschrieben.

Kommandant will sich zu den Vorwürfen nicht äußern

So soll der junge Mann beispielsweise eigenmächtig entschieden haben, ob bei einer Fahrt Blaulicht eingesetzt wird oder sich bei anderen Arbeiten geweigert haben, sie auszuführen. Sein – ehemaliger – Kommandant Christian Kugelmann will sich zu den Vorwürfen nicht äußern, sagt jedoch: „Ich finde es fair gegenüber allen Beteiligten, jetzt nichts zu sagen.“

Wie viel Feuer auf dem Dach der Westheimer Wehr ist, zeigen die gescheiterten Schlichtungsversuche. Nachdem sich die Probleme zwischen dem Kläger und dem Rest der Besatzung nach Informationen unserer Zeitungim vergangenen Herbst gehäuft hatten, versuchten der Neusässer Stadtrat und sogar Mitglieder von benachbarter Feuerwehren, zwischen den Parteien zu vermitteln.

Der Streit eskalierte aber vollends, als die Gruppenführer und Kommandanten der Feuerwehr im Frühjahr ein Schreiben an die Kommune verfassten, in dem sie betonten, nicht mehr mit dem Mann zusammenarbeiten zu können. Mehr noch: Für den Fall, dass er weiterhin Mitglied der Feuerwehr sei, drohten sie allesamt mit einem geschlossenen Rücktritt.

Neusäss’ Bürgermeister Hansjörg Durz sagt, ihm sei schließlich nichts anderes übrig geblieben, als das Ausschlussverfahren gegen den Mann in die Wege zu leiten: „Der normale Ablauf war ebenso gestört wie das Vertrauensverhältnis. Es bestand die Gefahr, dass die gesamte Feuerwehr auseinanderbricht.“ Auf entsprechende Kompromissvorschläge sei der Ausgeschlossene nicht eingegangen, so dass es nun zu dem öffentlichen Verfahren kommen müsse. Der Kläger wollte zu dem Prozess bis gestern Abend keine Stellungnahme abgeben.

Von: Florian Eisele

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