Gewalt im Rettungsdienst: „Unsere Einsatzkleidung ist unsere Schutzkleidung“

Hannover | am 18.03.2013 - 11:32 Uhr | Aufrufe: 3951

Gewalt im Rettungseinsatz und das neue Berufsbild des Notfallsanitäters waren die Schwerpunkthemen, mit denen sich Notärzte, Rettungsdienstmitarbeiter und Fachleute aus Notfallvorsorge, Intensivmedizin und Einsatznachsorge an der Medizinischen Hochschule Hannover auseinander Gesetzt haben. Am Wochenende fand das 15. Hannoverschen Notfallsymposium der Johanniter an der MHH statt.

Gewalt im Rettungsdienst: „Unsere Einsatzkleidung ist unsere Schutzkleidung“

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Über 500 Teilnehmer sind der Einladung zum 15. Hannoverschen Notfallsymposium am Samstag gefolgt. Das Auftaktthema Gewalt im Rettungsdienst sprengte fast die Kapazitäten des großen Hörsaals im Lehrgebäude der MHH. Das Interesse war so groß, dass auch Stehplätze noch genutzt wurden. „Das Thema besitzt hohen politischen Stellenwert“, bestätigte Oberstaatsanwalt Ralf Tries aus Koblenz, der die rechtlichen Aspekte vorstellte und empfahl: „Rettungsfachleute sollten stets – auch, wenn es nicht notwendig erscheint – auf Polizeibegleitung drängen.“

Einsatzkleidung ist eine persönliche Schutzkleidung

In diesem Zusammenhang stellte Ruven Kues von der Polizei Niedersachsen Elemente der Schutzausrüstung vor. „Ich plädiere nicht dafür, dass wir uns Schutzkleidung zulegen, wir wollen lieber präventiv wirken“, unterstrich Hans-Anton Adams, Leiter der Stabsstelle für Interdisziplinäre Notfall- und Katastrophenmedizin in der MHH. Und auch Andreas Flemming, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Landeshauptstadt Hannover, betonte, dass „unsere Einsatzkleidung eine persönliche Schutzkleidung ist und mit Hilfe assoziiert wird“. Prävention im weitesten Sinne war auch das Thema von Kommunikationstrainer Ken Oesterreich,: „Es gibt keine einheitliche Deeskalationsstrategie, die auf alle Menschen gleichermaßen angewandt werden kann.“

Schulungen auf den Umgang mit verhaltensauffälligen Patienten

Zwar gibt es im Landesverband Niedersachsen/Bremen keine validen Zahlen zu tätlichen Übergriffen auf Rettungskräfte, dennoch haben die Johanniter bereits reagiert: Sie bereiten ihre Mitarbeiter in Schulungen auf den Umgang mit verhaltensauffälligen Patienten vor – und unterstützen mit ihren Einsatznachsorgeteams die Verarbeitung von entsprechenden psychisch belastenden Situationen. Seit Januar 2012 läuft hierzu ein Pilotprojekt. Und auch die Johanniter-Akademie in Hannover hat regelmäßig Fortbildungen in ihrem Programm, um Einsatzkräfte auf Konfliktsituationen vorzubereiten. Das Selbstverständnis der Rettungskräfte beruht darauf, Gewalt zu vermeiden und ihr auszuweichen, statt sich selbst körperlich zur Wehr zu setzen. Reine Selbstverteidigungsprogramme oder Kampfsportthemen lehnen die Johanniter ab.

Ein neues Berufsbild ab 2014: Der Notfallsanitäter

Ein Forum beschäftigte sich ganztägig mit der neuen Ausbildung zum Notfallsanitäter.
Am 22. März behandelt der Bundesrat den Gesetzesentwurf zur Umgestaltung der Ausbildung im Rettungsdienst. Ab 2014 könnte dann statt einer zweijährigen, unentgeltlichen Berufsausbildung eine dreijährige, bezahlte angeboten werden. Der Notfallsanitäter ersetzt den Rettungsassistenten. „Die Johanniter bewerten den Gesetzesentwurf als zielführend und zukunftsweisend“, unterstrich Klaus Schöppach in seiner Eröffnungsrede.
Rund 50 Forumsteilnehmer führten intensive Diskussionen um nach wie vor offene Fragen: „Es ist nicht geklärt, wie mit bisherigem Personal zu verfahren ist, das keine neue Prüfung ablegen will. Auch die Finanzierung der Ausbildungsvergütung ist noch nicht geregelt. In neun Monaten tangiert uns das alle, die Diskussion muss heute geführt werden“, betonte Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Hannover. Gewerkschaftsvertreterin Judith Lauer vom ver.di-Bundesverband hob jedoch einen sehr positiven Aspekt hervor: „Der Gesetzesentwurf bringt mehr Rechtssicherheit in ein System, das bisher mit vielen Grauzonen zu kämpfen hat.“

Quelle: Johanniter

Bilder: Johanniter/Rainer Surrey





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