Vom Schockraummanagement zur Telefonreanimation - Vorträge auf dem 14. Notfallsymposium in Hannover

Hannover | am 06.02.2012 - 12:00 Uhr | Aufrufe: 1519

Das 14. Hannoversche Notfallsymposium bietet auch in diesem Jahr wieder zahlreiche interessante Vorträge und Workshops. Schockraumanagement, Telefonreanimation und die Patientenverfügung in der Notfallmedizin sind dabei nur eine kleine Auswahl des gesamten Programms des am 17. März 2012 stattfindenden Notfallsymposiums.

Schockraummanagement

Referenten: Prof. Dr. med. Frank Hildebrand und Dr. med. H.-P. Reiffen

13. Hannoversches Notfallsymposium Workshop ThoraxdrainageEtwa 60% der versterbenden Patienten erliegen in den ersten 24 Stunden nach Polytrauma ihren Verletzungen. Neben einer größtmöglichen Beschleunigung der präklinischen und klinischen Behandlung können insbesondere standardisierte Abläufe die Behandlungsergebnisse von schwerverletzten Patienten in dieser Phase deutlich verbessern. Dem Schockraum kommt hierbei als Bindeglied zwischen der präklinischen und klinischen Behandlung eine signifikante Bedeutung zu. Ziel der Schockraumbehandlung ist es, unter Fortführung der Reanimationsmaßnahmen prioritätenorientierte Behandlungsabläufe abhängig vom Zustand des Patienten festzulegen. Zur Standardisierung der Schockraumbehandlung von schwerverletzten Patienten kann das Ausbildungskonzept des “Advanced Trauma Life Support, ATLS®” herangezogen werden, welches ein standardisiertes, prioritätenorientiertes klinisches Traumamanagement lehrt. Ziel ist es, zunächst den Patientenzustand schnell und genau einzuschätzen und so den „kritischen“ Patienten zu identifizieren. Außerdem sieht das ATLS-Konzept® eine prioritätenorientierte Behandlung nach dem ABCDE-Schema vor.

Die Behandlung schwerverletzter Patienten erfordert aufgrund der vielfältigen Verletzungsmuster insbesondere im Schockraum ein interdisziplinäres Vorgehen. Die Kooperation und Kommunikation zwischen den beteiligten Fachabteilungen, dem Pflegepersonal und dem präklinischen Personal erfordert dabei ein Höchstmaß an gegenseitiger Abstimmung, wobei sich die horizontale Kommunikation als effizienteste Form der interdisziplinären Zusammenarbeit herausgestellt hat. Regelmäßige Treffen (“Schockraumzirkel”) aller im Schockraum tätigen Fachdisziplinen zur Besprechung von Problemen und Verbesserungspotential sind für effektive Behandlungsabläufe schwerverletzter Patienten essentiell.

Telefonreanimation

Referent: Achim Hackstein

Seit den Anfängen des Rettungswesens stellen wir fest, dass die Gruppe der Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand alleine schon aufgrund des Zeitfensters bis zum Eintreffen des ersten Rettungsmittels schlechte Prognosen haben. Verschiedene Veröffentlichungen haben immer wieder deutlich gemacht, dass nur die Leitstelle durch eine schnelle Intervention diese Prognose verbessern kann. Mit Veröffentlichung der „ERC-Guidlines 2010“ wurde die telefonische Reanimationsunterstützung plötzlich ein Thema in den Leitstellen. Die Umsetzung alleine der Rea am Telefon reicht aber nicht aus, wird auch nicht funktionieren. Erst die Kombination mit der „standardisierten Notrufabfrage“ bringt den gewünschten Effekt, die Zielgruppe der Patienten mit einem „Herz-Kreislauf-Stillstand“ schon am Telefon zu erkennen. Mit Wegfall des Zwangs zur Beatmung haben sich auch die Erklärungen am Telefon deutlich vereinfacht, so dass diese Maßnahme von jedem Disponenten ohne langes Training umgesetzt werden kann. Allerdings müssen geeignete Protokolle vorhanden sein und deren Anwendung bedarf der ständigen Auswertung des Notrufdialoges. Der Vortrag hat das Ziel, die Abhängigkeiten zwischen den Standards zur Notrufabfrage und der in den Guidlines geforderten Reanimation am Telefon nachvollziehbar aufzuzeigen. Er soll motivieren, dies auch in der eigenen Leitstelle möglichst zeitnah umzusetzen und bietet dafür anhand von Fallbeispielen in der Praxis erprobte Umsetzungshilfen an.

Patientenverfügung in der Notfallmedizin - rechtliche Aspekte

Referent: Ralf Tries

Der mit demographischen Veränderungen, einem Anstieg der Krebsinzidenz und einer Zunahme chronischer Erkrankungen ohne Hoffnung auf Heilung einhergehende medizinische Fortschritt führt immer häufiger zu der Frage: Wann und wie darf ein Patient sterben?

Ziel des Vortrages ist, dem Rettungsdienst, Pflegekräften und Angehörigen die Angst vor einer Strafverfolgung zu nehmen. Diese Angst verursacht häufig einen entscheidungshemmenden Immobilismus zum Nachteil sterbender Patienten.

Eine medizinische Versorgung gegen den Willen eines Patienten ist unzulässig. Kann der Patient seinen Willen krankheitsbedingt nicht mehr äußern, muss dieser gemutmaßt werden. Maßstab der Mutmaßung ist, was der jeweilige Patient in seiner speziellen Lage ausweislich früherer Erklärungen, seiner Wertvorstellungen, seiner religiösen Überzeugung und altersbedingten Lebenserwartung erwartet. Im Rahmen der präklinischen Notfallversorgung dominieren allerdings  rein medizinische, vorrangig auf eine Lebenserhaltung ausgerichtete Überlegungen, da der bis dahin unbekannte Patient unter Zeitdruck zu behandeln ist. Die Konsequenzen einer Patientenverfügung kann der Rettungsdienst zumeist nicht prüfen.

Es liegt in der Verantwortung des Patienten und der ihn Pflegenden, ein Sterben in Würde frühzeitig und möglicherweise dann ohne Alarmierung des Rettungsdienstes vorzubereiten.

Weitere Informationen finden Sie auf www.notfallsymposium.de.

 

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