„Crashkurs“ der Polizei zur Unfallprävention - Bereits 10.000 Teilnehmer in NRW

In regelmäßigen Abständen veranstaltet die Polizei  im Rhein-Kreis Neuss sogenannte „Crashkurse“. Diese richten sich an junge Leute (ab 16 Jahren) und Fahranfänger und finden im Jahresturnus in den Neusser Schulen statt. Wie erfolgreich das Ganze ist, zeigt sich darin, dass im Juli im Berufskolleg für Wirtschaft und Informatik in Neuss bereits der zehntausendste Teilnehmer verzeichnet wurde. Weitere Bilder finden Sie in unserer Bildergalerie.

„Crashkurs“ der Polizei zur Unfallprävention - Bereits 10.000 Teilnehmer in NRW

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Während eines „Crash-Kurses“ werden die jungen Leute auf emotionaler Ebene für eine vernünftige und sichere Teilnahme am Straßenverkehr sensibilisiert. Im Rahmen eines Bühnenprogramms berichten Rettungsassistenten, Polizisten, Feuerwehrleute und Notfallseelsorger über Unfälle, die sie selbst erlebt haben. Verdeutlicht werden diese Erlebnisse durch echtes und  ungeschöntes Bildmaterial. Es werden auch Videos gezeigt, die die verheerenden Konsequenzen von leichtsinnigem Verhalten im Straßenverkehr veranschaulichen. Vor allem aber durch die realen Beispiele aus der jeweiligen Region, in der die Veranstaltung stattfindet, lässt das Thema keinen kalt.

Feuerwehr Neuss betrachtet "Crashkurs" aus Teilnehmerpersepktive

Am 20.09.2013 haben wir uns, die Feuerwehr Neuss, eine solche Veranstaltung mal aus der Perspektive der Teilnehmer angesehen, und der folgende Erlebnisbericht beschreibt unsere Eindrücke:

Freitagmorgen, 9:30 Uhr, herbstliches Wetter. Ich treffe mich mit der Polizistin Sabine Porrio von der Dienststelle der Verkehrsunfallprävention/Opferschutz der Neusser Polizei im Nelly-Sachs-Gymnasium. Die Beamtin begrüßt mich in ziviler Kleidung und wird auch den Schülern zunächst so begegnen. Diese sollen sie als Menschen wie du und ich kennenlernen. Später, auf der Bühne beim Vortrag, wird dann Uniform getragen.

„Mythos der eigenen Unverletzbarkeit“ oder „Das passiert nur den Anderen“

Nachdem sich die Aula nahezu komplett gefüllt hat, macht sich eine erwartungsvolle Stimmung breit. Die Schüler unterhalten sich, lachen und sind nicht wirklich leise. Die Polizistin - nun mit neongelber Uniformjacke- beginnt die Veranstaltung auf der Bühne mit einem recht kargen aber zweckmäßigen Bühnenbild und der Aufforderung an die Schüler, mal ihre Lebensträume auf Ballons zu schreiben. Diese werden an einer Leine aufgehängt und sollen am Schluss der Veranstaltung noch eine wichtige Bedeutung bekommen.
Es folgen Daten und Fakten. Aus der Altersgruppe von 15-24 Jahren, zu der auch die hier anwesenden Schüler gehören, verursacht statistisch z.B. jeder 4. einen Verkehrsunfall mit mehr oder weniger schweren Folgen. Ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes schildert anschließend als erster recht plastisch seine Erlebnisse von einem schweren Verkehrsunfall auf dem Willy-Brandt-Ring in Neuss. Bei diesem Unfall infolge zu hoher Geschwindigkeit ist ein im Fahrzeug eingeklemmter Verkehrsteilnehmer verstorben. Die Mutter des Verunfallten musste zwei Tage später mit „Broken-Heart-Syndrom“ im Krankenhaus behandelt werden. Die Botschaft ist klar: Unterlasse riskantes Fahren, denk an dich und die anderen Verkehrsteilnehmer, denk aber auch an deine Angehörigen, die auch mit den Folgen eines von dir verschuldeten Unfalls leben müssen.

„Sorgt dafür, dass Eure Lebens- und Zukunftsträume nicht zerplatzen“

Verschiedene nachgestellte Schockvideos und Berichte mit anschließenden Appellen (Nicht ablenken lassen, Anschnallen etc.) kommen zum Einsatz. Die Stimmung unter den Schülern  wird deutlich ruhiger und nachdenklicher. Die Gesichter vieler Schüler spiegeln das eben Gesehene wider. Nicht jeder kann das Gesehene direkt verarbeiten und einzelne verlassen sogar die Veranstaltung, weil sie sich überfordert fühlen. Es geht jedoch darum, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und gerade diejenigen Personen zu erreichen, die eine Warnung gerne mal in den Wind schlagen oder meinen, dass diese nur für andere gelte.
Besonderen Eindruck gemacht haben sicher auch die Schilderungen der Kollegin von der Notfallseelsorge. Ihr obliegt  im schlimmsten Fall die schwierige Aufgabe, Eltern beispielsweise zu erklären, dass ihr Kind verstorben ist. Auch sie appelliert nachdrücklich an die Schüler, sich umsichtig und vorsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Die Ausführungen kommen -trotz Mikrofonausfalls- bei den Schülern offensichtlich an, denn es ist inzwischen mucksmäuschenstill im Raum.
Gegen Ende der Veranstaltung werden Bilder von Unfällen gezeigt, welche mit einem Lied der Band „Unheilig“ (Geboren um zu leben) unterlegt sind. Nach diesen Eindrücken kommen nun die am Anfang von den Schülern mit Lebensträumen beschriebenen Luftballons zur Geltung. Symbolisch für alle Ballons lässt die Polizeibeamtin Porrio unvermutet einen großen Ballon in der Mitte platzen. Viele Schüler erschrecken sich. Die auf diese Weise nachdrücklich unterstrichene Aufforderung lautet: „Sorgt dafür, dass Eure Lebens- und Zukunftsträume nicht zerplatzen“.

Erfolgreiche Crashkurse

Damit ist die Veranstaltung beendet. Das Licht geht wieder an, und die Schüler drängen nach draußen. Mit ihnen weicht zwar auch ein Teil der bedrückenden Stimmung. Ein genügend großer Rest davon bleibt jedoch in den Köpfen der Schüler und wird sie weiter beschäftigen. Eine Warnung, eine Mahnung. Achten die Schüler künftig auf angepasste Geschwindigkeit und verhalten sie sich vorsichtig, so verhindert dies aktiv Unfälle. Jeder durch ein solches Bewusstsein vermiedene Unfall ist ein direkter Erfolg dieser Veranstaltung!
Ein herzliches „Dankeschön“ gilt  den Kollegen von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Notfallseelsorge sowie dem Nelly-Sachs-Gymnasium für sein Engagement.

Weitere Bilder finden Sie in unserer Bildergalerie.

Text: Frank Lambertz/Feuerwehr Neuss

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