Angebliche Skandale auf Facebook: Wie ein unüberlegter Post zur Straftat wird

Gütersloh | am 18.02.2016 - 14:40 Uhr | Aufrufe: 721

In Sozialen Netzwerken verbreiten sich Nachrichten blitzschnell. Neuigkeiten, Nachrichten, gerne auch angebliche Skandale werden zunehmend völlig unreflektiert gepostet, geliked und geteilt. Mit fatalen Folgen!

Symbolbild ComputerDie Polizei Gütersloh schildert in einer Pressemeldung folgenden Vorfall:

Am Freitagnachmittag (05.02.) wurde der Polizei bekannt, dass eine 24-jährige Frau aus Halle in einer örtlichen Facebook-Gruppe ein angebliches Raubdelikt gepostet hatte. . Die Geschädigte gab in dem Chat an, dass sie am Montag (01.02., 17.30 Uhr) auf dem Parkplatz eines großen Einkaufsmarktes an der Gartenstraße angeblich Opfer eines versuchten Handtaschenraubes geworden war. Dabei sei sie auch verletzt worden. Danach habe die 24-Jährige die Polizeiwache in Halle aufgesucht, war hier aber wieder weggeschickt worden.

Diesen Sachverhalt teilte sie über Facebook mit und postete dazu ein Foto ihrer einer geschwollenen Lippe, die ihr einer der mutmaßlichen Täter zugefügt hatte.

Polizei ermittelt und sucht angebliches Opfer

Nach Bekanntwerden dieser Straftat wurde am Freitag (05.02.) umgehend von Amts wegen eine Strafanzeige wegen Raubs gegen Unbekannt aufgenommen. Weiterhin nahmen die ermittelnden Polizeibeamten Kontakt zu der Frau auf und baten sie, zwecks weiterer polizeilicher Maßnahmen zur Polizeiwache zu kommen.

Trotz ihrer Zusage erschien die 24-Jährige jedoch nicht. Auch einer schriftlichen Vorladung zu ihrer zeugenschaftlichen Vernehmung folgte die Frau nicht.

Parallel dazu wurden in der Polizeiwache Halle Ermittlungen dahingehend geführt, ob die 24-Jährige am Montag (01.02.) tatsächlich auf der Polizeiwache erschienen war. Dies ist jedoch definitiv auszuschließen - die Frau ist nicht bei der Polizei zwecks Erstattung einer Anzeige erschienen. Auch die Beschreibung des Polizeibeamten, von dem sie angeblich abgewiesen worden war, ist keinem der zu dem Zeitpunkt diensthabenden Beamten zuzuordnen.

Verfahren wegen Vortäuschens einer Straftat?

Der Ermittlungsvorgang wurde zwischenzeitlich der zuständigen Staatsanwaltschaft in Bielefeld zugesandt. Es soll dort geprüft werden, ob gegen die 24-jährige Frau ein Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet werden soll.

In diesem Zusammenhang ein paar grundsätzliche Anmerkungen: Facebook, WhatsApp, Twitter und andere soziale Netzwerke sind beliebte Kommunikationsplattformen, die nahezu altersunabhängig von großen Teilen der Bevölkerung genutzt werden. Per Mausklick können Kontakte völlig unkompliziert und über größere Entfernungen gepflegt und Nachrichten ausgetauscht werden. Eigentlich eine tolle Sache, die aber auch erhebliche Gefahren mit sich bringt.

Polizei über Social-Media-Verhalten besorgt

Seit einigen Monaten stellt die Polizei im Kreis Gütersloh mit großer Sorge eine bestimmte Entwicklung im Social-Media-Verhalten einiger User fest:

Neuigkeiten, Nachrichten, gerne auch angebliche Skandale werden zunehmend völlig unreflektiert gepostet, geliked und geteilt. Oftmals habe die Nutzer dabei gute Absichten. Sie wollen ihre Community warnen und so vor möglichem Schaden schützen.

Auf diese Weise verbreiten sich dann sehr schnell Nachrichten, die oftmals geeignet sind, die Menschen zu verunsichern oder zu ängstigen. Schlimmer noch: Diese "Neuigkeiten" entbehren oft jeglicher Grundlage!

Unüberlegte Meldungen haben fatale Folgen

Beispiele: In den vergangenen Wochen waren es Posts zu einem angeblich verstorbenen Flüchtling in Berlin oder der Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens, ebenfalls in Berlin.

Bei beiden Ereignissen handelt es sich um bloße Falschmeldungen! Im Fall des toten Flüchtlings wollte sich derjenige, der diese Lügen verbreitet hat, lediglich einen Scherz erlauben.

Es ist verständlich, dass sich solche Nachrichten blitzschnell in den sozialen Netzwerken verbreiten. Die Kreispolizeibehörde Gütersloh bittet daher die Öffentlichkeit: Verbreiten Sie nicht alle Nachrichten, die Sie auf Facebook, Twitter, WhatsApp usw. erhalten.

Falschmeldungen wie diese sollen Menschen gezielt verunsichern. Unüberlegte Posts oder gar bewusste Hetze im Internet können Straftaten darstellen!

Prüfen Sie den Inhalt der Nachricht, bevor Sie den Beitrag liken oder teilen. Wer ist der Verfasser der Nachricht, kennen Sie die Person?

Wenn Sie eine Nachricht erhalten, die Sie sorgt, wenden Sie sich an die Polizei und hinterfragen Sie den Sachverhalt. Vielleicht haben Sie einen Polizeibeamten oder eine Polizeibeamtin im Bekanntenkreis, sprechen Sie diese an. Gehen Sie auf Polizisten zu, die Sie auf der Straße sehen oder wenden Sie sich persönlich, telefonisch oder per E-Mail an die nächste Polizeidienststelle.

Quelle: Polizei Gütersloh

Bild: retter.tv Symbolbild

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