Fachtagung: Burnout und Gesund führen

Andernach | am 23.11.2012 - 14:08 Uhr | Aufrufe: 1213

Häufig fühlen sich Beschäftigte im Beruf nicht wohl, sind gestresst, erschöpft, psychisch belastet – nicht selten hört sie beim Arztbesuch dann vom sogenannten Burnout-Phänomen. Was ist das für eine Erscheinung, wie erkenne ich Symptome und vor allem, wie kann ich dem gegenwirken? Mit dieser Frage beschäftigen sich rund 120 Führungskräfte der Polizei aus dem ganzen Bundesland auf der Fachtagung „Burnout und Gesund Führen", zu der die Unfallkasse Rheinland-Pfalz und das Innenministerium Rheinland-Pfalz nach Andernach eingeladen hatten.

Fachtagung: Burnout und Gesund führen

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„Das Phänomen Burnout ist kein eindeutig zu fassender Begriff,“ erläuterte Sonja Wittmann, Arbeitspsychologin der Unfallkasse und Leiterin der Fachtagung. Burnout selbst sei keine anerkannte Krankheit im Sinne einer klinischen Diagnose. „Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Zustand ‚normaler‘ Personen. Er ist gekennzeichnet von Erschöpfung, negativem Stresserleben, reduzierter Motivation und gestörter Einstellung bezüglich der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach und kann bei dem betroffenen Menschen lange unbemerkt bleiben“, führt Sonja Wittmann eine Experten-Definition an. Sie ist eine von vielen Erklärungsmodellen, die etwas Klarheit ins Thema Burnout bringen. „Ein besonderes Augenmerk legen wir in unserer heutigen Veranstaltung auf ‚Gesundes Führen‘“, so die Arbeitspsychologin und leitete damit zum nächsten Beitrag über.

„Wer von Ihnen hat sich heute schon gesund verhalten?", fragte Dr. Anne Katrin Matyssek zu Beginn ihres Podiumsbeitrags die Tagungsbesucher. Sie sprach damit keine großen Gesundheitsprogramme an, sondern zielte mit ihrer Frage auf die vielen kleinen, die Stimmung hebenden Glücksmomente und Rituale sowie den positiven Umgang mit sich selbst an. „Was kann ich für die Gesundheit meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tun? Aber auch, was kann ich für mich selbst tun? Stellen Sie sich diese Fragen", richtet sich Diplom-Psychologin Matyssek an das Publikum. „Führung und Gesundheit hängen eng zusammen. Von dieser Verknüpfung profitierten alle, und zwar von der Führungsebene nach unten, aber auch nach oben", so die Expertin für „Gesund Führen" weiter. Nach der Philosophie „Schluss mit kranken und krank-machenden Chefs, das Miteinander gesund gestalten, gesunde Kommunikation, Abschalten lernen, Stärken des Selbstwertgefühls und einer stabilen Stimmung" gab Dr. Anne Katrin Matyssek in wertschätzender Weise den Führungskräften der Polizei Denkanstöße verpackt in humorvolle Beispiele.

„Meine Leute sollen genug Sport machen und sich gescheit ernähren. Das langt!" oder „Was sollen wir denn sonst noch alles machen?! Jedes Jahr wird ’ne andere Sau durchs Dorf getrieben!" wirft Matyssek Zitate von Führungskräften bei der Polizei in die Diskussion. Die Führungskultur sei dort manchmal hart, aber herzlich. Da noch immer männerorientiert, wollen sich viele stark zeigen, Psychisches passe nicht immer selbstverständlich dazu. Doch es zeige sich ein Trend zur Veränderung, wie es auch ein Teilnehmer mit einer Äußerung seines Mitarbeiters auf den Punkt bringt: „Mein Chef hat mir bei meiner Erkrankung eine ganz persönliche Karte geschrieben, ohne Standardtext." „Das zeigt, wie wichtig es ist, dass das Interesse der Führungskräfte ehrlich rüberkommt und nicht als Floskel empfunden wird", sagt Matyssek. „Bei der Polizei steht oftmals die Sachaufgabe im Fokus, doch bei der Führung ist das Kümmern, die Beziehungsaufgabe ein weitaus wichtigerer Weg zur Arbeitszufriedenheit und zum Senken der Fehlzeiten", zitiert Matyssek aus einer Studie von Professor Nieder.

„Ich fühle mich inspiriert und gestärkt von dieser Veranstaltung", verabschiedete sich ein Großteil der Teilnehmenden und bestätigte damit den Initiatoren, dass sie ihnen die richtigen Informationen und Instrumente für die Praxis mit auf den Weg gegeben haben.

Quelle: Unfallkasse Rheinlandpfalz

 

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