„Contergan“: Pharma-Unternehmen entschuldigt sich nach 55 Jahren

Deutschland | am 01.10.2012 - 10:22 Uhr | Aufrufe: 1575

Anfang der sechziger Jahre kam es zu einer schrecklichen Folge  schwerer Gesundheitsstörungen nach Medikamenteneinnahme. Kinder wurden mit gravierenden Missbildungen geboren. Fehlende Gliedmaßen, Missbildungen an den Augen, der Speiseröhre und des Darmtraktes wurden vermehrt diagnostiziert.

In 2009 sollte eine große Impfaktion gegen Schweinegrippe durchgeführt werden. Doch diese Impfung wurde von vielen Ärzten nicht empfohlen sondern sogar abgelehnt. Ein solches Vorgehen könnte durchaus berechtigt sein, denn die schnelle Entwicklung von Medikamenten  versetzt uns Menschen immer wieder in Verwunderung- so auch im Fall der Präparate gegen die sogenannte Schweinegrippe. Die Entwicklung und Markteinführung von Celvapan und Pandemrix ging so schnell,dass man glauben könnte die Hersteller wären gegen mögliche Fehler gefeit.

Nur wenige Ärzte warnten vor dem Schlafmittel

Dem scheint nicht immer so zu sein. Immer wieder kommt es vor dass die falsche Richtung eingeschlagen wird. So zum Beispiel ab 1957. Tausende Kinder kamen mit schweren Missbildungen zur Welt. Es hätten leicht zehntausende oder mehr werden können, hätten nicht ein paar Ärzte, vor einem in dieser Zeit neuen Schlafmittel gewarnt.

Es begann mit Thalidomid, von einem Westdeutschen Unternehmen entwickelt, und ab 1957 in Deutschland erstmals auf den Markt gebracht. Dieses Mittel gegen Schlafstörungen wurde zunächst frei, später dann als rezeptpflichtiges Beruhigungs- und Schlafmittel in Deutschland verkauft. Wegen seiner positiven Eigenschaften galt es als das beste Schlafmittel seiner Zeit. Auch andere Länder zeigten Interesse. Nach England wurde das Produkt als Distaval, und nach Portugal als Softenon verkauft. In Kanada wurde Thalidomid unter dem Namen Talimol hergestellt und vertrieben.

„Contergan“ an Missbildungen schuld

Zeitgleich suchten deutsche Wissenschaftler nach einer Erklärung für das Ansteigen von Phokomelie. Ein Hamburger Kinderarzt fand schließlich heraus, dass ungefähr zwanzig Prozent aller Mütter währen der Schwangerschaft das Schlafmittel „Contergan“ eingenommen hatten. Ähnliche Erfahrungen wurden dem Hersteller auch von einigen anderen Medizinern mitgeteilt. Diese Erkenntnisse, und der Verdacht, dass „Contergan“an den Missbildungen vieler Neugeborener schuld sein könnte, trugen dazu bei, dass Thaliomid vom Markt genommen wurde.

Pharma-Unternehmen entschuldigt sich nach 55 Jahren

Ein paar Ärzte sagten nein, sonst wären vermutlich Zehntausende Kinder mit Missbildungen auf die Welt gekommen. Wenn Nebenwirkungen und mögliche Komplikationen bei Medikamenten nicht hinreichend bekannt sind, so  ist es nicht verwunderlich, dass gewissenhafte Mediziner  nur distanziert oder gar nicht an die Verordnung dieser Mittel herangehen.  Verwunderlich dagegen schon,  ist der Sachverhalt, dass ein Medikamentenhersteller, dessen Schlafmittel unzähliges Leid bei Müttern, Vätern und insbesondere bei den Geschädigten selbst angerichtet hat, erst nach sechzig Jahren dazu in der Lage ist eine Entschuldigung auszusprechen.

Bild: retter.tv Archivbild

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