BOS-Sprechfunkverkehr abhören im Straßenkaffee: Helfersyndrom oder Sensationsgier?

Göppingen | am 05.05.2012 - 09:15 Uhr | Aufrufe: 15363

Das Verhalten mancher Angehörigen diverser Hilfsorganisationen  gibt Grund zur Sorge. Dabei wird nicht nur die Arbeit von Rettungsdiensten behindert – offensichtlich wird auch gegen bestehende Gesetze verstoßen. 

Digitalfunk SymbolbildIn frecher Manier wird der Sprechfunkverkehr der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben vorbehalten ist, inmitten zahlreicher Gäste in einem Straßenkaffee abgehört.

Ein schöner Frühlingstag, ich mache eine Ausfahrt mit meinem Motorrad. Fahrziel ist die Stadt Göppingen in Baden Württemberg. Eine vertraute Umgebung, der Ort meines beruflichen Wirkens als Rettungsassistent.

Am Nachbartisch sind Funkverkehr und Melderschleifen zu hören

Am Ziel angekommen, eine kleine Kneipe mit Außenbewirtschaftung, mitten in einer belebten Fußgängerzone. Ich genieße Speisen und Getränke, und lasse mich von der Sonne verwöhnen. In einem entspannten, eher schon leicht schläfrigen Zustand, glaubte ich Rufmelder-Signale und Funkgespräche zu hören. Na ja, haste wohl ein bisschen geträumt, nicht so schlimm, und ich begebe mich wieder den Zustand tiefster Entspannung. Funkverkehr und Melderschleifen sind wieder zu hören. Ich versuche den Ort der Geräuschkulisse zu lokalisieren. Gesprächsinhalte und auch Funkmeldersignale  kommen aus der Einkaufstasche eines Herrn am Nebentisch. Seinen Begleiterinnen moderiert er einen laufenden Feuerwehreinsatz. Meine Frage ob er den BOS-Sprechfunkverkehr abhören würde bejahte er. Als Begründung gab er an, dass er wissen müsse was die Kollegen gerade machen. Hinzu kam die Frage ob denn die Lautstärke zu hoch wäre.

Der besagte Mensch ließ sich nicht stören, und war weiter in die Gesprächsinhalte des Einsatzfunkverkehrs vertieft. Das gesetzwidrige Verhalten habe ich der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle gemeldet, die jedoch keine Verwendung für diese Information hatte. Dieses Gespräch wurde von der Person  wahrgenommen, die sich dann zügig, nebst Begleiterinnen entfernte.

Abschließend möchte ich zu erkennen geben, dass ich diesen Menschen aus diversen Medien kenne. Als Mitglied einer Rettungshundestaffel kommt der Mann regelmäßig zum Einsatz.

Helfersyndrom oder Sensationsgier?
Ordnungswidrigkeiten und strafbare Handlungen?
Die Antworten überlasse ich den Lesern.

Textautor: Alfred Brandner
Bild: retter.tv Archivbild 

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