Caritas – Not sehen und handeln

Deutschland | am 19.07.2011 - 14:28 Uhr | Aufrufe: 1570

Caritas ist der größte Wohlfahrtsverband Deutschlands und organisiert die soziale Arbeit der katholischen Kirche. Der Leitspruch des Verbandes lautet: Not sehen und handeln. In Deutschland beschäftigt Caritas 500.000 hauptamtliche Mitarbeiter, hinzu kommen außerdem 500.000 Ehrenamtliche.

Geschichte

caritas.pngDer junge Priester Lorenz Werthmann gründete am 9. November 1897 in Köln den "Charitasverband für das katholische Deutschland". Das Engagement für Menschen in sozialer Not war schon damals vielfältig. Der Verband setzte sich für Saisonarbeiter, Seeleute, Tippelbrüder, Trinker, Körper- und Geistigbehinderte, Geschlechtskranke ebenso ein wie für Kindergärten, Fürsorgeerziehung, Mädchenschutz, Krankenpflege und Frauenfragen.

Der Anfang des 20. Jahrhunderts bedeutete für den Verband die Schaffung zukunftsfähiger Strukturen. Der Erste Weltkrieg brachte die Menschen in Deutschland in Notsituationen und legte ebenso die Schwächen bezüglich der Infrastruktur, Finanzplanung und Aufgabenkonzeption offen. 1916 legitimierten die deutschen Bischöfe den Caritasverband als Sozialdienst der katholischen Kirche und sicherten ihm ihre Förderung zu.

Fünf Jahre später starb der Gründungspräsident Lorenz Werthmann. Sein Nachfolger wurde Präsident Benedict Kreutz. Der Verband hatte nun eine feste organisatorische Basis. Außerdem wurde ein beachtliches Netz an Ausbildungsstätten für soziale Berufe und Fortbildungsmöglichkeiten in den Schwerpunktbereichen der Kinder- und Jugendfürsorge, der Krankenpflege und der Seelsorgehilfe für die Mitarbeiter des Verbandes geschaffen.


Im Dritten Reich endete mit dem Jahr 1933 die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Staat und freien Wohlfahrtsverbänden. Die Caritas blieb aber trotz Kontrolle, Überwachung, Einschüchterung und Verhaftung von Mitarbeitern aktiv, was dem vorsichtigen und klugen Verhandeln des Präsidenten Kreutz zu verdanken ist. Damit war der Caritasverband als einzige überregionale Organisation sofort arbeitsfähig und kümmerte sich um die Not leidende Bevölkerung.

Ab Ende der 1950er Jahre wurde Caritas auch im Ausland aktiv. Internationale Not- und Katastrophenhilfe in den Ländern Europas und in der Dritten Welt  gehörte nun zu den Aufgaben.

Die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 führte ebenfalls zu einer erneuten Gründung der Verbände in der ehemaligen DDR und sind seitdem Teil des Deutschen Caritasverbandes. Nachdem der Eiserne Vorhang geöffnet war, engagierte sich der katholische Verband ebenfalls in den Ländern Ost- und Südosteuropas.

Ziele, Themen und Projekte

Die Aktivitäten von Caritas sind ausgesprochen vielfältig. Der Anspruch ist auf offenkundige Not aufmerksam zu machen und verborgene Not aufzudecken, sowie auch die Ursachen zu benennen. Die Einrichtungen der örtlichen Caritasverbände bieten direkt Hilfe an. Die Mitarbeiter engagieren sich in Altenpflegeheimen und Kindergärten, Krankenhäusern und Sozialstationen, Behinderten- und Jugendheimen, Familien- und Flüchtlingsberatungsstellen.

Der Caritasverband nimmt außerdem Einfluss auf politische Entscheidungen, zum Beispiel auf die Gestaltung der Sozialgesetzgebung oder der Rahmenbedingungen für soziale Arbeit in Deutschland und der Europäischen Union.

Mehr als 25.000 Einrichtungen für Gesundheits-, Jugend-, Familien-, Alten- und Behindertenhilfe sowie Einrichtungen für Hilfen in sozialen Notlagen werden von Caritas betrieben. Jährlich werden mehr als 9,7 Millionen Menschen betreut.

Nicht nur im Inland, auch im Ausland ist der Caritasverband aktiv und organisiert mit der Abteilung Caritas international die weltweite Katastrophen- und Unfallhilfe.

Struktur und Aufbau

Gegliedert ist der Verband in 27 Diözesan-Caritasverbände, 636 Dekanats-, Bezirks-, Orts- und Kreis-Caritasverbänden und Sozialberatungsstellen, in 18 caritativen Fachverbänden wie zum Beispiel im Malteser-Hilfsdienst und in 262 Ordensgemeinschaften und Vereinigungen.

Die Mitarbeiter der Caritas verteilen sich auf weit über 20.000 Beratungsstellen, Sozialstationen, Heime usw. Diese sind rechtlich selbständig und können ihre Angebote entsprechend den Bedürfnissen vor Ort gestalten.

Präsident des Deutschen Caritasverbandes ist Prälat Dr. Peter Neher.


Caritas ist international aktiv

Nicht nur in Deutschland, sondern auch international ist der Caritasverband engagiert. Die MitarbeiterInnen setzen sich in mehr als 200 Ländern für Solidarität und soziale Gerechtigkeit und gegen  Diskriminierung, Gewalt, Intoleranz und Armut ein.

Caritas Internationalis ist der internationale Dachverband, in welchem der deutsche Caritasverband Mitglied ist.

In dem internationalen Caritas-Netzwerk sind 162 katholische Organisationen aktiv, in nahezu 200 Ländern und Regionen dieser Erde. Caritas Internationalis hat seinen Sitz in Rom.

Weitere Informationen zu Caritas finden Sie auch direkt auf der Homepage des Wohlfahrtsverbands.

Bild: Caritas

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