DBRD: Stellungnahme zur staatlichen Prüfung für Notfallsanitäter

Offenbach a. d. Queich | am 11.03.2014 - 09:25 Uhr | Aufrufe: 590

Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst (DBRD) geht davon aus, dass in einigen Bundesländern die staatlichen Prüfungen und staatlichen Ergänzungsprüfungen nicht nach den Vorgaben der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäter durchgeführt werden.

AlternativDer DBRD nimmt mit großer Sorge wahr, dass in einigen Bundesländer die staatlichen Prüfungen und staatlichen Ergänzungsprüfungen nicht nach den Vorgaben der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (APrV) für Notfallsanitäter durchgeführt werden oder durchgeführt werden sollen. Daher wendet sich der Vorstand, Beirat und Ärztliche Beirat des DBRD mit einer Stellungnahme an die zuständigen Behörden:

Mündliche Prüfung:

Beim mündlichen Teil der Ergänzungsprüfung gem. § 18 NotSan-APrV ist der Prüfling für 30 bis 40 Minuten in folgenden Bereichen zu prüfen:

1. Kommunikation und Interaktion mit sowie Beratung von hilfesuchenden und hilfebedürftigen Menschen unter Berücksichtigung des jeweiligen Alters sowie soziologischer und psychologischer Aspekte,

2. Handeln im Rettungsdienst an Qualitätskriterien ausrichten, die an rechtlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen orientiert sind,

3. bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken, lebenserhaltende Maßnahmen und Maßnahmen zur Abwendung schwerer gesundheitlicher Schäden bis zum Eintreffen der Notärztin oder des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung durchführen.

Praktische Prüfung:

Beim praktischen Teil der Ergänzungsprüfung gem. § 19 NotSan-APrV hat der Prüfling zwei und innerhalb der staatlichen Prüfung vier Fallbeispiele als Teamleiter zu absolvieren.

Begründung:

Der Prüfling hat nachzuweisen, dass er in der Lage ist, die Aufgaben der Notfallversorgung gem. § 4 NotSanG auszuführen.

Zudem hat der Prüfling bei den vorgegebenen Fallbeispielen die anfallenden Aufgaben einer fachgerechten notfallmedizinischen Versorgung einschließlich

1.der Einschätzung der Gesamtsituation,

2.der Erstellung einer Arbeitsdiagnose,

3.des Umgangs mit medizinisch-technischen Geräten,

4.der Durchführung von Sofort- und erweiterten Versorgungsmaßnahmen,

5.der Dokumentation sowie,

6.soweit erforderlich, der Herstellung der Transportbereitschaft und der Übergabe der Patientin oder des Patienten in die notärztliche Versorgung zu übernehmen.

Zudem hat der Prüfling nach jedem Fallbeispiel im Rahmen eines Fachgespräches sein Handeln zu erläutern und zu begründen sowie die Prüfungssituation zu reflektieren.

Die Dauer der praktischen Prüfung dauert mindestens 20 Minuten und höchstens 40 Minuten.

Die Prüfungskommission kann den Prüfling daher nur bewerten, wenn er eigenverantwortlich diese Tätigkeiten als Teamleiter durchführt. Somit hat ein Team aus zwei Prüflingen insgesamt vier (staatliche Ergänzungsprüfung) bzw. acht (staatliche Prüfung) Fallbeispiele zu absolvieren. Sehr deutlich wird dies auch in der Begründung zu § 17 NotSan-APrV in der Bundesrat Drucksache 728/13 vom 16.10.2013:

Forderungen, die praktische Prüfung in Form einer Teamarbeit mit wechselnder Teamführerschaft zu regeln, ist nicht entsprochen worden. Die praktische Prüfung erstreckt sich auf vier Fallbeispiele, die das anfallende Aufgabenspektrum möglichst breit abdecken sollen. Der Prüfling hat dabei zu zeigen, dass er in jedem dieser Bereiche der Verantwortung einer Notfallsanitäterin oder eines Notfallsanitäters als Teamführerin oder Teamführer am Einsatzort gerecht wird. Dieser Nachweis kann nicht erbracht werden, wenn jeder Prüfling lediglich in zwei Fallbeispielen als Verantwortlicher agiert. Zudem stellt sich in einer solchen Teamsituation die Frage der Bewertung des Prüfungsgeschehens, insbesondere wenn Fehler gemacht werden. Hier wäre unter Umständen nicht eindeutig festlegbar, wem diese zuzurechnen sind.

Durch den Verweis im Kommentar zu § 19 der NotSan-APrV wird klargestellt, dass dies auch auf die Ergänzungsprüfung anzuwenden ist.

Vor allem dieser Teil der Prüfungen wird derzeit offensichtlich nicht eingehalten. Die NotSan-APrV wird umgangen und Prüflinge im Team bewertet, was nicht zulässig ist.

Wir bitten die Behörden dieses Vorgehen umgehend abzustellen und für Aufklärung zu sorgen.

Anmerkung: Um die Lesbarkeit der Informationen zu erleichtern, wird bei Personenbezeichnungen i.d.R. die männliche Form verwendet. Es sind jedoch jeweils männliche und weibliche Personen gemeint.

Der DBRD ist die berufsständische Vertretung des deutschen Rettungsfachpersonals. Wir treten ein für eine Verbesserung der präklinischen Versorgung aller dem Rettungsdienst anvertrauten Patienten, nach derzeit geltendem wissenschaftlichen Stand und den jeweils aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften, Verbesserung und Vereinheitlichung der Aus- und Fortbildung des Rettungsfachpersonals, Etablierung und Unterstützung von geeigneten zertifizierten Kurssystemen, Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und der Außendarstellung des Rettungsdienstes, Unterstützung und Durchführung von Forschungsprojekten zu notfallmedizinischen und rettungsdienstlichen Fragestellungen sowie die Verbesserung der Schnittstellenproblematiken mit Kliniken, Feuerwehr, Polizei, Arztpraxen und Notdiensten.

Offenbach a. d. Queich, den 10.03.2014

Für den Vorstand, Beirat und Ärztlichen Beirat

Marco K. König

1. Vorsitzender

 

Weitere Informationen zur Stellungnahme des DBRD finden Sie hier.

Quelle Text und Bild: DBRD

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