Düsseldorf: Nach Selbstmord stehen Rettungskräfte vor Gericht

Düsseldorf | am 19.09.2013 - 14:20 Uhr | Aufrufe: 8820

Die Anklage gegen die  Düsseldorfer Retter lautete auf  fahrlässige Tötung. Sie sollen einen Mann, der eine Überdosis eines Antidepressivums geschluckt hatte, nicht ins Krankenhaus gebracht haben.  Doch hatte der Mann seinen Transport in ein Krankenhaus abgelehnt.

Vor Gericht mussten sich der 39-jährige Rettungsassistent und der 24-jährige Rettungssanitäter wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Ein Mann hatte sich im Februar mit einer Überdosis eines Antidepressivums das Leben genommen. Den Rettungskräften wurde nun vorgeworfen, sie hätten nicht erkannt, dass der Mann unter Einwirkung des Medikaments nicht einsichtsfähig gewesen sei und deshalb ablehnte ins Krankenhaus gebracht zu werden. Der Mann ist an der Folgen der Überdosis gestorben. Er hinterlässt einen damals 13-jährigen Sohn.

Weder Puls noch das EKG abnormal

Am Abend des 23. Januar 2011 wählte der Mann den Notruf. Mit schleppender Stimme soll er gesagt haben, er benötige einen Arzt, weil er Tabletten genommen habe, wie rp-online.de berichtet. Die Rettungskräfte wurden sofort zur Wohnung des Patienten geschickt. Der öffnete den beiden die Wohnungstür und klagte über Schmerzen. Weder Puls noch das EKG sei abnormal gewesen, gaben die angeklagten Retter zu Protokoll. Er habe normal mit den Mitarbeitern des Rettungsdienstes gesprochen. So erklärte er ihnen, er habe über den Tag verteilt etwa zehn Tabletten des Antidepressivums Opipramol  zu sich genommen.

Selbstmörder hinterlässt Abschiedsbrief

Die Rettungskräfte schlugen dem Mann vor zur einer genaueren Diagnose mit ins Krankenhaus zu kommen. Doch er lehnte ab. Daraufhin hat der Mann wohl weitere Tabletten geschluckt haben. Später starb der Mann an den Folgen der Überdosis. Seinem Sohn hinterließ er einen Abschiedsbrief. Ein Sachverständiger konnte vor Gericht nicht einschätzen ob der Patient die „Transportverweigerung“ bei klarem Verstand unterschrieb.

Im Zweifel für die Angeklagten – Freispruch noch nicht rechtskräftig

Das Gericht sprach die beiden Rettungskräfte frei. Ihnen könne eine Verantwortung nicht nachgewiesen werden. Sie hätten den Mann schließlich nicht zwingen können, mit ins Krankenhaus zur Behandlung zu kommen.

Erfahren Sie hier mehr zur Anklage gegen die Rettunsgkräfte.

Bild: retter.tv Symbolbild

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