Erlebnisse fürs Leben im SOS-Kinderdorf Worpswede

Worpswede | am 29.12.2011 - 10:49 Uhr | Aufrufe: 1342

Seit einigen Tagen beobachtet Erlebnispädagoge René Möllenkamp einige Jungen im SOS-Kinderdorf, die sich immer weiter anstacheln. Es wird geärgert, getriezt, gerauft. Der ausgebildete Erlebnispädagoge weiß, was zu tun ist. Mit pädagogischen Spielen schafft er es ganz ohne erhobenen Zeigefinger, den Streithähnen zu zeigen, dass es Miteinander meist besser geht als Gegeneinander.

Erlebnisse fürs Leben im SOS-Kinderdorf Worpswede

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René Möllenkamp ist eine Institution im Kinderdorf: er hat immer ein offenes Ohr für die Kinder und Jugendlichen, eine Idee für ein spannendes Spiel. Er leitet den offenen Jugendclub, spielt mit den Kindern Billiard, Verstecken, Basketball – oder auch einmal Puppentheater, wenn es sich anbietet. Darüber hinaus hält er Rücksprache mit den SOS-Kinderdorfmüttern und erfährt so, was gerade ansteht. Ein neues Kind findet keinen Anschluss oder wird gemobbt? Ein paar Jugendliche stacheln sich gegenseitig immer wieder an? Für René Möllenkamp eine Herausforderung, die er mit viel Freude und Bravour meistert. In den vergangenen Jahren hat er sich ein breites Feld an Interaktions- und Rollenspielen erarbeitet, mit denen er auf die jeweiligen Situationen reagieren kann.

Spielerisch begreifen

„Der Vorteil der Erlebnispädagogik ist, dass die Kinder spielerisch begreifen, was gerade falsch oder verkehrt läuft. Im Spiel kann man introvertierte Kinder locken, Aufgaben zu übernehmen und so ihr Selbstbewusstsein stärken oder extrovertierte Kinder von ihrem hohen Ross herunterholen“. Seit 20 Jahren arbeitet René Möllenkamp als Sozialpädagoge im SOS-Kinderdorf Worpswede mit Kindern und Jugendlichen. Die meisten von Ihnen haben Schlimmes durchlebt und tragen einen Rucksack an negativen Erfahrungen und Einflüssen mit sich herum. Für viele ist es schwierig, Vertrauen zu fassen oder sich in eine Gruppe einzufügen. Sein Repertoire ist breit gefächert: „Die Kinder sollen fürs Leben lernen. Es ist wichtig, sie dort abzuholen, wo sie erreichbar sind. Dazu zählen Musik und Kunst genauso wie der sportliche Ausflug in den Kletterpark. Hier lernen die Kinder, sich selbst und anderen zu vertrauen“. Das Wichtigste an seiner Arbeit ist zu reflektieren. Nach jedem erlebten Abenteuer nimmt sich der Erlebnispädagoge Zeit, die einzelnen Erlebnisse mit den Kindern aufzuarbeiten und das Geschehene auch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. „Der Idealfall ist natürlich, wenn die Kinder erfahren, dass die vermeintliche Schwäche des einen etwas Besonderes, etwas Starkes ist. Dann werden aus lächerlichen Hänseleien ganz schnell Anerkennung und Freundschaft“.

Zutrauen zu sich und anderen

Am liebsten geht René Möllenkamp mit den Kindern in die Natur. Abseits der Konsum- und Mediengesellschaft lernen die Jungen und Mädchen, sich und ihre Umwelt zu erfahren – unter professioneller Anleitung. „Sie glauben gar nicht, wie glücklich die Kinder sind, wenn sie es alleine geschafft haben, mit einem Kompass und einer Karte durch den Wald zu navigieren.. Oder was es bedeutet, gemeinsam ein Wochenende bei Wind und Wetter im Zelt übernachtet zu haben. Dieses Wir-Gefühl schweißt zusammen und macht Stark fürs Leben“. Der Mehrwert solcher Freizeitaktivitäten kommt immer durch die Hintertür: beim Kompass-Navigieren lernen die Kinder die Himmelsrichtungen kennen, einem Kanuausflug auf dem Caldonazzosee gehen ein ausgefeiltes Sicherheitstraining und Erste-Hilfe-Übungen voraus und beim Klettern erfahren die Kinder nicht nur alles über Sicherungssysteme, sondern lernen ihre eigenen Grenzen kennen. Für René Möllenkamp das A und O seiner Arbeit: „Erst wenn ich meine eigenen Grenzen kenne, habe ich mich im Griff und kann dann mutig ein Stück weiter auf meiner Lebensleiter gehen“. Und dabei hilft er gerne.

Quelle: SOS-Kinderdorf

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