Interview mit dem Meister des medizinischen Humors, dem MEDI-LEARN Cartoonzeichner Rippenspreizer

Der Cartoonzeichner Rippenspreizer ist bekannt für jede Menge Witz und Komik. In unserem Interview möchten wir von ihm wissen, wieso er sich mit großer Leidenschaft dem Zeichnen von Cartoons der Ärzte- und Rettungsdienstwelt widmet.

Rippenspreizer ist mit seinen vielfältigen MEDI-LEARN Cartoons rund um medizinische Themen, Feuerwehr und Rettungsdienst bei seinen Fans sehr beliebt. Vor allem auf Facebook hat er unzählige begeisterte Anhänger, die ganz gespannt seine Cartoons verfolgen und auf die neuesten Kreationen warten. Auch retter.tv veröffentlicht jeden Freitag einen lustigen Cartoon, mit der freundlichen Unterstützung von MEDI-LEARN. Zum Cartoon der vergangenen Woche geht es hier lang.

1. Könnten Sie sich unseren Nutzern bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Daniel Lüdeling, ich bin 38 Jahre alt und zeichne seit meiner Jugend Cartoons.

Nach meinem Medizinstudium an der Ruhr-Uni Bochum und der Universität Duisburg Essen habe ich 2003 mit der ärztlichen Weiterbildung begonnen und arbeite seit 2008 im Klinikum Bielefeld-Mitte als Facharzt für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin. Zusammen mit meiner Frau, unserer kleinen Tochter und der Beaglehündin Juli wohnen wir seit 2003 in Bielefeld.

2. Wie kommen Sie dazu, sich ausgerechnet der Arzt- und Rettungsdienst-Thematik zu widmen?

Mit dem Beginn meines Zivildienstes im Bielefelder Rettungsdienst 1995 hat sich der thematische Inhalt meiner Cartoons auf meine sanitäts- und rettungsdienstliche Tätigkeit verlagert. Im Studium erweiterte sich das Spektrum und so reflektieren die Cartoons immer auch einen Teil meines Umfeldes oder die Dinge, die mich bewegen.

3. Was finden Sie gerade am medizinischen Humor besonders faszinierend?

Es ist der Humor im Allgemeinen, der mich fasziniert. Die Möglichkeit, mit einigen wenigen Strichen dem Betrachter (oder auch mir selbst) einen Spiegel vorzuhalten, kuriose Besonderheiten oder sogar Missstände auf sympathische Weise abzubilden und Menschen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern ist doch eine tolle Sache, oder?

4. Wann haben Sie angefangen zu zeichnen und können Sie sich noch an Ihre ersten Cartoons erinnern?

In der Startphase unserer Schülerzeitung "Virus" 1987 an der Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh habe ich erste - wenn auch sehr unrunde - Zeichenversuche unternommen. Durch jahrelanges und beharrliches Zeichnen hat sich daraus ab etwa 1990 ein eigener Stil herausgebildet, den ich bis heute weiterentwickle. Die typischen "Knollnasen" sind also etwas jünger als meine zeichnerischen Anfänge.

5. Wie sind Sie eigentlich auf den Namen ‚Rippenspreizer‘ gekommen?

Das war eine eher pragmatische Entscheidung. Ursprünglich entstand der Name "Bluelight" als Ausdruck der schwerpunktmäßig rettungsdienstlichen Cartoons, mit der Zunahme an medizinischen/intensivmedizinischen Cartoons war der Name allerdings nicht mehr ausreichend. Und der Begriff "Rippenspreizer" klang invasiv, derbe, war einfach zu merken und war darüber hinaus auch noch als Domain verfügbar (das war damals nicht ganz unwichtig).

6. Wie sind die Reaktionen auf die Cartoons, insbesondere von Ihren Kollegen?

Im Allgemeinen sind die Reaktionen positiv und ich bekomme gerade über unsere Facebook-Seite www.facebook.de/medilearn viel Zuspruch und gute Ideen für weitere Cartoons. Vereinzelnd gab und gibt es aber auch im ärztlichen Umfeld Kritik oder Bedenken. Humor wird zuweilen als Bedrohung für Seriosität oder Kompetenz wahrgenommen. Dass Humor natürlich nicht im Widerspruch zur Professionalität steht, sollte aber klar sein.

7. Für wen zeichnen Sie Ihre Cartoons, wie sieht Ihre Wunschzielgruppe aus?

Die Cartoons sind für Menschen gemacht, die über ein humorvolles Herz verfügen. Meine Wunschzielgruppe sind Menschen, die gerne lachen, Dinge auch mal aus einer anderen Perspektive betrachten können und sich selbst nicht immer zu ernst nehmen. Leider gelingt das nicht immer allen ;-)

8. Wie gehen Sie mit Kritik um, die Ihre Cartoons als zu extrem bezeichnet?

Kritik ist immer berechtigt, weil sich in solchen Fällen ja zumindest einzelne Personen betroffen fühlen. Meistens wird ein Hauptbestandteil der Kritik aber durch eine Fehlinterpretation oder große Empfindlichkeit ausgelöst. Beispiel: in einem Cartoon tragen zwei Rettungsdienstler eine Trage mit Erde über einen Hochwassersteg und schimpfen auf die "Land-Rettung". Dieses Wortspiel führte bei einigen betroffenen Menschen in den Überschwemmungsgebieten zu harter Kritik. In solchen Fällen entstehen im Kopf der Betrachter Assoziationen, die ich weder beabsichtige noch beeinflussen kann.

9. Was würden Sie auf gar keinen Fall zeichnen, weil es für Sie moralisch nicht vertretbar wäre?

Ganz klar die Themen Kindstod, Misshandlungen/Missbrauch oder religiöse bzw. sehr sexistische Themen. Grundsätzlich gilt ja auch für Satire oder schwarzen Humor: nur weil man alles zeichnen könnte, muss man es ja nicht zwingend tun.

10. Woher bekommen Sie Ihre Ideen bzw. Inspiration für so eine Vielzahl von Cartoons?

Freunde und Bekannte, Kollegen aus Klinik und Rettungsdienst aber auch Internetforen, Facebook oder persönliche Zuschriften per Email sind meist gute Ideenlieferanten. Genauso gut kann ich mich aber auch an den Zeichentisch setzen und mir lustige Situationen und Szenen konstruieren. Meistens kommen die Ideen aber spontan und dann ist es wichtig, diese schnell irgendwo zu notieren, weil sie sonst genauso schnell wieder verloren sind.

Das Interview wurde organisiert mit freundlicher Unterstützung von MEDI-LEARN. Weitere Cartoons finden Sie auf der Facebook-Seite von MEDI-LEARN Cartoons.

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